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Oper 'Don Carlo' im Aalto Theater Essen
Mit Verdis Oper „Don Carlo“ zeigt das Aalto Theater eine wundervolle Inszenierung von Robert Larsen, die auf ganzer Linie überzeugt. Musikalisch treten die Essen Philharmoniker unter der Leitung von Andrea Sanguineti großartig in Aktion. Man hat die Mailänder Fassung in italienischer Sprache gewählt.

Es ist ein Blockbuster von Oper mit all dem, was ein guter Stoff benötigt. Es geht um Macht, Weltpolitik, Religion, Vertrauen und Misstrauen, Einsamkeit, Verzweiflung, Verrat, Selbstbeherrschung, Ohnmacht, Eifersucht, Ehre und natürlich um die Liebe, der immer etwas im Wege steht. Die Liebesgeschichte im ersten Akt lässt man in Essen allerdings weg und steigt gleich in den zweiten Akt ein. Filippo II., König von Spanien (Ante Jerkunica) ist bereits mit Elisabetta (Gabrielle Mouhlen) verheiratet. Letztere war eigentlich die Verlobte von Filippos Sohn Don Carlo (Gaston Rivero). Don Carlo liebte sie uns sie ihn, doch es galt den Frieden zwischen Frankreich und Spanien zu wahren. In diesen Kreisen wird politisch geheiratet weniger aus Liebe. Besser könnte der Stoff für eine extrem konfliktreiche Vater-Sohn-Beziehung kaum sein.

Der Raum für diese sehr spannende Inszenierung ist ein tiefer und variabler Raum mit gebürsteten Alu-Wänden, die ganz hervorragend mit dem Licht spielen. 1884, das Jahr der Uraufführung in Mailand, war die Zeit der Weltausstellung in Paris. Der Werkstoff Aluminium war der neuste Schrei. Ein Lob für die klasse Bühne an Radu Boruzescu. Die Requisiten sind extrem reduziert, beschränkt auf das Nötige, einen Königsschreibtisch mit Krone, Zepter, Schwert und Weltkugel. Die damals unausweichliche Macht der Kirche, der auch kein König entkam, symbolisiert ein Blumenmeer geformt zu einem großen Kreuz auf dem Boden, der gebührende Empfang für die Inquisition, eine vergiftete Allianz zwischen weltlicher und kirchlicher Macht. Der Tod spielt ständig mit, als Totenkopf, Schwert oder gegen Ende in Form von rund 20 Särgen. Die Massenszene mit den Hinrichtungen der Flamen wird klar angedeutet, es fällt allerdings kein Schuss. Das Licht geht einfach aus und es ist Pause. Sehr gut gelöst in schwierigen Zeiten. Immer wieder beeindruckend sind die Duette zwischen Vater und Sohn, bzw. zwischen dem Mönch (Baurzhan Anderzhanov) und Filippe oder Don Carlos und Elisabetta. Die häufig nicht einfach zu singenden Arien haben hier und da eine beachtliche Länge.

Wie einsam es an der Macht sein kann, dafür ist Filippo ein leuchtendes Beispiel. Wenn man Teil des Volkes wäre, würde das die Position des Königs ausschließen. Respekt entsteht durch Härte in Form von der Kirche gegenüber der weltlichen Macht und des Königs gegenüber seinen Untergebenen. Der innere Konflikt, eventuell seinen Sohn umbringen zu lassen, weil diesem die Frau gestohlen wurde und der nun gegen seine Einsamkeit aufbegehrt, wird klasse herausgearbeitet. Filippo ist verzweifelt und muss zur Härte schreiten, um seinen eigenen Kopf versuchen zu retten. Glücklich wird hier keine der Figuren. Man wünscht sich, im Himmelreich endlich die Liebe zu leben, die auf Erden vergönnt war. „Don Carlo“ ist in gewissem Sinne eine Choroper. Der Opernchor spielt eine gewichtige Rolle, bei Gesangspartien, wie auch szenisch, sogar noch unterstützt vom Extrachor und diversen Statisten. Die große Bühne wirkt in manchen Szenen richtig voll. Das Ende ist kurz und knackig inszeniert. Das Ableben wird auch hier sehr sensibel ohne Splatter dargestellt.

Zu der sehr emotionalen Handlung spielen die Essen Philharmoniker ganz wunderbar. Das Schlagwerk ist immer wieder stark zu vernehmen, aber auch eine Harfe. Mächtige Auftritte werden genauso passend untermalt wie die gefühlvollen Szenen. Stimmlich ist diese Inszenierung ein echter Genuss, eine große sängerische Leistung. Da möchte man kaum eine bestimmte Figur herausheben. Jede ist in sich sehr passend besetzt. Bühne, Musik, Stimmen, Licht und die sehr passend gewählten Kostüme wirken zusammen absolut stimmig.

Datum: 19. März 2022

www.theater-essen.de