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Schauspiel 'Alkestis' im Schauspielhaus Bochum
Mit der Inszenierung von „Alkestis“, inszeniert von Johan Simons, ist das Schauspielhaus Bochum sehr gut in die Spielzeit gestartet. Es ist ein harter Stoff, der aber optisch und musikalisch schön dargeboten wird, ein wenig Humor inklusive.

In die Rolle der Alkestis ist Anne Rietmeijer geschlüpft. Sie ist die, die den frühen Tod von Admetos (Steven Scharf) durch ihren eigenen Tod abwenden möchte. Keine andere Person wollte ihn retten, nur sie, seine Ehefrau. Das wirft automatisch Fragen auf. Gab es keine andere Lösung? Kann er seinen Eltern einen Vorwurf machen? Sie hätten nicht mehr so lange zu leben gehabt. Gab es überhaupt eine gute Entscheidung? Nein, Apollons Fügung ist grausam, auch wegen der jungen Kinder des Paares.

Dem Stück wird durch vielerlei Aspekte die Schwere genommen. Admetos, Alkestis und die beiden Kinder leben in einem Wohnwagen. Die Kinder werden schön durch Ann Goebel und Dominik Dos-Reis gemimt. Sie klammern sich an ihre Mama, als sie spüren, dass sie tatsächlich in den Hades geht. Auch Herakles (Pierre Bokma) ist kein Grieche alter Schule. Er ist ein lustiger Wandervogel, der schließlich Alkestis wieder aus dem Jenseits holt und ihrer Familie zurück gibt. Sehr schön ergänzt wird der Weg ins Jenseits durch vier Sopanistinnen, die ihre Stimmen erklingen lassen. Eine Orgel auf der Bühne begleitet sie. So entsteht fast schon eine sakrale Stimmung. Der silberne Disco-Catwalk ins Jenseits steht dem entgegen. Dort am Ende wartet permanent der durchaus humorvolle Tod an seinem Leichenwagen mit geöffneter Reckklappe. Dabei wirkt Alkestis kaum traurig. Ihre Entscheidung steht und lässt dabei einen Admetos, der ohne sie seines Lebens nicht mehr glücklich würde, zurück, käme da Herakles nicht zur Hilfe. Alkestis legt noch einen großen Auftritt hin, ehe sie sich erhobenen Hauptes in Richtung des Tod (Lukas van der Lühe) begibt.

Johan Simons hat diese Inszenierung bereits erfolgreich in Athen in einem Amphitheater präsentiert, um ihn nun für Bochum als Bühnenfassung umzuarbeiten. Er wirkt leicht und sehr unterhaltsam. Sterben muss kein trauriger Moment sein. Verhindern kann man es sich eh nicht. Die griechische Mythologie wurde optisch geschickt heruntergebrochen. Insgesamt wirkt die Inszenierung extrem kurzweilig.

Nach der Premiere wurde Johan Simons, im Namen des ganzen Teams, von "Theater heute" offiziell die Auszeichnung "Theater des Jahres 2022" verliehen. Stolz nahm er die Würdigung entgegen. Zuletzt wurde Ehre 1982 Claus Peymann zu Teil.

Datum: 10. September 2022 (Premiere)

www.schauspielhausbochum.de