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Musiktheater 'Die verkaufte Braut' im Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen
Das Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen präsentiert mit der Oper „Die verkaufte Braut“ von Bedrich Smetana eine sehr gelungene Inszenierung, die sehr frisch und farbig daher kommt.

Es ist Kirchweih in einem Dorf. Es wird getanzt, getrunken und niemand kann diesem Dorf wirklich entkommen. Nur Hans (Martin Homrich) wurde einst vom reichsten Gutsherrn (Yevheb Rakhmanin) verstoßen, schlug sich durch, um nun wieder heim zu kommen, ohne anfangs erkannt zu werden. Alle anderen versauern in ihrem Dorf. Wenn man sich nicht ein Opfer aussucht, um sich darüber sein Maul zu zerreißen, wäre hier nichts los. Es ist der ideale Nährboden für einen Heiratsvermittler wie Kecal (Michael Tews). Marie (Heejin Kim) sitzt zwischen allen Stühlen, soll mit Wenzel (Tobias Glagau), dem Loser-Sohn des Gutsherrn verheiratet werden, dabei ist sie doch in Hans verliebt. Maries Eltern (Anke Sieloff und Piotr Prochera) haben gar nichts zu melden, haben Schulden beim Gutsherrn. Kecal ist es, der alles richten soll.

Eine stark von Folklore geprägte Oper ist in der heutigen Zeit eine echte Herausforderung. Schnell wirkt so eine Inszenierung angestaubt und von gestern. Hier ist es anders. Das Bühnenbild zeigt ein zeitgenössisches Festzelt mit Tischen und Stühlen. Dirndl und Lederhosen erinnern z.B. an das Oktoberfest. Mittendrin befinden sich allerdings zwei Hausdarstellungen als moderne Architekturentwürfe, die das Leben abseits der Folklore darstellen. Hier wohnen Maries Eltern oder Wenzel. Der optische Kontrast bricht das Klischee der typischen Folklore deutlich auf. Später wird aus dem Bierzelt die Manege eines Zirkus, wo Wenzel wieder mal übers Ohr gehauen wird. Die reizende Esmeralda (Scarlett Pulwey) ist nur ein Lockvogel. Er bleibt auf der Bühne der große Loser, findet keine Liebe und auch kein Lebensglück, bleibt immer der trottelige Sohn des Gutsherrn. Hans ist zwar ebenso ein Außenseiter, doch schon sein Jeans-Look zeigt, dass er die Welt außerhalb kennt. Er agiert listig, um seine Braut Marie für sich zu gewinnen und alle hinter sich zu lassen.

Die Inszenierung schafft es sehr gut, diese Oper zu entstauben, ohne dabei die Entstehungszeit zu vergessen. Gewisse Rituale haben wir zum Glück hinter uns gelassen. Frauen dürfen den Mann oder die Frau ehelichen, den/die sie lieben. Die Szenen wirken abwechslungsreich gestaltet, die Kostüme sehr ansprechend und alles wirkt insgesamt stimmig. Schön ist ebenso, dass einige junge Gesangstalente aus dem Opernstudio NRW oder dem Jungen Ensemble am MiR wichtige Erfahrungen machen dürfen. Sie machen es sehr gut. Die musikalische Leitung hat Peter Kattermann und die Neue Philharmonie Westfalen setzt die Partitur wunderbar um.

Datum: 11. Dezember 2022

musiktheater-im-revier.de