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      Ein Meisterwerk von Oper ist "Turandot" im Opernhaus von Dortmund.
      Gesanglich, szenisch und optisch hat Regisseur Tomo Sugao Großes auf
      die Bühne gebracht.

      Diese Oper ist wirklich reich an Dramatik. Gesteigert wird sie noch durch
      das große, gesangliche Volumen der Akteure. Leise Partien sind eher selten.
      Das Blut bestimmt das Geschehen. Das Rot im Bühnenbild demonstriert
      nicht nur die chinesische Nationalfarbe, sondern steht auch für das Gemetzel,
      dem sich Prinzessin Turandot (Stéphanie Müther) hingibt. Erst wer drei
      Rätsel löst, der darf sie zur Frau nehmen. Schafft er es nicht, lässt sie ihn
      hinrichten. Dass sie sich beim Prinzen Calaf (Andrea Shin) verrechnet hat,
      merkt sie selber recht früh. Sie möchte ihm die Chance erst gar nicht ein-
      räumen, fürchtet sich vor dem Siegen und dem Besiegt werden. Es bedeutet
      für sie weiteres Blutvergießen oder der Verlust ihrer Macht. Die Prinzessin
      registriert durchaus, dass Calaf es nach der Macht dürstet, also den chinesi-
      schen Kaiserthron erklimmen möchte. Er taktiert dabei sehr geschickt und
      geistreich. In der Schlussszene bekommt man regelrecht Gänsehaut, wenn
      Calaf den goldenen Mantel des verstorbenen Kaisers in die Höhe stemmt.

      Die Oper ist reich an großen, akustisch monumentalen Szenen. Wenn Liù
      (Anna Sohn) den Namen ihres verehrten Calaf unter Folter nicht an Turandot
      preisgibt, ist das sensationell verkörpert. Der größte Beifall gebührt beim
      Finale ihr. Hervorzuheben sind auch Ping (Morgan Moody), Pong (Fritz
      Steinbacher), Pang (Sunnyboy Dladla), die Handlanger des Henkers. Mal
      verhöhnen sie die liebestollen Prinzen oder warnen Calaf ernsthaft vor seinem
      Unterfangen. Sie überzeugen auf ganzer Linie. Natürlich können auch
      Turandot und Calaf als Gegenparts sehr gut an. Stimmlich sowieso, aber
      auch im Dialog, der ganz fein gesponnen wird.

      Natürlich, das Bühnenbild begeistert. Es bewegt sich nicht so viel, aber so
      geschickt, dass die Optik und das entsprechende Licht für optische Zücker-
      chen sorgen. Man spielt zudem sehr geschickt mit der Ebene der Unter-
      bühne. Positiv ist dabei die Tatsache, dass die Inszenierung elegant-traditio-
      nell wirkt, nicht chinesisch verkitscht, wie es manchmal ist, wenn Europäer
      sich an der chinesischen Kulturdarstellung versuchen. Regisseur Tomo Sugao
      wurde 1979 in Sapporo geboren und wuchs in Chicago, Michigan, Amsterdam,
      Düsseldorf und Tokio auf. Seine Wurzeln sind asiatisch. Sehr geschickt wird
      mit Farben gespielt. Das Blau steht für die Nacht, das Rot u. a. für das Blut,
      das Grau für das Fußvolk und Gold eben für die Macht.

      Was wäre diese Inszenierung ohne die musikalische Begleitung. Die Dort-
      munder Philharmoniker interpretieren die Partitur, unter der Leitung von
      Gabriel Feitz, hervorragend. Mal lieblich mit Streichern, um dann wieder mit
      Bläsern Dramatik folgen zu lassen. Man hört die Einflüsse der chinesischen
      Kultur deutlich. Der Chor ist geschätzt die Hälfte der Zeit stimmgewaltig und
      als Volk agierend auf der Bühne, wie auch die stummen Statisten. Als etwas
      leiseren Moment kann man Turandots Vergangenheit nachvollziehen. Sie
      wird durch ein Kind verkörpert.

      Zahlreiche Bravo-Rufe und tosender Applaus waren der absolut verdiente
      Lohn für eine insgesamt tolle Leistung aller Beteiligten.

      Datum: 9. Februar 2019, Oper Dortmund

      www.theaterdo.de