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      Er wollte "zurück auf die Straße". In Dortmund an der B1 legte Westernhagen
      ein famoses Unplugged-Konzert auf die Bühne. Die restlos ausverkaufte
      Westfalenhalle dankte es ihm textsicher und mehrfach mit einem lauten "Oh,
      wie ist das schön"-Chor.

      Schick kam er daher. Der mittlerweile 69-jährige trug einen schwarzen Hut mit
      weißem Band, eine schwarze Hose und ein weißes Hemd mit einer weiß ge-
      blümten schwarzen Weste. Westernhagen hat eben Stil. Seine Frau Lindiwe
      Suttle stand ihm teilweise als Sängerin mit auf der Bühne zur Seite, ganz in
      Weiß. Es war eine wohltuende Wohnzimmeratmosphäre, trotz der rund 15.000
      Zuschauer. Elf Satellite-Stehlampen sorgten für ein unaufgeregtes Licht. Nichts
      flog durch die Halle und keine albernen Tänzer müssten ihn unterstützen.
      Westernhagen hat das nicht nötig. Obendrein verwöhnt er sich mit Ingwertee.

      Musikalisch war eine ganz feine Mischung aus Blues, Folk und Rock'n'Roll, ein
      klasse Ritt durch seine Karriere. Mit vier Gitarren, einer Orgel, einem Klavier,
      einem Saxophon, einer Violine, seiner Mundharmonika, einem Schlagzeug,
      einer irische Flöte und mehreren Backgroundsänger zauberte er einen richtig

      guten Sound in die Halle, gespielt von vielen sehr guten US-Musiker und Carl
      Carlton als hier bekannter Gitarrist. Seine Musiker sind für ihn wie Brüder und
      Schwestern. Mit "Geiler is schon" kam direkt ein Knaller. Beim vierten Song,
      "Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz", stand dann auch schon die Halle. Der Funke
      sprang sofort über. Hits wie "Es geht mir gut", "Lass uns leben", "Weil ich dich
      liebe" oder "Willenlos" konnte jeder mitsingen. "Taximann", "Mit 18", "Wieder
      hier" oder eine schöne Version von "Sexy" durften absolut nicht fehlen. Mit
      "Heroes" ehrte er den großen David Bowie. Zwischendurch gab es Songs wie
      "Willst du tanzen", "Halt mich noch einmal", "Luft zu atmen", "Alphatier", "Liebe
      um der Freiheit willen", "Rosen", "Durch deine Liebe" oder "Nur ein Traum" zu
      hören. Westernhagen ist durchaus auch ein Romantiker.

      Immer wieder gab es passende, politische Kommentare, Klartext von Western-
      hagen! Er intonierte einen Song zum 11. September oder prangerte diverse
      "Idioten als Präsidenten" an. Regieren setzt eben Grips voraus. Für die Demo-
      kratiemüdigkeit machte er u. a. die 16 Jahre Kohl verantwortlich und rief zum
      Kampf für Gerechtigkeit und Demokratie auf.

      Zum Schluss gab es obligatorisch "Johnny W.", eine Reminiszenz an seinen
      früh verstorbenen und sehr geliebten Vater, und eine Kurzfassung von "Freiheit"
      mit "Freiheit ist das einzige was zählt" als Schlusszeile. Wer da keine Gänse-
      haut bekam, dem war nicht zu helfen. Für viele war es eine Zeitreise in ihre
      Jugend, in unbeschwerte und glücklichere Tage. Es war ein unvergessliches
      Konzert einer großen, deutschen Musiklegende.

      Sehen kann man das Konzert später noch einmal. Es wurde für das Fernsehen
      und für eine DVD-Produktion aufgezeichnet. Vor 20 Jahren wurde an gleicher
      Stelle ebenfalls mal ein Konzert live mitgeschnitten. Einige Fans von damals
      waren auch nun wieder in der Halle.

      Zwischen dem 17. und 31. August 2018 wird Westernhagen wieder unplugged
      live in deutschen Städten zu erleben sein, u. a. am 29. August in Oberhausen.

      Datum: 15. Dezember 2017, Westfalenhalle Dortmund

      www.semmel.de