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Oper 'Il Barbiere di Siviglia' der Deutschen Oper am Rhein im Theater Duisburg
Kurz vor Weihnachten begeisterte die Deutsche Oper am Rhein in Duisburg ihre Zuschauer mit der Premiere von „Il Barbiere di Siviglia“ von Gioachini Rossini. Für die Regie dieses sehr sehenswerten Abends zeichnet Maurice Lenhard verantwortlich.

Wie man eine völlig banale Geschichte zu einer solch unterhaltsamen Opernaufführung formen kann, das ist eine große Kunst. Zwei Männer lieben eine Frau und wollen sie heiraten. Um viel mehr geht es eigentlich nicht. Graf Almaviva (César Cortés) und Bartolo (Giulio Mastrototaro) buhlen um die Gunst von Rosina (Kimberley Boettger-Soller), die sich ganz offensichtlich aus der Vormundschaft von Bartolo befreien möchte. Ihren zur Seite stehen Figaro (Jake Mufett) und Basilo (Bogdan Talos), wobei erstgenannter deutlich mehr der Selbstinszenierung verfallen ist. Auch Graf Almaviva ist von seiner persönlichen Anziehungskraft sehr überzeugt, notfalls durch den Einsatz vom Macht und Geld. Es wird hier und da gerne geschmiert. Der Stoff ist in weiten Teilen heute noch ziemlich realistisch. Der arme, alte Schlucker, der nur mit einem Titel prahlen kann, hat das Nachsehen.

Der Abend wirkt locker und flockig, überzeugt mit wechselnden Bühnenbildern und einem tollen Lichtkonzept. Den zweiten Akt beherrschen Bonbonfarben und jede Menge Pink, ja sogar eine riesige pinke Schleife ziert das Bühnenbild. Cinderella lässt grüßen. Man hat die Assoziation an diverse Instagram- oder TikTok-Welten, der perfekte Hintergrund zum Posten von persönlichen Triumphen. Selbst die Soldatenuniform ist farbenfroh und nicht olivgrün. Ständig wechselt Rosina ihre Brautkleider. Für die Traumhochzeit muss man den perfekten Look finden. Nur die Garde kommt in Schwarz daher. Auch ein großes Kompliment an die Kostümabteilung.

Gesanglich und szenisch lässt nichts zu wünschen übrig. Man spielt wunderbar mit der Gestik und der Mimik, stellt das Absurde der Handlung so sehr geschickt dar. Bei den Figuren ragt Jake Mufett als Figaro heraus. Was ist er überhaupt? Ein Friseur, eine Kuppler oder irgendetwas anderes? Sein Narrenkostüm ist perfekt gewählt.

Musikalisch überzeugen die Duisburger Philharmoniker unter der Leitung von Antonino Fogliani und Marco Alibrando. Man hat Wert auf eine besondere Instrumentierung gelegt. Manche ungewöhnlichen Töne stehen regelmäßig heraus. Mit der Fortdauer steigert sich gefühlt das Tempo.

Es ist eine spritzige, wunderbar farbenfrohe und turbulente Inszenierung, die eine rasante Szenenentwicklung zu bieten hat. Dabei wirkt die humorvolle Überzeichnung niemals unangenehm, sondern überrascht immer mal wieder mit Elementen zum Schmunzeln, mit vielen schönen Brautkleidern, Romantik und selten schönen Momenten in aktuell wenig optimistischen Zeiten.

Datum: 21. Dezember 2023

www.theater-duisburg.de

Szenenfoto, Foto: Jochen Quast
Il Barbiere di Siviglia
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