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Oper 'Carmen' im Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen
Der Opernklassiker „Carmen“ feierte im Musiktheater im Revier (MiR) in Gelsenkirchen Premiere. Es war eine sehr gelungene mit guten Rollendebüts und natürlich erstklassiger Musik.

Für die Inszenierung verantwortlich ist die erst 32jährige Rahel Thiel, die auf der anschließenden Premierenfeier in Foyer strahlen durfte. Der Druck war weg und das Lob zahlreich. Von 2015 bis 2019 wirkte sie als Regieassistentin am MiR, durfte sogar hier und da eigenständige Regieerfahrung sammeln. Das zahlte sich aus. Sie ist als freie Regisseurin mittlerweile sehr gefragt. Das MiR ist stolz, immer wieder junge Leute nach oben zu bringen, die auch an anderen Häusern zu überzeugen wissen.

Noch jung an Opern-Jahren sind auch Lina Hoffmann als Carmen und Khanyiso Gwenxane als Don José. Für beide ist es ein Rollendebüt. Wie Generalintendant Michael Schulz auf der Premierenfeier berichtete, wäre Lina Hoffmann am liebsten im Boden versunken, als er ihr die anspruchsvolle Rolle der Carmen vor etwa zwei Jahren übertrug. Nach nun ausgiebiger Vorbereitung konnte sie eine tolle Leistung abliefern. Gleiches gilt auch für Khanyiso Gwenxane, der zuletzt schon als Otello sehr zu überzeugen wusste, eine junge und schon ziemlich große Stimme. Eine echte und vom Publikum ebenfalls gefeierte Entdeckung ist Heejin Kim als Micaela. Was für eine klasse Stimme, die natürlich auch noch ausbaufähig ist. Drei kommende, potentielle Opernstars und ein möglicher Stern am Regiehimmel sind in dieser Produktion vereint. Egal ob Piotr Prochera, Dongmin Lee, Anke Sieloff, Tobias Glagau, Adam Temple-Smith oder die weiteren SolistInnen, gemeinsam mit der Neuen Philharmonie Westfalen klingt die Inzsenierung sehr gut. Ein Dank geht darum auch an die musikalische Leitung von Rasmus Baumann, der eine seiner Lieblingsopern dirigieren durfte.

„Carmen“ ist wie immer eine Choroper. Der Opernchor ist ein wichtiges Element dieser Inszenierung. Er fungiert als Soldatencorps in Uniform, wie auch als Stimme der Unterwelt, in schwarzen Anzügen, als Abgesang auf Carmens Leben. Die männlichen Sänger ersetzten sogar den Kinderchor, der wegen der Pandemie noch nicht zusammen singen konnte. Ein paar stumme Kinder sind jedoch auf der Bühne.

Szenisch hat diese „Carmen“ reichlich zu bieten, und das mit einem nicht überfrachteten Bühnenbild. Jeder Akt wirkt optisch anders. Recht schmucklos geht es zunächst bei den Soldaten los, ehe sich die Bar aus dem Boden erhebt und für Auflockerung sorgt. So entstehen Ebenen, die später für die Andeutung der Unterwelt hilfreich sind. Dort ist Carmen umgeben von zwei schwarz verschleierten Engel des Todes, während Don Jose oben agiert und sogar die Pistole auf Carmen richtet. Auf sein Konto gehen durchaus Menschenleben. Seine Rolle als Außenseiter, die Eifersucht und dich nicht zustande kommende Liebe zu Carmen machen ihn immer rasender und ungeduldiger. Carmen hingegen sieht ihren Tod früh kommen. Ihre Hände werden in Kunstblut getaucht, sie entdeckt den eigenen Tod beim Kartenlegen und spürt immer stärker ihr eigenes Ableben. Die Kostüme von Renée Listerdal sind eher zeitlos, passend und nicht langweilig.

Carmens Tod ist, im Gegensatz zu anderen gewaltsamen Morden oder Mordversuchen per Pistole, fein differenziert. Schließlich liebt er sie ja, nur sie ihn nicht mehr. Für sie hat er ein Messer besorgt. Das Blut fließt dabei nicht, sondern wird über einen hängenden und mit Blut markierten Stier in der Arena symbolisiert, ganz klar, kurz und bündig. Szenisch ist das hervorragend gelöst.

Diese „Carmen“-Inszenierung überwindet Klischees, ohne dabei den Charakter der Oper völlig zu verändern. Die Figur Carmen wirkt selbstbestimmt und konsequent. Ihr mögliches Milieu wird angedeutet, aber nie betont.

Datum: 13. März 2022

www.musiktheater-im-revier.de