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      Was ist Arbeit und wie hat sie sich entwickelt? Diese Frage stellt das
      Schauspiel Bochum in seinem Stück "After Work". Es ist eine visueller
      Versuch der Antwort in einer an Text armen Inszenierung und ein spezielles
      Theaterexperiment in den Kammerspielen, bestehend aus Schauspiel, Tanz
      und Bondage. Regie führte Tobias Staab.

      Arbeit begann, als der Affe entdeckte, dass man mit Händen etwas erschaffen
      kann. Das Handwerkliche wurde verfeinert und vom Menschen übernommen.
      Der Adel ließ jedoch lieber arbeiten. Körperliche Arbeit war nicht fein genug.
      Die Industrialisierung änderte die Arbeitsbedingungen. Die Menschen
      müssten körperlich hart schuften, z.B. im Bergbau. Später erzählten lange
      Zeit Business Coaches diversen jungen Karrieretypen, wie man sich ohne
      körperliche Arbeit viel Geld verschafft. Wir sind nun an der Stufe zur Digitali-
      sierung. Demnächst werden Maschinen für uns denken und körperlich
      arbeiten. Viele Roboter werden jetzt bereits eingesetzt. Große Unternehmen
      arbeiten an weiteren Robotern für die Produktion. Computer als Denk-
      maschinen sind auch nicht mehr fern. Auch wenn es immer noch Kranken-
      pfleger oder andere Berufe geben wird, die Maschinen nehmen uns die Arbeit
      ab und wir suchen eine Bestätigung für unser Dasein. Nur wer arbeitet lebt,
      ist eine These unserer Zeit.

      Das Stück lässt Bilder sprechen, ohne viel Text zu verwenden. Langsamkeit
      ist angesagt, ganz im Gegensatz zum Arbeitsleben, wo angeblich Zeit Geld
      ist. Die entschleunigte Version auf der Bühne stößt allerdings an ihre
      Grenzen der Darstellung. Ein als Bergmann angedeuteter Typ versucht
      tänzerisch die typischen Bewegungen dieser Branche zu imitieren. Alles
      wirkt wie in ein einen großen Rahmen gestellt, hinter dem sich eine weitere
      Bühne mit milchigem Plastikvorhang verbirgt. Dort werden Zimmerpalmen
      hervorgeholt und ein Urmensch findet hier sein Zuhause. Alles passiert
      extrem langsam und ausgedehnt. Das macht die Sache sehr zäh. Man sucht
      häufig nach Antworten und Erklärungen für das Dargestellte. Erklärt wird
      auch eine Maschine der Zukunft, die Menschen vernichtet. Man braucht
      schon viel Fantasie und Vorstellungsvermögen, um dieses Stück für sich zu
      deuten. Teils erscheinen die wortlosen Aktionen sehr kryptisch.

      Am Ende betritt die Bandage-Künstlerin Dasniya Sommer die kleine Bühne
      auf der Bühne. Sie praktiziert das Shibari, die jahrhundertealte japanische
      Art der Bondage. Zwei Schauspieler müssen sich ihren Händen fügen. Es ist
      schon sehenswert, wie sie extrem fingerfertig die Seile exakt verknotet, um
      Hände und Füße zu fesseln und Körper skulptural zu formen. Das sieht man
      nicht jeden Tag auf einer Theaterbühne. Die Deutung dieser Bondage-Aktion
      bleibt allerdings, wie viele Szenen im Stück, der eigene Fantasie überlassen.

      Auf den Nebenbühnen der großen Schauspielhäuser darf immer wieder gerne
      an neuen Formen des Theaters experimentiert werden. Dieses ist ganz klar
      ein gewagtes Experiment, ein Gesamtkunstwerk der besonderen Art.
      Insgesamt gelungen ist es nicht. Man hat schon viele bessere Stücke im
      Schauspiel Bochum erleben dürfen.

      Datum: 15. Januar 2020

      www.schauspielhausbochum.de