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Oper 'Herzog Blaubarts Burg' im Aalto Theater Essen
Das Aalto Theater Essen präsentiert sehenswert die Oper „Herzog Blaubarts Burg“ von Béla Bartók nach einer Dichtung von Béla Balázs. Die Inszenierung ist pfiffig konzipiert, denn der gesamte Saal wird zur Burg und das Publikum sitzt mittendrin.

Es ist schon ein gruseliger Ort, in den man sich mit der weiblichen Hauptdarstellerin Judith (Deirdre Angenent) begibt. Baubarts Zuhause ist geprägt von Kälte und Blut, das überall klebt. Die Wände sind nass und das Haus hat schon bessere Zeiten erlebt. Es ranken sich Gerüchte um sieben Türen und ermordete Ex-Geliebte. Das aber schreckt Judith in keinster Weise. Sie lässt ihr altes Leben hinter sich und wirft sich Blaubart (Karl-Heinz Lehner) an den Hals, aus voller Überzeugung und Liebe. Sie möchte Licht in seine seine Burg bringen, in seine Seele eindringen und ihn für sich gewinnen. Der Geschlechterkampf nimmt seinen Lauf. Judith wird zur Femme Fatale und zu einer Art Erlöserin.

Regisseur Paul-Georg Dittrich nutzt den Saal auf ungewöhnliche Art und Weise. Ein Teil des Publikums konnte Plätze auf der Bühne erwerben, die halbkreisförmig auf weißen Schaukeln angeordnet sind. Dort ist man ganz nah dran, kann allerdings nicht die deutschen Übertitel zur ungarischen Sprache auf der Bühne mitlesen. Am Ende wird man dort aber sogar zum Statisten und somit direkten Teil der Inszenierung. Ebenso werden die weiß geschwungenen Balkone im Zuschauerraum zur Projektionsfläche für Blaubarts großes Reich. Als eine Art Lauf der Geschichte kreist ein großer Vorhang langsam im Kreis über die Bühne. Auch dieser wird zur Verdeutlichung der Szenen von einem ebenso sich drehenden Projektor bespielt. Das Licht spielt bei diesem Thema natürlich eine wichtige Rolle.

Alle sieben Türen spiegeln sich in einem Metallkäfig in der Mitte der Bühne wieder. Imaginär werden hier die Folterkammer, die Waffenkammer, die Schatzkammer bis hin zur letzten Tür widergespiegelt. Herzog Blaubart wirkt dabei eher als unglückliche Gestalt, der mit dem forschen Auftreten Judiths nicht viel anfangen kann. Fragen darf sie keine stellen, tut sie aber doch. Sein dunkler, schwerer Mantel wandelt sich zu später allerdings zu einem modernem und hellem Look, wie auch bei Judith. Sie wirken optisch wie zwei Protagonisten aus einer völlig anderen Zeit, die in die Gegenwart eintauchen.

Musikalisch begleiten die Essen Philharmoniker unter Leitung von Gábor Káli das Geschehen sehr temperamentvoll und emotional. Einflüsse ungarischer Volksmusik vermischen sich mit impressionistischen Einflüssen von Wagner und Debussy. Karl-Heinz Lehner und Deirdre Angenent machen gesanglich ebenso keine schlechte Figur. Sie füllen ihre Charaktere passend mit stimmlichem Leben, mitsamt der Körpersprache eines unglücklichen Herrschers und der liebenden Neugierde einer jungen Frau.

Insgesamt wirkt die Inszenierung wie eine gelungene Interpretation einer sehr alten Sage, gut ausgefüllt von zwei Stimmen und ergänzenden Statisten.

Datum: 19. Februar 2022

www.theater-essen.de