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      Das Rimini Protokoll und die Urbane Künste Ruhr haben für das Ruhrgebiet ein
      ganz besonderes Projekt entworfen. Die „Truck Tracks Ruhr“ haben ihre künstle-
      risch spannende Stadtrundfahrten in Oberhausen begonnen und werden in sechs
      weiteren Ruhrgebietsstädten zu erleben sein.

      Ort des Geschehens ist ein Lastwagen als fahrender Zuschauerraum. Alle
      blicken von einer kleinen Tribüne zur Seite. Eine Seite ist verglast und etwas
      verspiegelt. Dabei sind die maximal 49 Teilnehmer je nach Lichteinfall der Sonne
      von außen mal sichtbar, oder mehr oder weniger unsichtbar. Diese spezielle
      Konstruktion ist ein Erlebnis. Dabei muss man betonen, dass es keine
      Stadtrundfahrt ist, sondern ein Kunstprojekt.

      Jeweils sieben Stationen, bekannt oder sehr außergewöhnlich, sind Schauplatz
      einer Kunstperformance der akustischen und zwischendurch auch visuellen Art.
      Hier hält der LKW für einige Minuten. Künstler bringen dabei die Fahrgäste dazu,
      diverse Dinge zu reflektieren, während sie aus einem großen Schaufenster auf
      etwas blicken. Es geht thematisch um den Wert der Dinge, den Tod der Mutter
      oder die Beschreibung einer Brache durch Kinderstimmen. Wem gehört das
      Grundstück und was soll dort mal entstehen? Man macht sich um deutsch-
      chinesische Wirtschaftsbeziehungen an einem Ort der chinesischen Essens-
      kultur in Oberhausen Gedanken, betrachtet literarisch bespielt einen Stadt-
      platz oder reflektiert als Greis den baldigen Tod. Natürlich ist auch ein Konsum-
      tempel unter den ausgewählten Orten.

      Drinnen fahren die Rollos zwischenzeitlich auf und ab. Im geschlossenen
      Zustand dienen sie als Projektionsfläche für die Außeneindrücke per Kamera
      oder verschiedene Menschen erscheinen im Film mehr oder weniger still
      stehend und schauen die Fahrgäste an. Wer sind sie und was denken sie
      gerade? Die beteiligten Künstler haben sich jede Menge gute Ideen einfallen
      lassen. Dabei untermalt häufig ein urbaner Sound den fahrenden Raum.

      In der Regel wirkt die Glasfläche von außen verspiegelt. Manchmal fühlt man
      sich aber wie der Affe im Zoo, je nach Lichteinfall und Betrachtungswinkel. Wenn
      ein kleines schwarzes Mädchen und ihr Papa im Auto sich beim Anblick der
      Menschen auf der Ladefläche vor Lachen kaum noch einkriegen oder ein älterer
      Deutscher im vorübergehen mehrmals möglichst unauffällig zur Seite schielt, ob
      er gerade keine Fata Morgana vor sich hat, dann wird es humorvoll. Die Reak-
      tionen der Menschen von außen sind es, die jede Fahrt individuell machen.
      Diese Momente sind nie planbar.

      Dieses künstlerisch sehr quer gedachte Projekt ist spannend arrangiert. Auch
      wenn es drinnen, trotz Klimaanlage, immer wärmer wird, haben die 49 Fahr-
      gäste an diesem Theaterstück ihre Freude an der Mischung aus besonderen
      Außeneindrücken und der künstlerischen Umsetzung drinnen. Sollte man nicht
      verpassen.

      Als nächste Städte stehen Recklinghausen (1.-18. Juni), Duisburg (12. August –
      24. September) und Dortmund (6.-29. Oktober) auf dem Fahrplan.

      Datum: 3. Mai 2016 (ab Theater Oberhausen), bis März 2017

      www.trucktracksruhr.de