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Konzert der 'Schießlich unendlich'-Tour von Niedeckens BAP in der Mitsubishi Electric Halle in Düsseldorf
Wolfgang Niedecken und BAP spielten in Düsseldorf ein großartiges Konzert der „Schließlich unendlich“-Tour in der fast ausverkauften ME-Halle. Über 5.000 Fans lauschten alten und neuen Klängen.

Auf den ersten Blick klingt es paradox, BAP in Düsseldorf, doch Niedecken sieht das ganz entspannt. Keine Witze über die Stadt und das Rheinische heißt in Köln eben Kölsch. Sprachlich ist man sich näher als man oft meint. In der ehemaligen Philipshalle, die heute noch sehr atmosphärisch ist und die seit ihrer Eröffnung 1971 viele große Auftritte erlebt hat, war das Zusammenspiel zwischen Band und Fans sehr gelungen. Die Größe ist gerade richtig, anders als bei den großen Arenen. So entwickelte sich ein hervorragendes Konzert mit toller Stimmung und zahlreichen Hits.

Leider sind die Songs des aktuellen Album bei nicht vielen bekannt. Zu erkennen ist das an den nicht gezückten Handys, die sonst bei Klassikern zahlreich in die Höhe schnellen, um Videos zu drehen, die man sich bald schon wieder nicht mehr ansieht. Man hört zu, wippt mit und hofft auf vertraute Klänge. Trotzdem gab Niedecken sich größte Mühe, seine neuen Klänge geschickt in den Ablauf einzubauen und zu vermitteln.

Über 40 Jahre Bandgeschichte hinterlassen bei Konzerten ihre Spuren. Teilweise waren Songs von ersten BAP-Album zu hören. Niedecken war mal gespannt, ob jemand da noch den Text kannte. Jedenfalls kann man ganz sicher feststellen, dass es von ersten Song des Abends an, „Hück ess sing Band en der Stadt“, die Halle weitestgehend stand, was der Stimmung sehr gut tat. Es folgten bekannte Töne wie „Wahnsinn“, „Alexandra“, „Jupp“, „Stell dir vüür“, „Waschsalon“, „Müsliman“, „Paar Daach fröher“ oder „Nix wie bisher“. In einer Zeit, wo unsere Spitzenpolitiker in Berlin oft planlos durch die Nacht irren, an den Bürgern vorbei agieren und jede Menge Vertrauen einbüßen, reift der Boden für das braune Gesocks. Niedecken stellt dem seine Hits „Kristallnaach“ und „Arsch huh - Zäng ussenander!“ entgegen. Nicht nur im liberalen Köln haben diese Typen nichts zu suchen.

Zugaben waren reichlich eingeplant, schließlich geht man bei Niedecken nicht unter drei Stunden nach Hause. Auch in Düsseldorf kam man damit nicht aus. „Verdamp lang her“, „Do kanns zaubere“, „Rita“ oder „Jraaduss“ waren Pflichtübungen. Da wurde die Halle zum Chor, egal woher man stammte. So viel Kölsch konnte jeder. Man hatte sich eingesungen. Der Groove stimmte, die Stehparty nahm ihren Lauf und alle waren glücklich.

Zu erwähnen ist natürlich die wie immer klasse Band. Zwei Bläser und ein Saxophon ergänzten den Sound sehr wohltuend. Anne de Wolff sorgte mit ihrer unglaublichen Musikalität oft für die besonderen Töne, während ihr privater Partner und Gitarrist, Ulrich Rode, sich an den Saiten seiner E-Gitarre ausließ. Gitarristen lieben den Solospot. Sollen sie ruhig, solange es gut klingt. Michael Nass beherrscht nicht nur die Tasten ganz wundervoll, er animierte das Publikum auch mal zu einer Laola. Wieder genesen ist Bassist Werner Kopal, der ganz unaufgeregt agierte. Den Takt am Schlagzeug gab Sönke Reich an. Alle zusammen wirkten extrem gut eingespielt und harmonieren prächtig. Ihren Wolfgang hegen und pflegen sie, schließlich möchten sie noch lange mit ihm auf einer Bühne stehen. Die kölsche Legende soll noch viele Konzerte spielen und Fans glücklich machen.

Extrem wohltuend war der Fakt, dass Niedecken auf jegliche digitale Animationen oder Videowalls verzichtete, alles ganz oldschool, mit einem kreativ schön gestalteten Bühnenhintergrund. Nichts lenkte von der Band ab. Die Musiker standen hundertprozentig im Mittelpunkt. Das ist heute leider selten geworden. Das Licht war gelungen und nicht überdimensioniert. Mit 71 Jahren hat man ein gutes Gefühl für eine passende Bühnenshow, ganz unaufgeregt und musikalisch top.

Datum: 13. November 2022

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