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      Mit der Ausstellung "Umbrüche - Eine Region im Wandel" präsentiert die
      Stiftung Situation Kunst in ihrem Museum unter Tage in Bochum ein Thema,
      welches aktuell sehr gut passt. Die ganze Region ist stetig im Wandel und
      2018 folgt auch noch der Ausstieg aus der Kohle.

      Initialzündung dieser Ausstellung war eine Schenkung von Rudolf Holtappel
      (1923-2013). Als großartiger Chronist des Ruhrgebiets dokumentierte er seit den
      1950er Jahren ganz unaufgeregt das Alltägliche, die Menschen, ihre Freizeit-
      gestaltung und die Arbeitsbedingungen. Oftmals waren es harte Lebensbeding-
      ungen, die es zu bewältigen gab. Allen voran die Umwelt war stark in Mitlei-
      denschaft gezogen. Das Werk und die Wohnungen gingen beinahe ineinander
      über. Immer wieder sieht man auf seinen tollen Schwarz-Weiß-Fotos Details,
      die zum Nachdenken anregen. Nicht nur die Wäsche auf der Leine, die
      spielenden Kinder auf der wenig befahrenen Straße oder der Blick des Berg-
      manns Untertage, auch die Protestmärsche der Kumpel mit sonntäglicher
      Ausgehgarderobe verwundern oder lassen uns genau hinsehen. Die Menschen
      stehen bei ihm im Mittelpunkt. Wie haben sie gelebt? Holtappel hat noch zu
      Lebzeiten der Stiftung Situation Kunst 150 Handabzüge vermacht, die er
      persönlich hergestellt hat. 110 davon sind in der Ausstellung zu sehen.

      Die interdisziplinäre Schau präsentiert drei weitere fotografische Betrachter, die
      das Ruhrgebiet sehr gut kennen und mit ihrer Kamera unterwegs waren oder
      sind, Bernd und Hilla Becher (1931-2007, 1934-2015), Joachim Brohm
      (geb. 1955) und Jitka Hanzlová (geb. 1958). Es geht um Geschichte, Literatur,
      Soziologie oder Ökonomie einer Region.

      Die Fotos von Bernd und Hilla Becher stammen aus dem LVR-Museum in
      Oberhausen und zeigen vorwiegend Ansichten der Gutehoffnungshütte von 1969
      bis 1972. Sie haben den Umbruch früh gespürt und die Anlagen für die Nach-
      welt auf ihre spezielle Art und Weise fotografisch erhalten.

      Joachim Brohm hat ebenfalls ein gutes Auge für die alltägliche Situation.
      Vorwiegend in Essen und Bochum zeigt er Lebenslandschaften, die typisch für
      das Ruhrgebiet sind und mit Details glänzen. Trostlose Orte dienen trotzdem
      der Freizeitgestaltung und Brachen entwickelt Leben, selbst wenn der Mensch
      nicht zu sehen ist. Seine Spuren verraten seine Anwesenheit und sein Wirken.

      Die aus der Tschechoslowakei geflüchtete Jitka Hanzlová traf in ihrer Heimat
      einst einen Arzt aus dem Ruhrgebiet, der sie hier hin lotste. Sie blieb und griff
      irgendwann zur Kamera. Seit 2005 ist sie verstärkt im Revier unterwegs. Ihre
      subjektiven Motive sind ortslos, können in vielen Gegenden zu finden sein.
      Kontraste wie der gedeihende Baum im öden Abraum der Halde oder das
      Theater auf dem Haldenplateau sind schöne Seitenblicke. Sie zeigt die unge-
      knickte Birke, die Kuh unter der Straßenbrücke oder verschlossene
      Wohnsituationen.

      Weiterhin ergänzen mehrere Filme in einem kleinen Kino die Ausstellung mit
      historischen Ansichten. Eine mit Kohle bestreute Wand erinnert an den komm-
      enden Kohleausstieg.

      Das Rahmenprogramm ist sehr umfangreich und interessant. Zur Ausstellung
      hat die Stiftung Situation Kunst einen mehrbändigen Katalog im Schuber
      herausgegeben. Er ist für 32,- Euro im Museum unter Tage erhältlich.

      Laufzeit: 6. September 2017 bis 25. März 2018

      situation-kunst.de