abenteuer-ruhrpott.info Aktuelles abenteuer-ruhrpott.info
Freizeittipps
Veranstaltungen
Ausstellungen
Bücher / Musik
Kontakt
Impressum
Schauspiel 'Pünktchen und Anton' im Theater Oberhausen
Mit „Pünktchen und Anton“ von Erich Kästner geht das Theater Oberhausen in den Winter. Das Familienstück überzeugt mit gelungenen Szenen und einem schönen Bühnenbild.

Inhaltlich ist das Stück aktueller denn je. Die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander. Auch auf der Bühne wird der Unterschied deutlich dargestellt. Das herrschaftliche Bühnenbild von Pünktchens (Emilie Haus) Familie steht in einem krassen Gegensatz zu Antons (Tim Weckenbrock) Zuhause. Pünktchens Vater (Thorsten Bauer) ist immerhin Direktor einer Schuhcreme-Fabrik. Man kleidet sich entsprechend pompös und teuer und fährt einen cooles Mercedes Cabrio, tatsächlich mit Rückwärtsgang. Mutter ist dauernd shoppen oder mit Vater im Theater. Pünktchen ist also alleine mit dem Kindermädchen, welches aber gerne andere Dinge im Kopf hat. So wird das Alleinsein zum Abenteuertrip, bei dem ihr Anton über den Weg läuft. Seine Mutter ist schwer krank und er muss das Geld verdienen, sich um sie kümmern und kochen. Die Schule kommt da zu kurz.

Trotz aller gesellschaftlichen Unterschiede finden beide zusammen, obwohl es immer wieder Widerstände von außen gibt. Man verkauft gemeinsam nachts Streichhölzer oder Schuhcreme auf der Straße, um Anton zu unterstützen. Nichts kann sie aufhalten. Sie haben sich richtig gerne.

Neben der kindlichen Freundschaft gibt es einen zweiten Strang, den der Erwachsenen. Sie sind kalt, lieblos, skrupellos oder erkennen einfach die Lage nicht. Da vergnügt sich das Kindermädchen (Maria Lehberg) mit dem Gauner Robert (Philipp Quest) und Pünktchens Vater hat niemals Zeit für die Tochter. Ausnahmen sind die Köchin Berta (Anna Polke), die stets nach Anerkennung fleht, und Antons Mutter, die einfach nur gesund sein möchte. Nicht alles lässt sich mit Geld erkaufen. Schließlich muss etwas Drastisches passieren, um ein Umdenken zu bewegen. Es kommt zum Einbruch in der Fabrikantenvilla, doch da hat Berta die richtige Strategie und alles endet mit gemeinsamem Meeresrauschen.

Das Stück überzeugt mit guten Szenen, einer klaren Handlung und sehr stimmigen Kostümen. Den Kindern wird verdeutlicht, um welches Problem es geht. Man kommt den jungen Gästen schauspielerisch entgegen, ohne die Erwachsenen nicht zu vergessen. Mancher beruflich geforderter Papa erkennt sich vielleicht sogar wieder. Schauspielerisch gibt es nichts zu meckern. Gastschauspielerin Emilie Haus gibt ein sehr gutes Pünktchen, während Anna Polke hier auch mal ihre allgemein komödiantische Art einbringen kann. Alle sind passend besetzt und spielfreudig. Hin und wieder meint ein kleiner Gast im Saal das Geschehen kommentieren zu wollen, was für Schmunzeln sorgt. Es ist ein Spaß für Kinder, Eltern und Großeltern.

Aufgrund der vielen Familien- und insbesondere Schulvorstellungen existiert für jede Rolle eine Mehrfachbesetzung, um die Belastungen im Ensemble etwas zu verteilen.

Datum: 11. Dezember 2022

theater-oberhausen.de