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Austellung 'Black Gold and China. Fotografien von Lu Guang' im Deutschen Bergbaumuseum Bochum
Mit der sehr beeindruckenden Ausstellung „Black Gold and China. Fotografien von Lu Guang“ widmet sich das Deutsches Bergbaumuseum Bochum einem kritischen Thema der Gewinnung von Georessourcen am Beispiel China. Lu Guang ist ganz dich dran, an den menschen- und umweltfeindlichen Gegebenheiten vor Ort. Seine eindrucksvollen Fotos werden erstmals in Europa gezeigt.

Es sind Bilder aus einer für uns anderen Welt. Wir alle kennen im Revier Fördergerüste und ehemalige Zechengebäude. Die Steinkohle wird schon lange nicht mehr aus dem Boden gefördert. In China ist das völlig anders. Steinkohle wird vielfach im Tagebau gewonnen, aus riesigen Erdlöchern nach oben befördert. Hier wird alles dem Energiehunger des Landes und dem wirtschaftlichem Wachstum untergeordnet. Die Umwelt steht an zweiter Stelle. Der Mensch als Arbeiter hat sich komplett unterzuordnen, im Job und auch privat.

Lu Guang ist einer der ganz wenigen freien Fotografen in China. Seine Umweltthemen sind landesweit wahrgenommen worden, haben Bevölkerung und Mächtige aufgerüttelt. Seine fotografische Reise durch die Kohlegruben und Industriegebiete begann 1995 mit ersten Fotos von Kleinzechen. Mit Pferden und Transportwagen holte man sie unter gefährlichen Arbeitsbedingungen aus engen Stollen. Die hochwertige Anthrazitkohle wird sogar manuell von Menschenhand gewaschen. 1,2 Tonnen schaffen zwei Arbeiter in 13 Stunden. Hunderte dieser Kleinzechen gab es. Ihre Zahl ist heute geschrumpft. Alle diese Anlagen machten aus fruchtbarem Weideland eine graue, staubige Wüste. Noch heute versinken Häuser oder ganze Dörfer in den Tagesbrüchen der Kleinzechen. Es gibt Proteste der Bevölkerung an die Adresse des Staates. In Sicherheitstechnik wird eher weniger investiert. Der wirtschaftliche Konkurrenzkampf unter den Gruben ist zu groß. So ist einem bedeutsamen Explosionsunglück untertage (2004) ein ganzes Kapitel gewidmet worden. 166 Bergleute starben. Man sieht das Leid der Angehörigen, die Trauer der Frauen und Kinder, eindrucksvolle Fotos.

Mit dem Verschwinden der Kleinzechen wurde groß gedacht. Die Tagebaue haben für uns unvorstellbare Ausmaße. Es sind und bleiben riesige Narben in der Natur, teilweise Gebiete, so groß wie die Fläche Belgiens. Ganze Gebirge werden ausgehöhlt. Kohle-LKWs quälen sich hinauf auf 4.000 m Höhe, mitten durch den Schneesturm. Unmengen von Staub und Dreck wirbeln durch die Luft, verwandeln die Gruben in diesige Nebellandschaften. Die Kokereien, Stahlwerke und Stahl verarbeitenden Betriebe befinden sich in der Nähe. Ihre Schornsteine blasen den Dreck bis in die Hauptstadt Peking. Dort erstickt man am eigenen Smog. Die Fotos zeigen, wie die Kette der Folgen aussieht. Städte präsentieren ihre leuchtenden Paläste der Wirtschaft, während man nicht selten ihre glänzenden Fassaden im Dunst kaum sieht. Das ist der Preis des Wirtschaftswachstums.

Besonders der intime Blick in die Unterkünfte der Arbeiter und privaten Wohnungen erschreckt. Teilweise wirken sie wie Ställe, in denen die Arbeiter ein einziges Etagenbett ihr Eigen nennen. Unten schläft man, oben liegt das wenige Hab und Gut. Dort möchte man seine Nase nicht hinein halten.

Noch immer wird Kohle weltweit unter unvorstellbaren Bedingungen abgebaut, ob in Indonesien oder Indien. China ist als Marktführer mit etwa 50% der weltweiten Kohle nur ein beispielhafter Leuchtturm im negativen Sinne. Das fotografische Engagement von Lu Guang hat in China mittlerweile zu einem leichten Umdenken geführt. Die Schlote pusten nicht mehr ganz so viel Dreck in die Luft, aber immer noch viel zu viel. In den ehemals riesigen Weidelandschaften möchten mittlerweile kaum noch Tiere leben. Selbst erklärte Naturschutzgebiete sind grau mit Staub bedeckt. Hier frisst kein Tier mehr freiwillig einen Grashalm. So hat man Schafe, Kühe, Strauße oder Giraffen als Tierskulpturen aus Plastik in die Landschaft gestellt, um zumindest die heile Natur vorzutäuschen. Der Wahnsinn treibt seltsame Blüten.

Zur Ausstellung gibt es ein spannendes Rahmenprogramm. Ein klasse gestalteter Katalog mit allen Ausstellungsfotos ist im Deutschen Kunstverlag Berlin München erschienen und im Museum zu erwerben.

Laufzeit: 10. Dezember 2021 bis 14. April 2022

www.bergbaumuseum.de