abenteuer-ruhrpott.info
Aktuelles
Freizeit 1
Freizeit 2
Bühnen
Veranstaltungen
Buchtipps
Orte zum Feiern
Kontakt
      Wolfgang Petry is back. Sein Musical "Wahnsinn" feierte in Duisburg eine
      gelungene Premiere. Über 25 sehr gekonnt umarrangierte Hits werden geschickt
      mit einer fluffigen und flotten Geschichte präsentiert. Regie führte Gil Mehmert.
      Die Texte stammen von Martin Lingnau und Heiko Wohlgemuth.

      Der Stoff ist voll aus dem Leben und absolut bodenständig, aber nicht biogra-
      fisch. Allerdings tauchen immer mal wieder einzelne Details aus Wolfgang
      Petrys Leben auf, ähnliche Namen, namentliche Assoziationen zu Hits oder ein
      Dixi-Klo. Er kümmerte sich damals sogar selbst um die Dixi-Klos für die Fans.
      Die amüsante und lebendige Geschichte startet im Ruhrgebiet und endet für alle
      in Bahia del Sol auf Mallorca. Eine nie langweilige Urlaubsstimmung ist also all
      inklusive.

      Alles dreht sich um vier Paare, Peter (Enrico de Pieri) und Sabine (Vera Bolten),
      Karsten (Detlef Leistenschneider) und Gabi (Jessica Kessler), Tobi (Thomas
      Höhler) und Gianna (Dorina Garuci) sowie Wolf (Mischa Mang) und Jessica
      (Carina Sandhaus). Alle haben sie etwas gemeinsam. Sie sind nicht perfekt und
      machen Fehler in der Partnerschaft. Peter sitzt auf dem Truck und ist ständig
      unterwegs. Er ist eher hölzern in der Liebe, aber beweist ein großes Herz, was
      ihn vielleicht zum männlichen Liebling der Zuschauer macht. Karsten ist Musiker
      und hatte mal einen Hit. Seinem Sohn Tobi möchte er die erfolglosen Jahre als
      Musiker ersparen. Jessica hat 25 Jahre nichts von ihrer Liebe Wolf gehört. Es
      gab Missverständnisse. Auch der heimliche, weibliche Publikumsliebling Gianna
      hat was zu erzählen. Quirlig umgarnt und verführt sie ihren Tobi. Viele abwechs-
      lungsreiche Szenen machen das Musical interessant und lebendig. Einige Dinge
      werden dabei nicht ausgetreten, sondern nur kurz angerissen. Man versteht,
      warum es hier und da Probleme in der Beziehung gibt. Doch wo Schatten ist, da
      ist auch wieder Licht. So eine Trennung muss nie endgültig sein. Verzeihen wird
      ganz groß geschrieben, inklusive ein Happy End für alle auf Mallorca. Einige
      Paare im Saal geben sich zur Pause dabei gerne mal ein Küsschen, während
      sie an ihre bisherige Partnerschaft denken.

      Sehr geschickt werden die Songs in die Geschichte eingewebt. Besonders die
      ruhig interpretierten Songs wie "Nur ein kleines Stück Papier", "Bronze, Silber
      und Gold" oder "Du bist ein Wunder" bringen sehr viel Gefühl rüber. Tempo-
      songs zum Mitsingen und Mitklatschen sind auch dabei. Bei "Wahnsinn",
      "Ruhrgebiet" oder "Verlieben, verloren, vergessen, verzeihn" wird es im Saal
      laut. Man hat extra eine stärkere Tonanlage für die Bühne eingebaut. Einige
      Songs kommen szenisch besonders gut an. Dazu zählen "Der Himmel brennt"
      mit einem brennenden Dixi-Klo, "Tinte", die wunderbar bunte "Majas
      Blümchenwiese" oder "Brandneu". Beim letzteren steht der Saal sofort. Der
      Text spricht an. Der Song soll das Lebensmotto der vier Paare rockig symbo-
      lisieren. Herrlich sind die Yoga-Übungen der auf Mallorca Gestrandeten. Humor
      und gute Schlagfertigkeit werden ganz groß geschrieben.

      Man muss kein Petry-Fan sein, um einen vergnüglichen Abend zu haben. Gute
      Stimmung ist auf jeden Fall garantiert. Dazu trägt auch die 7-köpfige Band bei.
      Wie sie es schaffen die bekannten und weniger bekannten Petry-Songs neu zu
      interpretieren, das ist schon sehenswert. Sogar ein Cello ist dabei. Sie spielen
      auf der Ladefläche eines Lkws, mal leise, mal richtig rockig. Es gibt auch
      pfiffige, animierte Videos im Hintergrund. Mal schippert ein Segelschiff vorbei,
      mal sieht man einen Förderturm und auch Tauben fliegen vorüber. Der Himmel
      im Revier ist Blau. Der Pott und Mallorca werden mit typischen Symbolen
      dargestellt. Die vielen schönen Kostüme können sich ebenfalls sehen lassen.

      Stimmungsmäßig erlebte man bei der Premiere eher typisch verhaltene
      Zuschauer. Bei regulären Vorstellungen ist mit deutlich mehr Stimmung im
      Publikum zu rechnen. Man muss nicht still im Sessel sitzen und Holzfäller-
      hemden sind stilistisch sehr passend. Wolfgang Petry zog es bei der Premiere
      allerdings vor, zu Hause zu bleiben. Der rote Teppich ist für ihn nichts und war
      es auch nie. Es tat der gelungenen Premiere keinen Abbruch.

      Datum: 25. Februar 2018, Premiere im Theater am Marientor, Duisburg

      www.petry-musical.de