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Musktheater 'Stadt der Arbeit' im Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen
Das Musiktheater im Revier (MiR) hat Regisseur Volker Lösch und Ulf Schmidt (Text) eingeladen. Er inszeniert das musiktheatralische Projekt „Stadt der Arbeit“. 15 Arbeitslose aus Gelsenkirchen haben acht Wochen geprobt, um ihre Geschichte im großen Zusammenhang mit der Problematik unseres verkrusteten Begriffs von Arbeit zu erzählen.

Die Politik redet gerne von Vollbeschäftigung und anderen Märchen, besonders im Wahlkampf. Jeder weiß, dass Arbeitslosigkeit sogar erwünscht ist, denn nur so weckt man als Arbeitgeber eine Angst vor dem Fall ins tiefe Loch. Der Nächste macht es dann für noch weniger Geld. Findet man keine Arbeit, ist man selbst schuld und wird obendrein mit Strafen durch die Arbeitsagentur belegt. Unsere Wirtschaftspolitik ist auf die Unternehmer ausgelegt, die mit Steueranreizen Jobs schaffen sollen. Sie fördern oft lieber den eigenen Boni. Das ganze System ist ein eng geschnürtes Korsett, in dem ehrenamtliche oder soziale Arbeit gesellschaftlich nichts zählt. Die Schere zwischen arm und reich geht immer weiter auseinander.

Die Geschichten der 15 professionell vorbereiteten Laien werden mit historischen Tatsachen als Handlungsstrang verknüpft. Die Existenz von Arbeitshäusern ist heute kaum noch bekannt. Arbeitslose wurden dort zwangsweise polizeilich eingewiesen, um arbeiten zu lernen. Die Tätigkeiten waren oft banal und nicht wichtig. Heute wird man in Maßnahmen der Arbeitsagentur gezwungen, in Jobs, die man gar nicht ausüben möchte oder unwürdig sind.

Im Stück sind versuchen die Fallmanager die Arbeitslosen zu drangsalieren und gegeneinander auszuspielen, in Person von Gerd (Schröder) und Peter (Hartz). Nur der Beste bekommt den Job. Der Rest darf Hilfstätigkeiten ausführen. Stattdessen gehen sie auf die Straße, erklären sich gemeinsam solidarisch und proben die Revolution. Volker Lösch und Ulf Schmidt beziehen klar Position gegen das bestehende System und seine schlimmen Folgen für die Gesellschaft. Andere Verteilungsschlüssel von Arbeit und Einkommen sind nötig. Man möchte bewusst gesellschaftliche Impulse nach außen senden.

Musikalisch bringen die Sopranistin Eleonore Marguerre und Sebastian Schiller als göttlich-teuflisches Paar die Überlegungen zur Lohnarbeit auf eine höhere Ebene. Neben Musik von Wagner, Haydn, Bach oder Mozart wird auch Popmusik zu hören sein.

Datum: 22. September 2021
Premiere: 8. Oktober 2021 (wegen einer Corona-Infektion eines Darstellers verschoben)

www.musiktheater-im-revier.de