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      Das Rimini Protokoll und die Urbanen Künste Ruhr schicken "Truck Track Ruhr"
      auf seine siebte und letzte Theaterreise, nun durch Essen. Wieder stehen
      sieben Stationen auf dem Fahrplan, an denen man künstlerisch zu Gedanken
      angeregt wird, auf die man so kaum gekommen wäre. Gute Beiträge lassen die
      knapp zweistündige Fahrt im rollenden Theatercontainer mit Tribüne sehr kurz-
      weilig erscheinen.

      Es ist wieder der sehr spezielle LKW, der 49 Kulturinteressierte an sieben Orte
      in der Stadt bringt. Hier haben Künstler ihre Gedanken spielen lassen und
      fünfminütige Beiträge erarbeitet. Die Palette ist sehr breit, von handfest bis
      philosophisch geprägt. Musik ist auch dabei. Eine elektronische Soundcollage
      als begleitende Klangatmosphäre sorgt während der Fahrt für den passenden
      Rahmen.

      Nachdem der LKW den Vorplatz des Museum Folkwang verlassen hat, trifft man
      auf eine blaue Tür, die der Justizvollzugsanstalt. Was passiert hinter der blauen
      Tür? Barbara Morgenstern fragt teils naive Kinderstimmen nach dem Umgang
      mit Gerechtigkeit. Lebenslänglich muss hart sein. Auch der Aalto-Kinderchor
      versucht das betreute Wohnen hinter Mauern in Töne zu fassen. Bei der
      Generalprobe ging sogar die Tür auf und ein Bediensteter trat heraus, fast wie
      bestellt. Wann haben wir genug an Geld, Wohlstand und Nachrichten? Wie gut
      muss man eine Sprache sprechen, um sie zu beherrschen? Wann haben wir
      genug von etwas? Thilo Guschas lässt dazu Teilnehmer eines Arabisch-Sprach-
      kurses in der Unterführung des Hauptbahnhofs zu Wort kommen. Zum Q1, dem
      unübersehbaren Hauptgebäude des ThyssenKrupp-Hauptquartiers, führt Tobias
      Dusche. Es geht darum einen Umgang mit der gebauten Form der Landschaft
      und der Gebäude zu finden und sich nicht einfach ihr auszuliefern.

      Zwischendurch bewundert man die sehr strukturierten Kacheln im A40-Tunnel
      als eingespielten Film auf heruntergelassenen Jalousien, irritierende Blicke von
      Passanten oder auf viele Nebenstrecken in Wohngebieten den Blick in Vor-
      gärten und Wohnungen, die teilweise amüsierend gestaltet sind.

      Der Truck stoppt vor einem Fußballtor mit imaginärem Torwarttraining. Der
      Torwart muss der laute Chef der Abwehr sein. An seinen Schultern sollte keiner
      vorbeikommen. Dinge wie Ehrgeiz, Scheitern und Erwartungen spielen hier eine
      Rolle. Ein fremdreligiös kunstvoll wirkendes Tor zu einem Gebäude lässt die
      Erinnerung an die Essener-Song-Tage 1968 und die Hippies aufleben. Die Sehn-
      sucht nach Liebe wurde oftmals nicht erfüllt. Heute regiert oft der Hass. Nach
      einer filmischen Fahrt durch ein scheinbar riesiges Essener Parkhaus stoppt die
      Fahrt völlig überraschend vor einem vom LKW angestrahlten dunklen Wald. Es
      kommt einem automatisch die Assoziation zu einem Unterwasserwald mit
      wundersamen Gewächsen, nur begleitet von Musik. Friedrich Alfred Krupp grün-
      dete 1874 das erste Meeresforschungsinstitut der Welt in Neapel. Spätestens
      hier geht für die waghalsigen Strecken ein großes Lob an den Fahrer. Der
      Schlusspunkt sind fünf farbige Leitern auf dem Welterbe Zollverein. Fünf Männer
      klettern imaginär mit einem Eimer hinauf und fliegen davon. Vergangenheit,
      Gegenwart und Zukunft werden so symbolisiert. Zwischendurch gibt es immer
      wieder die bewährten "Blicke ins Ruhrgebiet". Die heimliche Hauptstadt des
      Ruhrgebiets lässt sich auf dieser rollen Theaterplattform wunderbar und span-
      nend erleben.

      Im Rahmen der Ruhrtriennale sind vom 19. August bis 30. September 2017 alle
      49 Arbeiten aller Touren, von Oberhausen bis Essen, in der Mischanlage der
      Kokerei Zollverein noch einmal als Gesamtkunstwerk bei freiem Eintritt zu
      sehen und zu hören.

      Datum: 14. März 2017 (Generalprobe)
      Laufzeit: 15. März bis 8. April 2017 (ab Museum Folkwang)

      www.trucktracksruhr.de
      www.ruhrtriennale.de (Präsentation aller Arbeiten auf Zollverein)