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Musiktheater 'Stadt der Arbeit' im Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen
Das Musiktheater im Revier (MiR) hat Regisseur Volker Lösch und Ulf Schmidt (Text) eingeladen. Er inszenierte das musiktheatralische Projekt „Stadt der Arbeit“. 15 Arbeitslose aus Gelsenkirchen haben acht Wochen geprobt, um ihre Geschichte im großen Zusammenhang mit der Problematik unseres verkrusteten Begriffs von Arbeit zu erzählen.

Die Politik redet gerne von Vollbeschäftigung und anderen Märchen, besonders im Wahlkampf. Jeder weiß, dass Arbeitslosigkeit sogar erwünscht ist, denn nur so weckt man als Arbeitgeber eine Angst vor dem Fall ins tiefe Loch. Der Nächste macht es dann für noch weniger Geld oder unbezahlte Überstunden. Findet man keine Arbeit, ist man selbst schuld und wird obendrein mit Strafen durch die Arbeitsagentur belegt. Unsere Wirtschaftspolitik ist auf die Unternehmer ausgelegt, die mit Steueranreizen Jobs schaffen sollen. Sie fördern oft lieber den eigenen Boni. Das ganze System ist ein eng geschnürtes Korsett, in dem ehrenamtliche oder soziale Arbeit gesellschaftlich nichts zählt. Die Schere zwischen arm und reich geht immer weiter auseinander.

Die Geschichten der 15 professionell vorbereiteten Laien werden mit realen und fiktiven Tatsachen als Handlungsstrang verknüpft. Die Existenz von Arbeitshäusern ist heute kaum noch bekannt. Bis in die 1970er Jahre gab es solche Einrichtungen auch in Deutschland. Arbeitslose wurden dort zwangsweise eingewiesen, um arbeiten zu lernen. Die Tätigkeiten waren oft banal und nicht wichtig. Heute wird man in Maßnahmen der Arbeitsagentur in Jobs gezwungen, die man gar nicht ausüben möchte oder die unwürdig sind, ansonsten drohen Leistungskürzungen.

Im Stück sind versuchen die Fallmanager die Arbeitslosen zu drangsalieren und sogar gegeneinander auszuspielen, in Person von Gerd (Schröder) und Peter (Hartz). Nur der Beste bekommt den Job. Der Rest darf Hilfstätigkeiten ausführen. Stattdessen gehen sie auf die Straße, erklären sich gemeinsam solidarisch und proben die Revolution. Szenisch ist das Gesamtpaket packend und sehr gut umgesetzt, eine Revolution in Gelsenkirchen, die symbolisch für viele andere Städte in Deutschland steht. Die Arbeitslosen werden in Einzelkäfigen gefangengehalten und erst milder behandelt, wenn sie sich auf die Linien der Arbeitsagentur begeben, Aufseher mit Knüppeln bewaffnet und gar nicht zimperlich. Sie verhöhnen die Arbeitslosen und erheben sich solange über sie, bis sie nicht mehr merken, eine Grenze überschritten zu haben, obwohl sie genau wissen, dass ihre Version von der Vollbeschäftigung eine Mär ist. Volker Lösch und Ulf Schmidt beziehen klar Position gegen das bestehende System und seine schlimmen Folgen für die Gesellschaft. Andere Verteilungsschlüssel von Arbeit und Einkommen sind nötig. Man möchte bewusst gesellschaftliche Impulse nach außen senden.

Musikalisch bringen die Sopranistin Eleonore Marguerre und Sebastian Schiller als göttlich-teuflisches Paar die Überlegungen zur Lohnarbeit auf eine höhere Ebene. Neben Musik von Wagner, Haydn, Bach oder Mozart ist auch Musik von zeitgenössischen Stimmen zu hören, z.B. von Bonnie Tyler (Hero), den Bee Gees (Staying alive) oder Sido. Ein großes Kompliment geht dabei an die Band auf der Bühne, die die Arrangements exzellent umsetzt sowie auch an die Laiendarsteller, die teilweise richtig gute Stimmen und Bühnentalente aufweisen. Der Abend ist extrem kurzweilig und deutlich in seiner Aussage.

Datum: 24. Oktober 2021

www.musiktheater-im-revier.de