abenteuer-ruhrpott.info Aktuelles abenteuer-ruhrpott.info
Freizeittipps
Veranstaltungen
Ausstellungen
Bücher / Musik
Kontakt
Impressum
Online-Stream des Schauspiel 'Früchte des Zorns' im Grillo Theater Essen
„Früchte des Zorn“, nach dem Roman von John Steinbeck, lautet der Titel des Schauspiels im Grillo Theater. Der sehr aktuelle und spannende Stoff kann szenisch allerdings wenig punkten. Es ist kein typisches Grillo-Stück. Regie führte Hermann Schmidt-Rahmer.

Inhaltlich geht es um Farmer aus Oklahoma, die durch Dürre und Missernten um ihre Existenz gebracht wurden. Viele von ihnen verließen in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts ihren Besitz und folgten wagen Versprechungen skrupelloser Farmer aus Kalifornien. Diese suchten Erntehelfer für ihre Obstplantagen, doch die Versprechen entpuppten sich als Täuschungen. Die sogenannten „Okies“ bekamen für ihre Arbeit nicht genug um zu leben, wurden beleidigt und gedemütigt. Sie vegetierten in Zelten, umgeben von Schlamm und Regen. Dreck, Hunger und Elend, anstatt erhoffter Wohnstand durch ehrliche Arbeit, prägte ihr leidvolles Leben. Der Umstand, durch Klimaeinflüsse sein eigenes Land verlassen zu müssen und in eine ungewisse Zukunft zu flüchten, betrifft heute noch zahlreiche Menschen auf diesem Erdball. Der Klimawandel breitet sich immer weiter aus. Das Problem wird sich noch verschärfen.

Wie inszeniert man nun ein solch spannendes Thema? Das Grillo Theater ist bekannt für sein gutes Ensemble, das besonders in Dialogszenen glänzen kann. Hermann Schmidt-Rahmer hat dagegen ein eher filmisches Pandemie-Experiment gewagt, das offenbar an die Zeit von Kay Voges am Schauspiel Dortmund erinnern sollte, bunt, surreal, künstlich und mit viel technischem Einsatz. Nur hat der Meister dieses neuzeitlichen Genres es deutlich besser angestellt. Permanent flimmert eine wechselnde Projektion, teilweise mehr als bunt. Dazu hört man niederschwellig durchgehend einen Soundtrack, der sich unter die einzelnen Szenen legt. Das Ganze wirkt sehr künstlich und optisch einem Comic ähnelnd, denn fast alle Figuren sind auf dem Kopf fuchsrot. Sie bewegen sich in Zeitlupe oder sind erstarrt. Richtig gute Dialoge sind kaum zu finden. Selbst ein Jan Pröhl, der sonst nahezu alle Rollen glänzend besetzt, redet mit einer Übertragungskamera oder hält Monologe als Sprechblase in einer Szene. Die Art der Inszenierung lässt die großen Qualitäten aller beteiligten SchauspielerInnen im Verborgenen. Die grellbunte, künstliche Oberfläche war Hermann Schmidt-Rahmer wichtiger.

Dieses Stück ist sehr gewöhnungsbedürftig und verstörend. Bleibt zu hoffen, dass die kommenden Premieren im Grillo, dann wohl wieder erstmals vor Publikum, wieder gutes, echtes Grillo-Theater sind.

Datum: 21. Mai 2021 (Online-Premiere)

www.theater-essen.de