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Tanzabend 'Cascade' im Pact Essen im Rahmen der Ruhrtriennale 2021
Die Ruhrtriennale 2021 ist mit dem spielerischen Tanztheater „Cascade“ zu Gast im PACT Zollverein in Essen, eine außergewöhnliche Mischung aus Tanz und gesprochenem Theater, die sich mit dem Thema der Linearität der Zeit und unserem zu optimierenden Dasein befasst.

Die Choreografin Meg Stuart gehört zu an preisgekrönten ihrer Zunft. In „Cascade“ fragt sie nach der Entropie, ein Maß der Unwissenheit, und der Suche nach Halt. Kann man der Vergänglichkeit und Linearität der Zeit widerstehen, tänzerisch eine neue Welt kreieren sowie unvermeidbare Konsequenzen möglichst abmildern oder erträglich zu gestalten? Man ist für einander da sein und ficht Kämpfe aus. Es ist eine rauschhafte Suche im orientierungslosen Abwärtssog. Handlungen werden aufgebrochen und wieder neu zusammengesetzt. Ziel ist es, weiter seinen Träumen nachzugehen, in einer neu definierten Zeitlichkeit und Ausgeglichenheit, um sich sich der Herausforderung des Unbekannten dabei zu stellen, die Zeit in der wir leben.

Berge und Gipfel sind von Sternenhimmeln bedeckt. Pieter Ampe, Jayson Batut, Mor Demer, Davis Freeman, Márcio Kerber Canabarro, Renan Martins de Oliveira und Isabela Fernandes Santana betreten in Zeitlupe die Bühne, die mit Seilen sowie Netzen mit urzeitlich erscheinenden Steinen und Keulen gestaltet ist. Nach einer ganz feine Live-Percussuion kommt der prägende Rhythmus der beiden Trommeln zum Tragen. Die Dinge des Lebens gehen auf und ab, kommen langsam und gehen langsam. Ist der Anfang oder das Ende näher? Fallen gehört dazu, genauso wie der Wunsch eine andere Perspektive zu suchen. Es ist stets ein Zusammenkommen in verschieden großen Gruppen. Sie hüpfen, springen, bewegen sich wie Roboter, inklusive Tempowechsel und Stille. Man erkennt Andeutungen eines wilden Pogo-Tanzes, aus Freude oder wegen fehlender Orientierung? Alle sind wild in Bewegung, bis hin zu gleichförmigen Bewegungen der ganzen Gruppe, Schreie und Techno-Klänge inklusive. Es ist für die tanzenden Akteure, wie auch für die beiden Musiker Philipp Danzeisen und Rubén Orio sehr schweißtreibend.

Nach einer kurzen Gedankenpause für das Publikum und etwas Ruhe für die Tänzer ist der Wandel des Bühnenbildes zu einer Südsee-Oase rauschendem Meer zu erkennen. „All you need is love“ oder „How deep is your love“ erklingen leise im Hintergrund, Träume von Meer und Sonne. Man erobert zunächst entspannt neue Orte, möchte Tage im Bett verbringen und gar nicht mehr aufstehen, keine Alpträume mehr erleben, innere Ausgeglichenheit und Momente der inneren Einkehr spüren und den Mond betrachten. Auf den schönen Traum folgen alsbald wieder Passagen mit einer extrem hohen Trommelfrequenz, nur unterbrochen durch gesprochene Passagen einzelner Tänzer, z.B. Erinnerungen an Omas Geschichten. Sterne kann man einfach mal nach seinen Liebsten umbenennen. Realistisch muss man aber feststellen, dass das Leben immer schwieriger wird. Die Dinge werden gegen Ende klarer, puristischer und auf den menschlichen Körper reduziert. Ist das Aufbruch zu einem neuen Ort, einer neuen Lebenswirklichkeit?

Dieses sehr extravagante, aber gelungen choreografierte Stück ist ein gutes Beispiel, wie man Gedanken, Wünsche und Träume unserer sehr ungewöhnlichen und belastenden Zeit in eine tänzerische Form bringen kann. Der zeitgenössische Tanz wird dabei zu einer beeindruckenden Art von Hochleistungssport. Auch wir müssen die Ungewissheiten angehen und hart daran arbeiten, damit unser Leben wieder lebenswerter wird.

Datum: 11. September 2021

www.ruhrtriennale.de