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Reisetipp: Deutsches Auswandererhaus Bremerhaven
Das Deutsche Auswanderermuseum in Bremerhaven dokumentiert die Themen Auswanderung und Einwanderung sehr interessant mit einer Dauerausstellung, die verdeutlicht, wieso Migration die Menschen umtreibt.

Ab dem 19. Jahrhundert trieben Armut, Hunger, politische oder religiöse Gründe viele Europäer in eine neue Welt, die meisten nach Nord- und Südamerika sowie nach Australien. Das gelobte Land versprach ein besseres Leben. Alleine zwischen 1821 und 1914 zählte man 44 Mio. europäische Auswanderer. Mit jeder Menge Ungewissheit bestieg man einen der vielen Dampfer und verließ seine Heimat. Diese Tatsache durchlebt man mit vielen historischen Details und Erinnerungsstücken, nachdem man einen historisierten Warteraum hinter sich gelassen hat. Es folgt ein Salon mit Schubladen, die Daten und Fakten von ehemaligen Auswanderern beinhalten. Anschließend folgt der entscheidende Schritt, vom Kai, über die Gangway auf den Dampfer, dessen schwarze Schiffswand mächtig die nächtliche Hafenszene beherrscht, in die man eintaucht. Lebensgroße Figuren in den verschiedenen Bekleidungen ihrer Zeit lassen erahnen, in welch einer bedrückenden Atmosphäre man damals die Heimat verließ. Hat man die Gangway hinter sich gelassen, so ist man selbst Teil der Auswanderer an Bord. War es die richtige Entscheidung?

Während man es sich in der ersten Klasse gut gehen ließ, musste die dritte Klasse im Zwischendeck erleben, wie elend so eine Überfahrt sein konnte. Massenunterkünfte mit Etagenbetten, kaum Sitzgelegenheiten, mäßiges Essen, Übelkeit und 6 bis 15 Wochen Reisezeit waren kein Vergnügen. Die Gerüche möchte man sich nicht vorstellen. Geschlafen wurde auf Strohmatratzen. Immerhin spielte ab und zu die Schiffskapelle im Speisesaal. Nebenbei lernte man an Bord die ersten Brocken Englisch, um bessere Jobs zu bekommen.

Die Ankunft war für viele Auswanderer Ellis Island in New York City. Hier wurden die Formalien überprüft. Ist man gesund? Mit viel Geld und einer großen Familie war man sehr willkommen. Doch was wurde aus ihnen? Bekannte deutsche Schriftsteller oder Theatermacher wie Thomas Mann oder Bertolt Brecht hatten es in der neuen Heimat schwer. Die einfachen Leute fanden Lohn und Brot im Handwerk, als Kindermädchen in reichen Familien, machten eine Kneipe auf oder verkauften Lebensmittel. Nicht jeder hielt jedoch dem Heimweh stand. Einige zog es zurück nach Deutschland. Die Ausstellung zeigt, wie das Leben in der neuen Welt so spielte. Manche fanden ihr Glück und kamen zu Geld. Mit der Erschließung der Eisenbahn Richtung Westen gab es viele Jobs.

Ein Museum muss auch mit der Zeit gehen. Ein Neubau nimmt die Besucher mit auf eine Reise in die Gegenwart. Einwanderung ist ein großes Thema, das viel diskutiert wird. Wie sollen wir mit dem Asylrecht umgehen? Reden aus dem Deutschen Bundestag werden eingespielt. Man erkennt, wie sehr wir alle von der Einwanderung profitieren, und sei es das griechische oder syrische Restaurant, wo wir einkehren. Zahlreiche Erinnerungsstücke von Einwanderern belegen die vielfältigen Geschichten der neuen Bürger, angefangen vom der Puppe bis hin zum Brautschleier. Filmische Auswanderergeschichten nach Buenos Aires, New York und Australien sowie die deutsch-türkische Beziehung sind in einem gemütlichen Kino sehenswert. Am Ende kann man noch seine Antworten der „Critical Thinking Stations“ auswerten, denn die eigene Meinung ist durchaus gefragt.

Das Deutsche Auswandererhaus ist voll mit persönlichen und spannenden Fakten sowie Geschichten, die sehr atmosphärisch und modern präsentiert werden. Aus- und Einwanderung haben Tradition, sind Teil einer jeden Gesellschaft.

Datum 23. Juli 2021

dah-bremerhaven.de