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      Mit der Konzerttributeshow "Yesterdate" schickt das Aalto Theater sein
      Publikum zurück in die 1960er Jahre. Nach der Pause beschwingt das
      Stück die überwiegend reiferen Zuschauer mit alten Erinnerungen an die
      Musik ihrer Jugend.

      Angekündigt wurde offiziell eine Musical-Revue, verfasst und inszeniert von
      der Opernsängerin Marie-Helen Joël. Für die musikalische Umsetzung mit
      einer guten Live-Band zeichnet Heribert Feckler verantwortlich. Doch zu-
      nächst erfüllt die Inszenierung die Erwartung der Gäste so gar nicht. Die
      Akteure versuchen in einer Art Handlung die Besonderheiten dieses Jahr-
      zehnts zu betonen. Es spielt in den 1990er Jahren. Man kommt nach etwa
      30 Jahren wieder zusammen, um ein Wohltätigkeitskonzert zu organisieren.
      Die Figuren sind nun gestandene Erwachsene mitten im Leben. Mit einem
      Musical oder einer Revue hat das Geschehen auf der Bühne allerdings
      wenig zu tun. Es wird viel geredet und erzählt. Wie war das damals bei den
      "Essener Songtagen" oder bei der Blitztournee der Beatles 1966 in der
      Grugahalle? Wann wurde man schwanger und von wem? Wer ist eigentlich
      der Vater von Alexander? Viele Erzählungen zu Themen, die sich durch
      einen suboptimalen Erzählstrang eher oberflächlich darstellen. Zwischen-
      durch ist der erste Teil bis zur Pause mit ein paar Songs gespickt. Es fühlt
      sich an wie ein erzählerisches Schauspiel mit kurzen Gesangseinlagen. Die
      Erwartungen waren ganz anders, nämlich swinging wie die 60er, dynamisch
      wie ein Musical und glamourös wie eine Revue. Nicht wenige hatten sicher-
      lich das Musical "Hair" im Kopf, als sie die Karten erworben haben.

      Eine ganz neue Hymne ist sogar im Programm, von Heribert Feckler kompo-
      niert. Große Hymnen schreibt man nicht mal einfach so. Es ist eine Hymne
      auf die Zeche Zollverein. Das lokale Kolorit wird zwischendurch mal betont.
      Man müsste mal Theo Grütter von der Stiftung Zollverein fragen, ob sie ihm
      gefällt oder ob sie ein wohlgemeinter Versuch ist, das Weltkulturerbe in
      Noten zu fassen.

      Nach der Pause kommt auf jeden Fall viel Musik ins Spiel, die nationalen
      und internationalen Hits der 1960er Jahre. Die kennen auch die jüngeren
      Zuschauer im Saal, vielleicht bis auf die Schlager. Deutsche Hits wie
      "Bossanova", "Ich will keine Schokolade" "Oh, Champ Elysees" gehören nun
      mal dazu, auch wenn sie nicht so richtig ins ansonsten internationale
      Songprogramm passen. Erste Euphoriebekundungen mit den Händen gab
      es bei "Marmor, Stein und Eisen bricht". Ansonsten sind es Songs wie
      "Help", "With a little help from my friends", "A hard days night", "Yesterday",
      "Let it be", Strangers in the night", "Proud Mary", "Venus", "Bridge over
      troubled water", "Father and son", "Morning has broken", "California
      Dreaming" oder "San Francisco", die live erklingen. Die Darbietung erinnert
      stark an die 60er. Man stand damals oft eher statisch auf der Bühne und
      sang. Als jedoch zwei Hits aus "Hair" erschallen, steht das Theater ganz
      schnell. Das entsprach offenbar tatsächlich der heimlichen Erwartung der
      Gäste. Das Aalto mutierte gegen Ende so zu einem Tanzcafé der 60er, mit
      viel Haarspray in der Luft. Luftballons kommen von der Decke. Die Zugabe-
      Rufe werden sogar erhört. "Hey Jude", "Twist and shout" und "Rock and Roll
      music" bilden den Abschluss, ehe noch einmal die Zollverein-Hymne erklingt.

      Das Bühnenbild ist gespickt mit Möbeln und typischen Requisten der 60er.
      Das passt sehr gut. Auch die Kostüme sind ansprechend und klar dem
      zugedachten Jahrzehnt zuzuordnen. Man spielt manchmal mit den Outfits
      eines Pierre Cardin, also eher die gehoben Kollektionen der 60er. Eine große
      Portion Flowerpower ist aber auch dabei.

      Gesanglich zeigt dieses Stück, dass Opernsängerinnen wie Christina Clark
      und Marie-Helen Joël auch durchaus die leichte Muse singen können,
      während man von Thomas Hohler, Brigitte Oelke, Alexander Franzen oder
      Henrik Wager einfach erwartet, dass sie das Musicalfach beherrschen.

      Insgesamt ist es der immer wieder gewagte Versuch, ein klassisches Genre
      wie das Schauspiel oder die Oper mit der Form des Musical aufzupeppen,
      hier sogar inszeniert durch eine Opernsängerin. Der zweite Teil erfüllt
      zumindest die Erwartungen der Zuschauer. Die Hits der 60er reihen sich
      konzertant aneinander und sorgen für gute Stimmung. Da spielt es auch
      keine Rolle mehr, dass man weder ein Musical, noch eine Revue gesehen
      hat. Bekannte Töne und Jugenderinnerungen verschmelzen zu einem Faktor,
      den man Spaß nennt.

      Datum: 8. Februar 2020, Premiere, Aalto Theater

      www.theater-essen.de