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Schauspiel 'Wer hat Angst vor Virginia Woolf?' im Grillo Theater
Mit "Wer hat Angst vor Virginia Woolf? Zeigt das Schauspiel Essen im Grillo Theater groteskes Stück voller Situationskomik und tollen Dialogen, das beeindruckend von Karsten Dahlem inszeniert wurde.

Die Übersetzung des Stoffes von Edward Albee durch Alissa und Martin Walser liefert schnelle, sehr direkte und nicht selten obszöne Ausdrücke. Martha (Ines Krug), die Tochter des Universitätsprofessors, und ihr Mann George (Jan Pröhl), der dort als Professor tätig ist, zeigen ganz offensichtlich keinerlei Anzeichen von Liebe, mögen es allerdings, sich ständig zu zerstören. Heftige Grabenkämpfe in der Ehe sind ihr Geheimnis für 23 Jahre Zusammensein. Da kommt der Kennenlernbesuch des jungen Biologie-Dozenten Nick (Alexey Ekimov) mit seiner Frau (Lene Dax), die nur Süße genannt wird, gerade recht, denn vor Besuch macht ihre eheliche Spielweise besonders viel Spaß. Als Gast würde jeder dieses Wohnzimmer alsbald verlassen, wenn da nicht der Alkohol wäre, der ordentlich fließt. So entwickelt sich ein Geschehen, bei dem man zweifelt, ob es Ernst, eine Phantasiewelt oder ein Spiel ist.

Es ist mitten in der Nacht, als der Besuch eintrifft. Schon das ist seltsam. Schick hat man sich als Gastgeber nicht so recht gemacht, dafür schon ordentlich vorgeglüht. Wie es nun mal so ist, Kinder und Betrunkene sagen gerne die Wahrheit direkt ins Gesicht. Es fallen derbe Worte und vor jüngeren Männern macht Martha auch keinen Bogen, während George beim Anblick der nackten Süßen im Bad natürlich nicht wegsieht. Durch die erschreckend direkte Art der Kommunikation kommen recht schnell viele Dinge aus dem Privatleben ans Licht, die natürlich spielerisch verarbeitet werden müssen. Wie wenig Nick und seine Süße darauf vorbereitet sind, das zeigt sich immer wieder. Besonders Martha treibt gerne ihr Spielchen mit George, doch dieser ist ebenfalls vertraut mit der Situation und schlägt zurück. Das Stück steckt voller skurriler Szenen und Emotionen, stets betäubt vom Alkohol. George schreckt nicht einmal davor zurück, eine Waffe zu ziehen und das Ganze als Spaß zu betrachten.

George ist es schließlich, der es versucht, ein Ende des Spiels herbeizuführen. Er erklärt ihren angeblich gemeinsamen Sohn für tot. Dieser Sohn scheint diese Ehe auf tragische Weise sehr zu prägen, denn er taucht nie auf, ist aber immer wieder ein Thema und beeinflusst sogar die Familienpläne von Nick und der Süßen.

Schauspielerisch und szenisch ist das Stück erste Klasse. Das Bühnenbild ist weiß und schlicht. Durchsichtige Trennwände auf Rollen können wie Kleiderschranktüren verschoben werden. Man kann sich durchaus aus dem Wege gehen, wenn die Dialoge mal wieder zu deftig werden. Für Jan Pröhl ist die Rolle des verlotterten und beruflich stagnierenden Geschichtsdozenten eine Paraderolle, auch figürlich betrachtet. Ines Krug überzeugt ebenfalls auf ganzer Linie. Sie beide stehlen den jüngeren Rollen ein wenig die Schau, was im Stück aber auch so gewollt ist. Trotzdem füllen Lene Dax und Alexey Ekimov ihre Rollen vorzüglich aus. Ein Lob geht ebenso an die Kostümabteilung.

Musikalisch wird die Vorstellung live von Hajo Wiesemann am Piano auf der Hinterbühne begleitet. Live-Gesang kommt alternierend von Finn Brüggemann oder Miguel Machulla. Der Soundtrack ist fein mit den jeweiligen Szenen abgestimmt.

Datum: 9. Oktober 2020, Premiere

www.theater-essen.de