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Ausstellung 'Eine Klasse für sich. Adel an Rhein und Ruhr' im Ruhr Museum Essen
Unter dem Titel „Eine Klasse für sich. Adel an Rhein und Ruhr“ widmet sich das Ruhr Museum einem Thema, das rund 1.000 Jahre Geschichte umfasst. Die klasse konzipierte und gestaltete Ausstellung entführt in die Blüte des Adels, bis heute.

Mit dem Ende des Ersten Weltkriegs kam 1918 auch die Abdankung der Adelsherrschaft. Viele Jahrhunderte zuvor hatte man gemeinsam mit dem klerikalen Adel nicht nur hier in der Region das Sagen. Grafen, Bischöfe und Klostervorstände waren mächtige Personen in der Gesellschaft, ohne die wenig ging. Wie lebten sie und wie festigten sie ihre Macht? Was brachte die hohe Gesellschaft zu Fall? Es war die zahlenmäßig übermächtige Klasse der Proletarier, die mit Beginn der französischen Revolution für Aufruhr sorgte. Aus den Leibeigenen des Adels wurden freie Bürger. Auch sonst hatte der Adel seine eigenen Regeln. Geheiratet wurde standesgemäß, in der gleichen Kaste. Ein Bauernmädchen zu ehelichen wäre untragbar gewesen. Der gesamte Familienstammbaum hätte komplett an Wert verloren. Im Laufe der Zeit wanderte der Adel an Rhein und Ruhr weiter Richtung Süden, bis nach Italien. Das Ruhrgebiet bestand fortan aus kleinen Territorien, deren Struktur man heute noch gut erkennt, ein enger Flickenteppich aus Städten, Kreisen und Gemeinden. Von den einst rund 400 Burgen, Schlössern und Herrenhäusern existieren heute noch etwa 200 bewohnt oder als Ruine.

Fünf Kapitel prägen die Ausstellung, von den Anfängen, über das Mittelalter bis hinein in die preußische Zeit. Der Adel im Wandel wird mit etwa 800 Objektgruppen präsentiert, alles optisch sehr luftig und leicht. Keine Sperrholzwände, sondern Glasvitrinen prägen die Ausstellungsarchitektur. Selbst die mächtigen Stützpfeiler der Ebene werden so sehr geschickt umspielt. Es wirkt übersichtlich, edel und schön ausgeleuchtet, passend zum Adel. Dabei hat man die Hauptausstellungsstücke so platziert, dass diese sofort am Eingang sichtbar werden. Der Mittelteil ist eine Art gläserner Catwalk durch 1.000 Jahre Geschichte, angefangen mit dem Kettenbuch, in dem jeglicher Grundbesitz vermerkt wurde. Selbst nach der Abdankung 1918 besaß der deutsche Adel noch 5 % der Staatsfläche. Sie wurden nicht enteignet. Die Exponate zeugen von sichtbarem Reichtum. Elegante Möbel und Gobelins, Jagdausstattung, teure Gemälde und eigene Portraits, eine Kinderkutsche, diverse Gewänder und Rüstungen, edles Geschirr, Schränke zur sicheren Aufbewahrung und natürlich Kampf- und Repräsentationsschwerter. Man findet historische Bücher und Schriftstücke und erklärt die Riten der Bestattung in ansehnlichen Grabstätten. Wohnkultur, Gartenanlagen, die Verhältnisse der Bediensteten, Kinder, Bildung, Feste, ihre Sammlungen und Traditionen werden inhaltlich behandelt. Eine dreijährige, wissenschaftliche Forschungsarbeit geht der Ausstellung voraus.

Was machen die heutigen Adelsfamilie heute? Verarmten Adel gibt es kaum. Viele sind selbständig tätig und nutzen ihre Anwesen zum Teil lukrativ. Zum Schluss erblickt man in einer Nische augenzwinkernd die heutige Faszination für Königsfamilien und den Umgang der Yellowpress.

Im Klartext Verlag ist das sehr umfangreiche Buch als wissenschaftliche Dokumentation zur Ausstellung erschienen, die mit stolzen 30 Mio. Euro versichert ist.

Laufzeit: 13. Dezember 2021 bis 24. April 2022

ruhrmuseum.de