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      Mit der sehr ordentlichen Inszenierung von „Der Theatermacher“ von Thomas
      Bernhard zeigt das Theater Oberhausen das letzte große Schauspiel dieser
      Spielzeit. Regie führte höchstpersönlich der scheidende Intendant Peter Carp.

      Wie bei einem guten Konzert, das Ende klingt immer etwas ruhiger aus. Es ist
      ein Stoff, den Peter Carp schon länger mal auf die Bühne bringen wollte. Jetzt
      passt das Stück hervorragend auf den Spielplan. Es dreht sich um den alternden
      Staatsschauspieler Bruscon (Hartmut Stanke). Mit seiner Familie tingelt er über
      die Dörfer, um seiner Bestimmung nachzugehen. Großes Welttheater mit
      Churchill, Hitler oder Napoleon steht bei ihm auf dem Plan. In Utzbach ist eine
      Gaststätte mit provisorischer Bühne. Nebenan werden die Schweine geschlach-
      tet. Die 280 Einwohner sollen ihren Bildungshunger stillen können. Frustriert
      über sein Tingel-Tangel-Leben schießt er verbal offen gegen dieses Kaff und
      indirekt auch gegen den Wirt (Martin Müller-Reisinger). Über alles hier wird
      gemoppert. Auch seine Kinder (Thieß Brammer und Janna Horstmann) und
      seine Ehefrau (Anja Schweitzer) werden schauspielerisch auf der Bühne gering
      geschätzt. Mit Frauen kann er nicht arbeiten und doch muss er es. Die Kinder
      sind für ihn bessere Masseure als Schauspieler. Gute Schauspieler, die muss
      er lange suchen, um auch nur einen zu finden. Shakespeare und Goethe, ja mit
      denen möchte er sich messen. Völlig selbstverliebt und sich dabei seiner miss-
      lichen Lage bewusst, tapst er als der alte Dilettant über die Bühne, ohne seinem
      Anspruch auf Perfektionismus jemals gerecht werden zu können.

      Bruscon verkörpert den Typ Staatsschauspieler mit Hut und Schal, der beleh-
      rend Moral und Tugend vermitteln möchte, doch keiner versteht ihn. Das frustriert
      und doch kann er nicht anders. Launig gibt er Anweisungen an sein kleines
      Ensemble. Hier stimmt die Betonung nicht, da müssen die Wanddekorationen
      herunter, das Wasser passt nicht oder die Haarnadel liegt falsch. Ganz beson-
      ders stört ihn die Notbeleuchtung, die am Ende seines Stücks auf gar keinen
      Fall leuchten darf. Theater ist für ihn keine Gefälligkeitsveranstaltung, die aber
      trotzdem Kompromisse verlangt. Wäre er doch besser Wirt geworden, so seine
      Einsicht.

      Diese tragische Komödie von Thomas Bernhard reflektiert seine Hassliebe zu
      seinem Heimatland Österreich. Utzbach ist das Kaff, in dem die Noch-immer-
      Nazis ihr Zuhause haben. Die schöne 60er-Jahre-Bühne stellt ein wenig
      einladendes Gasthaus dar. Der Wirt hat hier eingeheiratet, um seine Existenz
      zu sichern. Wenn nicht Bruscon mit seiner Wandertheatergruppe zu Gast ist,
      ist hier wenig los. Im Grunde ist es ein Monolog mit mehr oder weniger zuhör-
      enden Nebenrollen, der dem ebenfalls scheidenden Hartmut Stanke wie auf den
      Leib geschrieben wurde. Er verkörpert den alten Theatermenschen spielerisch
      gekonnt. Im wahren Leben geht der 74-jährige Hartmut Stanke nach 25 Jahren
      am Theater Oberhausen in den Ruhestand. Er möchte sicher nicht so an sich
      selbst zerbrochen enden wie in der Rolle, die er in diesem Stück darstellt.

      Ein großer Dank geht an den Intendanten Peter Carp, der während seiner Zeit in
      Oberhausen vieles Gutes geleistet hat. Besonders die laufende und letzte Spiel-
      zeit ist von sehr hohen Auslastungen geprägt. Vielen jungen Regisseuren gab er
      eine Chance zu inszenieren und bewies dabei jede Menge Mut. Die Atmosphäre
      im Haus war ausgezeichnet. In Freiburg wird er seine Arbeit fortsetzen. Sein
      Nachfolger wird ab der nächsten Spielzeit der junge Florian Fiedler sein, der das
      Theater Oberhausen sicher neu prägen wird. Man darf gespannt sein.

      Datum: bis 23. Juni 2017

      www.theater-oberhausen.de