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Reisetipp 'Industriekultur in Leipzig' - Zeitgenössisches Forum Leipzig
Ein Ort an dem man Industriekultur auf den ersten Blick eher nicht vermutet ist das Zeitgenössische Forum Leipzig, mitten in der Innenstadt. Es ist ein Ableger vom Haus der Geschichte in Bonn und bei freiem Eintritt zu besuchen. Hier wird aus der Sicht des Ostens die deutsche Geschichte spannend präsentiert.

Wie hat die DDR funktioniert? Welche gemeinsame Geschichte hat man? Wie sieht Freiheit bezüglich Meinung, Wirtschaft oder Politik aus? Die Dauerausstellung mit ihren zahlreichen Kapiteln und Exponaten liefert viele interessante Antworten. Da entdeckt man z.B. einen Stimmzettel einer DDR-Wahl. Die Bürger mussten hier nichts ankreuzen, sondern einfach den Vordruck falten und in die Wahlurne befördern. Wer nicht "wählen" ging, der machte sich verdächtig. Es werden die Preise für Lebensmittel in der DDR thematisiert, die oft stark subventioniert waren, ausgenommen der Luxusartikel. Die arbeitende Rolle der Frau war damals eine ganz andere als im Westen. Viele Frauen waren berufstätig. Die Kinder kamen zur staatlichen Erziehung in die Kita. An alles wurde gedacht. Themen wie die Bodenreform, die Probleme bei der Umwandlung von Privat- in gesellschaftliches Eigentum, der Tauschhandel oder die Rolle der Kirche im Sozialismus sind wichtige Themen. Natürlich wird die Arbeit der Stasi und ihre spätere Aufarbeitung nach dem Mauerfall behandelt. Ehemalige Stasi-Mitarbeiter kommen zu Wort. Die Proteste der Bevölkerung wurden durch Drohungen klein gehalten, bis es nicht mehr ging. Die Leipziger Montagsdemonstrationen, mit bis zu 70.000 Menschen, leiteten den Mauerfall ein. Die Staatsführung schaute ohnmächtig zu. Das Manuskript von Schabowskis legendärer Pressekonferenz kann man sogar als Kopie mitnehmen. Es gibt sehr viel zu entdecken und man sollte sich einer Führung anschließen, wenn die Möglichkeit besteht.

Wo ist nun die Industriekultur? Industrie gab es in der DDR jede Menge. Oftmals war die Qualität der Produkte nicht so schlecht, wie immer gedacht. Viele Artikel wurden exportiert, ins sozialistische Ausland und in den Westen. Die Autoindustrie entwickelte echte Eigenmarken. Die Braunkohle war mit ihren riesigen Tagebauen ein wichtiger Devisenbringer. Sogar Leipzig wollte man ernsthaft abreißen, weil darunter jede Menge Braunkohle liegt. Proteste der Bevölkerung verhinderten dies zum Glück. Mit dem Mauerfall veränderte sich viel. Die Hoffnungen auf blühende Landschaften verwandelten sich in Horrorzahlen bei den Arbeitsämtern. Zwar vermittelte die Treuhand DDR-Kombinate an West-Firmen, aber 2,5 Mio. Arbeitslose waren die Folge. Beriebe wurden geschlossen und Ernüchterung trat ein. Hier und da setze aber ein Wandel in den alten Produktionsstätten ein. In einige zog, wie in Leipzig, die Kultur ein oder es wurden schicke Wohnungen geschaffen. Die Umnutzung von alten Industriestandorten wird sein rund 20 Jahren intensiver angegangen.

Datum: 10 bis 12. Juli 2020

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