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      Das Rimini Protokoll und die Urbane Künste Ruhr haben für das Ruhrgebiet ein
      ganz besonderes Projekt entworfen. Die „Truck Tracks Ruhr“ haben ihre künstle-
      risch spannende Stadtrundfahrten in Oberhausen begonnen und habe sie nun in
      Duisburg als dritte Station fortgesetzt. Selbst Duisburger Mitfahrer erleben ihre
      Stadt so mal ganz anders, aus einem irrealen Guckkasten heraus, richtig
      spannend.

      Ort des Geschehens ist ein Lastwagen als fahrender Zuschauerraum. Alle
      blicken von einer kleinen Tribüne zur Seite. Eine Seite ist verglast und etwas
      verspiegelt. Dabei sind die maximal 49 Teilnehmer je nach Lichteinfall der Sonne
      von außen mal sichtbar, oder mehr oder weniger unsichtbar. Diese spezielle
      Konstruktion ist ein Erlebnis. Dabei muss man betonen, dass es keine
      Stadtrundfahrt ist, sondern ein Kunstprojekt auf Rädern.

      Jeweils sieben Stationen, bekannt oder sehr außergewöhnlich, sind Schauplätze
      einer Kunstperformance der akustischen und zwischendurch auch visuellen Art.
      Hier hält der LKW für fünf Minuten. Künstler bringen dabei die Fahrgäste dazu,
      diverse Dinge zu reflektieren, während sie aus einem großen Schaufenster auf
      etwas blicken. Es geht thematisch um Panikforschung in der Duisburger City,
      einen erzählten, historischen Film vor dem Werkstor von ThyssenKrupp.
      Stimmen berichten, wie Scharen von Arbeitern das Werk verlassen. An einer
      Waschanlage dreht es sich um das freiwillige Aussterben der Menschheit durch
      Sterilisation. Ist die Mücke nicht wertvoller als die Kunst, wenn der Mensch
      ausgestorben ist? Diese Frage stellt sich vor einem typischen Hafenareal. Am
      Innenhafen gibt eine Brache, wo die Natur kaum eine Chance hat. Hier geht es
      um Klimawandel und die Zukunft der Welt. Auf einem leeren IKEA-Parkplatz
      dreht sich der LKW um einen Punkt. Drehen wir uns nicht ständig um uns
      selbst? Können wir zu einem Projekt auch mal Nein sagen? Abschießend
      werden im Landschaftspark die Architektur und das Herz aus Stahl reflektiert.

      Drinnen fahren die Rollos zwischenzeitlich auf und ab. Im geschlossenen
      Zustand dienen sie als Projektionsfläche für die Außeneindrücke per Kamera,
      oder für konträre Stadtbilder in Duisburg. Verschiedene Menschen erscheinen im
      Film mehr oder weniger still stehend und schauen die Fahrgäste an. Wer sind
      sie und was denken sie gerade? Die beteiligten Künstler haben sich jede Menge
      einfallen lassen. Dabei untermalt ein urbaner-elektronischer Sound von Frank
      Böhle den fahrenden Raum. Ortsspezifisch werden passende Geräusche sehr
      synchron beigemischt.

      In der Regel wirkt die Glasfläche von außen verspiegelt. Manchmal fühlt man
      sich aber wie der Affe im Zoo, je nach Lichteinfall und Betrachtungswinkel. Die
      Reaktionen der Menschen von außen sind es, die jede Fahrt individuell machen.
      Diese Momente sind nie planbar. Am Endpunkt im Landschaftspark hielt ein
      Passant den Teilnehmern wirklich den Spiegel vor, indem er Affengesten mimte.
      Mit wenigen Gesten kann man diese Tour auch treffend beschreiben. Wer ist der
      Betrachter und wer der Betrachtete?

      Dieses künstlerisch sehr quer gedachte Projekt ist spannend arrangiert. Die
      Klimaanlage sorgt für einigermaßen gute Luft. Die 49 Fahrgäste haben an
      diesem zweistündigen Theaterstück quer durch Duisburg sehr viel Freude an der
      Mischung aus besonderen Außeneindrücken und der künstlerischen Umsetzung
      drinnen. Leider sollen alle Tickets, auch die in den Folgestädten, vergriffen sein.

      Datum: 17. August 2016 (ab Lehmbruck Museum), bis Frühjahr 2017 in Essen

      www.trucktracksruhr.de