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Komödie 'Komplexe Väter' im Theater im Rathaus Essen
Mit dem Stück „Komplexe Väter“ von René Heinersdorff zeigt das Theater im Rathaus in Essen eine sehr gute Komödie, die sich um alt werdende Väter, im Leben Verpasstes, Eitelkeiten, das Bemühen, Fehler im Leben wieder zu bereinigen und natürlich um die Liebe dreht. Der Auftakt in die neue Spielzeit ist sehr humorvoll, gelungen und ziemlich prominent besetzt.

So viel vorweg. Das Theater im Rathaus in Essen gehört zu den sichersten Orten in der Region, wenn es um Corona geht. Die Klimaanlage ist hochmodern. Sie schafft es innerhalb von fünf Minuten, die gesamte Luft im Haus komplett zu erneuern. Die angesaugte Luft wird zudem durch einen Luftflüssigwäscher gepumpt und mit hartem UV-Licht bestrahlt. Durch diese Technologie werden Viren und Bakterien zuverlässig abgetötet. Hier kann man sich ziemlich sicher fühlen, auch ohne Maske am Platz. Trotzdem gibt links und rechts von jedem Gast oder einer Gruppe einen Sicherheitsabstand. Ganze Reihen freihalten muss man hier aber nicht. Alles ist von Fachleuten und Virologen geprüft. Darauf ist man im Theater sehr stolz.

Nun zum Stück. Es ist wirklich sehr vergnüglich, Jochen Busse (Anton), Hugo Egon Balder (Erik), René Heinersdorff (Björn), Maike Bollow (Ute) und Youngster Josepha Grünberg (Nadine) zuzusehen, wie sich ein Ringelrein der Liebe vollziehen kann, ohne dass der eine vom anderen weiß. Geheimnisse liegen in der Luft und werden gelüftet. Man hat sein Leben gelebt und versucht nun die Fehler auszumerzen, doch manche Wunden bleiben einfach bestehen. Besonders wenn es um vergangene Beziehungen und evtl. um Nachkommen geht. Da kann die Welt sehr klein sein. Spätestens wenn die Wahrheiten Stück für Stück ans Licht kommen, offenbart sich ein moralischer Scherbenhaufen des Miteinanders.

Zur Geschichte. Ute ist mit Anton verheiratet, wobei er erheblich älter ist. Ihren Ex Erik hat sie heimlich eingeladen, mit dem sie die gemeinsame Tochter Nadine hat. Die ist 25 und hat seit zwei Jahren einen Freund, der sich doch mal vorstellen soll. Eigentlich wünscht sich Ute eine richtig nett funktionierende Patchwork-Familie, doch schon Anton und Erik können sich nicht leiden, wissen vorher aber nichts von der gemeinsamen Zusammenkunft. Da dient Nadine schnell als der gute Aufhänger für den Versuch, die Familienverhältnisse zu kitten. Keiner der Gäste hat wirklich Lust auf diesen denkwürdigen Abend mit Widrigkeiten, aber man versucht es zumindest. Schnell kommen wieder alte Zwiste hoch. Obendrein existiert eine gewisse Frau Dr. Orlowa, eine Frauenärztin, die gut kochen kann und den Kreis schließt. Sie nimmt ihre „ärztliche Schweigepflicht“ sehr ernst und spielt eine gewichtige Rolle, taucht aber nie auf der Bühne auf. Perfekt dramaturgisch abgestimmt nimmt das humorvolle Geschehen mit ernstem Hintergrund seinen Lauf.

Ein wichtiger Aspekt ist der komplizierte Aspekt der Liebe. Nadine hat Schwierigkeiten einen gleichaltrigen Freund zu finden, der zu ihr passt. Für Erik bedeutet gleichaltrig dagegen, eine Frau zu haben, die mindestens 15 Jahre jünger ist und Anton lebt den Altersunterschied schon länger, erkennt aber die Schwierigkeiten selber. Alt fühlen sich nicht wenige Männer ab 50 noch lange nicht. Sie tun noch immer so, als wären sie junge Hüpfer und lachen sich wesentlich jüngere Frauen an. Dabei bedarf es schon täglicher und großer Mühe, als Dauerjugendlicher zu erscheinen und den Ansprüchen noch zu genügen. Die Frauen haben dabei die Schwierigkeit, sich stets einzureden, keinen „Opa“ geheiratet haben.

Es geht um Tatsachen, die im täglichen Leben immer wieder passieren. Auf der Bühne komme sie deutlich und konzentriert zum Vorschein. Wer bildet mit wen Zweckallianzen und wer tuschelt mit wem über wen? Wen hat sich Nadine da nun angelacht? Ist die Beziehung glücklich und von Dauer? Die Wahrheiten kommen auf jeden Fall immer alle auf den Tisch. Einer verplappert sich immer mal und an Eitelkeiten mangelt es den Figuren ganz sicher nicht.

Diese Komödie ist ein sehr guter Start in die Spielzeit. Man muss sehr häufig schmunzeln. Das Stück ist vielen klasse Pointen stets auf den Punkt gespielt. Es ist bewundernswert, wie der bald 80jährige Jochen Busse noch erstaunlich fit seine Rolle interpretiert. Da blitzt auch mal der alte, scharfzüngige Kabarettist durch. Hugo Egon Balders Rolle ist eher vulgär geprägt, während Josepha Grünberg sich wunderbar zwischen allen Widrigkeiten bewegen muss. Auch Maike Bollow und der Chef im Ring, René Heinersdorff, können voll überzeugen. Man ist toll eingespielt. Geküsst wird übrigens auch, aber auf die indische Art der Bühnenküsse. Wie genau, das wird hier nicht verraten.

Szenenfotos liegen noch nicht vor und werden ergänzt.

Laufzeit: 10. September bis 18. Oktober 2020

theater-im-rathaus.de