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      Die große Ausstellung „WeltenWanderer – Zwischen den Kulturen“ im Kunst-
      museum Mülheim an der Ruhr spricht ein Thema an, das uns eigentlich alle
      tagtäglich berührt. Das Leben ist eine Odyssee mit einem Start- und einem Ziel-
      punkt und zwischendurch vielen unvorhergesehenen Wegen.

      In der schönen Ausstellung werden die klassische Moderne und die zeitgenös-
      sische Kunst passend gegenüber gestellt. Kokoschkas vielseitiges Blätterwerk
      „Die Odyssee“ wird dabei dem Film „Homeland“ des kurdischen Künstlers Halil
      Altindere entgegen gesetzt. Es erzählt von der Flucht eines jungen Syrers
      nach Deutschland. Beide beschreiben einen langen und ungewissen Weg. Die
      Tunisreise von Macke darf nicht fehlen, wie auch das Triptychon „Die geistige
      Emigration“ von Arthur Kaufmann. Es zeigt die Flucht bekannter jüdischer Mit-
      bürger vor den Nazis. Die Skulptur „Der Flüchtling“ von Ernst Barlach war damals
      schon weitblickend. Dagmar Keller und Martin Wittwer haben Fahrgäste in
      Pariser Bussen hinter der Scheibe anonym fotografiert. Ganz nebenbei haben
      sie auch die Spuren der Fahrgäste, wie Kratzer und Schweiß an den Scheiben
      künstlerisch festgehalten. Ins All nimmt Henrik Schrat die Betrachter mit seinen
      kunstvollen Holzintarsien mit. Loredana Nemes betrachtet fotografisch türkische
      und arabische Teestuben von außen. Durch die milchige Fensterfront blicken
      dabei teilweise die Köpfe der Besucher. Katrin Ströbel und Mohammed Laouli
      lassen digitalisierte Palmen im Wind wehen oder zeigen ein Segel aus zusam-
      mengenähten Plastikelementen. Sven Johne hat mit einem Fischerboot die Insel
      Lampedusa filmisch umrundet.

      Ein Raum ist ausschließlich der tollen Arbeit „Zerrissene Erinnerungen“ von
      Maryam Motallebzadeh gewidmet. 5,35 m hoch hängen iranische Schleier,
      kombiniert mit collagierten Papierstreifen von der Decke und bilden ein Labyrinth,
      das im Licht ganz besonders wirkt. Es gibt einen Eingang und einen Ausgang
      und transparente Sackgassen. Die Papierstreifen stammen aus einem Tage-
      buch und von den vielen Reisemitbringsel eines verstorbenen Freundes. Mit dem
      Hinterlicht wirken sie wie Kirchenfenster oder Palmblätter, ganz wie man
      möchte. Maryam Motallebzadeh spielt auch gerne mit Schrift, arabisch und
      deutsch. Selbst Kleider werden von ihr beschriftet. Sie steht sehr passend für
      den Transit zweier Kulturen, die viele Menschen in ihrer neuen Heimat erleben.
      Wie kommen verschiedene Kulturkreise zusammen? Postkarten mit einer Abbil-
      dung der Arbeit kann man an einem Tisch an Familie und Freunde schreiben
      und verschicken.

      Die Ausstellung beschreibt sehr schön durch Fotografie, Filme, Skulptur,
      Installationen, Malerei und Grafik eine Welt in Bewegung mit Raum für viele
      Assoziationen. Sie lässt die Kunstwerke sprechen und ist bewusst nicht tages-
      politisch. Die Irrfahrt des Lebens, das Wagnis zu neuen Ufern oder Risiko und
      Scheitern spielen eine Rolle. Es sind immer ein Aufbruch und eine Ankunft, bzw.
      eine Schwelle, die man überwinden muss. Unser Leben verläuft im Transit.

      Zu empfehlen ist der erklärende Begleitkatalog für 8,- Euro (Katalog + Eintritt
      10,-). Das Rahmenprogramm bietet diverse Workshops, u. a. am 1.4. auch
      einen für Flüchtlinge an.

      Laufzeit: 19. März bis 18. Juni 2017

      www.muelheim-ruhr.de