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Konzert vom Sommernachtstraum 'Tanz auf dem Vulkan' in der Philharmonie Essen
Als einer der letzten Veranstaltungen dieser Spielzeit präsentierte die Philharmonie Essen den Sommernachtstraum „Tanz auf dem Vulkan“, eine wunderbare Reise in die Zeit der 20er Jahre in Berlin, dargeboten von klasse Solisten und den Essener Philharmonikern unter der Leitung von Felix Bender.

Endlich bekommen bedeutende Musiker wieder die Anerkennung, die sie verdienen, nämlich echten Applaus und stehende Ovationen. Lange hat die Philharmonie Essen seine Besucher mit tollen Online-Streams während der Pandemie bei Laune gehalten, doch das Live-Erlebnis ist nicht zu übertreffen.

Mit der Sopranistin Angela Denoke, die bereits auf vielen bedeutenden Bühnen dieser Erde gastierte, hatte man die richtige Interpretin für eine Zeitreise, die im Rückblick immer wieder spannend ist. Das Berlin der 1920er Jahre war Krise und ungezügelte Lebenslust zugleich. Das Elend und der Drang nach süßen Träumen wurde musikalisch und optisch sehr gut transportiert. Dabei funktionierte das Wechselspiel zwischen dem Orchester und dem Kammerorchester ausgezeichnet. Letzteres war hervorragend besetzt mit Tim Park, an einem fein gestimmten Violoncello, das nicht nur mit melancholischen Tönen glänzte. Ebenfalls sehr sensibel agierte Norbert Nagel an der Klarinette. Begleitet wurden die beiden vom guten Arrangeur am Klavier, Tal Balshai. Insgesamt bildeten sie gemeinsam mit Angela Denoke ein musikalisches Zuckerstückchen, das auch mit dem Orchester sehr gut agierte.

Das Thema ließ viele Facetten zu. Man flanierte mit Willi Kollo unter „Unter'n Linden“, sang sehr sinnlich „Ich steh' im Regen“ (Ralph Benatzky) oder ging mit Kurt Weill ins „Berlin im Licht“. Es die Zeit, als die elektrische Beleuchtung die Stadt erhellte. Den eher militärischen Aspekt steuerte Ernst Toch mit einem Marsch bei, während Friedrich Hollaender mit „Raus mit den Männern aus dem Reichstag“ laut und deutlich Politikverdrossenheit und Emanzipation einläutete. „Warum soll eine Frau kein Verhältnis haben?“ (Oscar Straus), war ein Aufruf, das Leben in allen Zügen zu genießen, es wird ja eh genug getuschelt. Ergänzt wurde das sehr gut ausgesuchte Programm u. a. durch „Denn wie man sich bettet“ (Kurt Weill), „Heut' gefall ich mir“ und „Irgendwo auf der Welt“ (beide Werner Richard Heymann), „Das Lied von der Moldau“ (Hans Eisler) oder „Frauen sind keine Engel“ (Theo Mackeben).

Zwischendurch trat Uwe Kraus immer mal wieder ins Geschehen. Er rezitierte bedeutende Geister dieser Zeit mit ihren Gedanken. So ironisierte Erich Kästner herrlich die Volksvertreter, die doch nur an sich denken und nicht ans Volk. Daran hat sich so viel bis heute nicht geändert. Brecht bat um Nachsicht, dass es auch ihm nicht gelungen ist weise zu werden, um die Gesellschaft vor den dunklen Untrieben der deutschen Geschichte zu bewahren.

Um die Zeit auch optisch zu untermalen, wurden auf einer Großleinwand Impressionen fotografischer und künstlerischer Art projiziert. Die Ausschnitte aus diversen Kunstwerken, sowie Fotos, die das wilde, trubelige und elende Leben des Berlin in den 1920er Jahren zeigten, waren sehr passend konzipiert, wie auch das Bühnenlicht.

Weil es am Ende alles so schön war, solche Konzerte wieder live zu erleben, gab es noch einige Zugaben. „Peter“, der ihr bestes Stück war, oder am Ende „Ich werde jede Nacht von ihnen träumen“, als Ode an das Publikum im Alfried Krupp Saal in der Philharmonie Essen, rundeten den sehr harmonischen Abend ab.

Datum: 26. Juni 2021

www.theater-essen.de