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      Mit der sehenswerten Theaterperformance "Toxic" des Schauspielerkollektivs
      "Technocandy" im Theater Oberhausen humorvoll die Frage nach Härte oder
      Herz im Umgang mit aktuell gesellschaftlichen Themen.

      Das Geschehen spielt in einem Polizei-Ausbildungscamp. Hier gilt die harte
      Ansprache durch Ausbilder Mave (Golschan Ahmad Haschemi) an die
      Rekruten Dave (Frederik Müller) und Rave (Banafshe Hourmazdi). Oft kreisen
      sie mit ihren Fahrrädern im Saal herum und tragen blaue Polizeisignale auf
      dem Kopf. Sie haben im Sinne des Staats zu funktionieren. Private und
      menschliche Bedürfnisse sollten in den Hintergrund treten. Doch die gegen-
      sätzlichen Pole von Theorie und Praxis machen das Stück ziemlich humorvoll.

      Zwar gibt es Türme, die wie Wachtürme erscheinen, aber der weiche Kern
      in der harten Schale tritt immer mehr hervor. Da täuschen auch die mit Draht
      ummantelten Baseballschläger nicht. Ihr "Save", als Bestätigung von
      Befehlen, ist ein schönes Wortspiel zu den vorhandenen Namen. Jeder sucht
      sich irgendwie seinen persönlichen Freiraum. Es wird aber auch gemeinsam
      gekuschelt und man schaut sich tief in die Augen. Wenn Rave auch noch als
      "Papa" bezeichnet wird, assoziiert man gleich Eigenschaften wie Weisheit,
      Intelligenz oder Strenge. Die Leibesübungen sind jedenfalls ein gutes Bei-
      spiel, wie Drill und Autorität kläglich versagen können. Im gleichen Takt sieht
      es anders aus. Grönemeyers "Männer" erklingt in voller Länge. Wann ist denn
      der Mann ein Mann? Aktuelle Rollenbilder werden hinterfragt. Man erkennt
      zudem viele Alltagsprobleme, z.B. Stresssymtome.

      Auf keinen Fall wollen sie aber Bullenschweine sein. Doch wie weit muss
      man staatliche Härte nach außen darstellen und wie viel Herz darf man als
      Teil des Staatsaparetes zeigen? Wann wird ein Polizist im Dienst zum
      Rassisten? Darum dreht sich das Stück. Der bildhafte Vergleich des Zusam-
      menlebens zwischen zwei Hunden und einer Krabbe passte in die heutige,
      der von Zwisten geprägten Zeit. Sie sind die letzten drei Tiere auf der Welt
      und wissen es noch nicht.

      Banafshe Hourmazdi kennt man gut als Ensemblemitglied am Theater
      Oberhausen. Das Stück haben sie selber verfasst, inszeniert und dargeboten.
      Es ist gelungen und auf seine ganz eigene Art präsentiert, schon weil sie
      selber als reale Personen zum Glück nicht Mainstream sind.

      Am Ende bitten sie alle Gäste nach draußen in den Theaterhof. Musikalisch
      stellen sie dort "Das Lied der Moorsoldaten" in den Kontext. Es wurde 1933
      im KZ Börgermoor (Emsland) von Insassen komponiert und verbreitet, gegen
      den Willen der Nazis. Hörigkeit und Drill hatten und haben eben viele
      Gesichter.

      Datum: 6. Mai 2018

      www.theater-oberhausen.de