abenteuer-ruhrpott.info Aktuelles abenteuer-ruhrpott.info
Freizeittipps
Veranstaltungen
Ausstellungen
Bücher / Musik
Kontakt
Impressum
Live-Stream des Schauspiel 'Who the F*** are you ... mich zu fragen, woher ich komme?' im Schauspiel Bochum
Rassismus ist nicht nur ein Alltagsproblem in den USA, sondern auch in Deutschland. Das Schauspielhaus Bochum präsentiert zu diesem Thema das sehr gute Stück „Who the F*** are you … mich zu fragen, woher ich komme“, genau ein Jahr nach dem Tod an George Floyd durch weiße US-Polizisten. Buch, Bühnenbild und Regie stammen von der Schauspielerin Mercy Dorcas Otieno. Ort des Geschehens ist die sogenannte Welthütte im oberen Foyer.

Vor einem Jahr rüttelte der Tod von George Floyd die Welt auf. Die Bilder gingen um die Welt. Auch im Schauspielhaus Bochum begannen intensive Gedanken zum Thema Rassismus. Man musste mehr tun als bisher schon. So kam Ensemblemitglied Mercy Dorcas Otieno gemeinsam mit Orane Courtalin die Idee, das Thema Rassismus auf eine direkte Art und Weise anzupacken. Heraus kam ein Stück, das alltägliche Erfahrungen, Humor und ernsthafte Mahnungen zusammenfasst.

Eigentlich dürften gar keine Unterschiede in der Wahrnehmung weißer und schwarzer Menschen gemacht werden. Stürzt ein Flugzeug ab, so wird niemand überleben, egal welcher Hautfarbe. Trotzdem haben wir ständig Klischees im Kopf. Schwarze trommeln gerne, tanzen und singen. Sie haben Rhythmus im Blut. Genauso geht das Ein-Frau-Stück los. Wir werden mit unseren Klischees konfrontiert. Die Kunstfigur Farida Mtamakosi kommt in Deutschland an, um Politikwissenschaften zu studieren. Am Flughafen wird sie bereits als Terrorverdächtige gefilzt, ein Fehlalarm. Das sich anschließende Ausländeramt mit seinen typisch deutschen Beamten zieht sich wie ein roter Faden durch das Stück. Ständig sollen Unterlagen fehlen und sie neue Termine machen müssen. Farida wird nur gegängelt. Es kommen neue deutsche Sprachzertifikate hinzu, was allerdings kaum etwas an der Wahrnehmung ändert. Teilweise nimmt sie es mit Humor, mit Stand-up-Comedy, aber manchmal sitzt sie melancholisch an ihrem Schreibtisch, schreib Briefe an ihre Familie in Tansania und ist unglücklich. Dann erklingt Musik aus ihrer Heimat. Sie fühlt sich nicht als ein echter Teil der Gesellschaft.

Immer wieder wird sie mit den gleichen Fragen konfrontiert. Wie fühlt es sich an schwarz zu sein? Woher kommst du? Kriegst du einen Sonnenbrand? Sprichst du Afrikanisch? Darf ich dich Neger nennen? Sie ist diese Fragen leid. Dafür stellt sie uns Fragen. Warum heißt es Schwarzfahren? Wo hat die Mohrenstraße ihren Ursprung? Wieso ist der schwarze Mann eine Angstfigur? Sie ist stolz auf ihre Sprache Suaheli, weil sie so schön klingt und als eine Figur des Schreckens fühlt sie sich ganz bestimmt nicht. Sie versucht die Gegebenheiten mit Leichtigkeit und Humor zu nehmen, doch das fällt ihr immer schwerer. Als dann tatsächlich der Einbürgerungstest ansteht, wird klar, dass es verdammt schwierig ist, sich als schwarze Ausländerin in Deutschland wohlzufühlen. Sie trifft eine Entscheidung und folgt ihrem Herzen.

Wie Mercy Dorcas Otieno im Nachgespräch anmerkte, möchte sie mit diesem Stück nicht nur weiße Zuschauer wachrütteln und aufmerksam machen. Sie möchte, dass ihre schwarzen Brüder und Schwestern ebenfalls ins Theater gehen und ihre fiktive Geschichte demnächst live erleben, denn sie erfahren Alltagsrassismus regelmäßig. Grundsätzlich wünscht sie sich mehr vielfältige Zuschauer im Schauspielhaus Bochum, nicht nur die weißen Intellektuellen.

Datum: 25. Mai 2021 (Live-Online-Premiere)

www.schauspielhausbochum.de