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Gordon Millings - der Herrenschneider der Beatles - in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen
Mit Gordon Millings hatte die Ludwiggalerie Schloss Oberhausen einen Gast aus London, der den Beatles die Anzüge schneiderte. Im Dialog mit Dr. Christine Vogt, der Direktorin des Hauses, berichtete der Designer kenntnis- wie anekdotenreich über seine zahlreichen Begegnungen mit den berühmten Musikern.

Der Rahmen der aktuellen mit Fotos von Linda McCartney war für diesen Besuch ein ganz besonderer. Schließlich sind zahlreiche Kleidungsstücke auf den Motiven im Schneider-Atelier im Londoner Künstlerviertel Soho entstanden. Dort stand sogar ein Piano, auf dem die berühmten Gäste gerne spielten. Gordon und sein Vater Dougie Millings schneiderten von 1962 bis 1969 über 700 Anzüge für die Fab Four. In ihrem Atelier entstand das berühmte kragenlose Jackett der Beatles mit rundem Halsausschnitt, das von ihren Manager Brian Epstein in Auftrag gegeben wurde, um ein neues Image zu prägen. Die Beatles sollten nicht in Lederjacken auftreten, wie sie selbst in Hamburg oder andere Bands ihrer Zeit. So waren ihre Jacken beige, später schwarz oder dunkelblau. Vater und Sohn Millings nahmen sich dafür Unifomen als Vorbild. Die Haare wurden nach vorne gekämmt und fertig war der markante Look der Beatles, mit dem sie die Welt eroberten.

Das Geschäft expandierte, als der Film „A hard days night“ gedreht wurde. Plötzlich trug man Samtkragen und Samtmanschetten. Für den zweiten Film, der nun in Farbe gedreht wurde, stieg der Aufwand immer mehr an. Es wurden für das Set unzählige Anzüge gefertigt. Man kippte sogar Kunstblut über einen weißen Anzug, der daraufhin entsorgt werden konnte. Später wurden Anzüge für Konzerte nur ein- oder zweimal getragen. Die Beatles gingen verschwenderisch mit ihren Textilien um. So ein Anzug kostete bei den Millings etwa 33 bis 44 Pounds. Heute müsste man dafür rund 3.000 Euro pro Anzug hinlegen. Mit „Sergeant Pepper“ endete die geschäftliche Verbindung zwischen den Beatles und den Millings. Die Kostüme wurden bunt. Das alte Image hatte ausgedient.

Gordon Millings war 17 Jahre alt, als er die Beatles das erste Mal traf. Bei so berühmten Freunden ließen die Mädels nicht lange auf sich warten. Sein Vater Dougie wurde sogar selbst zum kleinen Filmstar. Als er bei einem Treffen am Filmset zu „A hard days night“ in einem schicken, schwarzen Anzug ankam, um nachher noch eine Trauerfeier zu besuchen, baute der Regisseur ihn kurzerhand in einer kleinen Szene mit ein. Dougie wollte aber nie auf die Bühne. Als er mal hinter dem Bühnenvorhang von Sammy Davis jr. stand, für den er ebenfalls schneiderte, wollte der ihn ins Rampenlicht zerren. Er war zu schüchtern, um vor 2.500 Zuschauern als sein Herrenschneider vorgestellt zu werden. Ein wenig unverständlich war das schon, denn Dougie war selbst Musiker, spielte Gitarre in einer Band und sang.

Ein ganz besonderes Geschenk machte Roy Orbison, ebenfalls Kunde. Er hatte sich in einen neuen Triumph-Sportwagen verliebt und wollte ihn sofort haben, trotz drei Monaten Lieferzeit. Gordon hatte Kontakte und besorgte ihm sein Lieblingsauto. Wenig später stand ein LKW vor der Tür, mit einem Geschenk für Gordon. Heraus kam ein 1950er MG aus dem Besitz von Roy Orbison. So bedankt man sich als ein echter Star.

Gordon Millings hätte stundenlang Geschichten aus seinem spannenden Leben erzählen können. Prinzen ging ein und aus. Er hat viele berühmte Persönlichkeiten kennengelernt. Die Beatles waren dafür auch eine Art Türöffner. Vor etwa fünf Jahren traf er Paul McCartney, der überwiegend in den USA lebt, zum letzten Mal. Seine alten Anzüge passen ihm tatsächlich heute noch, worauf er sehr stolz ist.

Datum: 22. August 2022

www.ludwiggalerie.de