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      Die Tanz-Gala zur Verleihung des Deutschen Tanzpreises 2019 im Aalto
      Theater in Essen präsentierte hochklassige, sehr vielfältige Darbietungen und
      verdiente Preisträger. Es ist der bedeutenste Tanzpreis in Deutschland. Gast-
      geber war der Dachverband Tanz Deutschland e.V. (DTD).

      Der Hauptpreis geht an den Fotografen Gert Weigelt. Nach seiner Karriere
      als Tänzer sattelte er 1975 um. Er widmete sich beruflich der Tanzfotografie.
      In einer großartig formulieren Laudatio würdigte Thomas Thorausch, stellver-
      tretender Leider des Deutschen Tanzarchivs in Köln, seinen Beitrag für den
      Tanzsport. Bewegung ästhetisch in Fotos festzuhalten ist eine große Kunst.
      Das Vierdimensionale muss im Zweidimensionalen wirken. Sehnsucht,
      Eleganz, Weite und Raum müssen die Motive ausdrücken. Zeitlos sollen sie
      sein und historisch gesehen ihre Wirkung verstärken. All das verbringen seine
      Fotos. Er fotografierte für so große Namen wie Pina Bausch, John Neumeier,
      Martin Schläpfer, Gret Palucca, William Forsythe, Hans van Manen oder Jiri
      Kylian. Mehr geht kaum. Gert Weigelt ist der erste Fotograf, der diesen Preis
      verliehen bekommt.

      Eine weitere Preisträgerin. Sie hat den Schritt von der Tänzerin zur Choreo-
      grafin gewagt. Bei ihr findet man eher weniger Figuren, sondern sich verän-
      dernde Körper, die Formen bilden, wieder auflösen und neue bilden. Kreis-
      förmige Gruppen von TänzerInnen bewegen sich mal schneller oder lang-
      samer, bzw. erweitern oder verengen den Kreis und bilden wieder neue
      Formen. Das tanzende Individuum ist nicht von entscheidender Bedeutung.
      Sie verfolgt einen ganz eigenen Ansatz.

      Dritte und letzte Preisträgerin ist Jo Parkes. Ihr Konzept ist der Mobile
      Dance. Tanzen kann eigentlich jeder, wenn er oder sie nur möchte. Das
      macht sich Jo Parkes zu Nutze. Bei ihr sind es keine ausgebildeten Tänzer,
      ihr genügt für eine Choreografie der Spaß und die Lust am Tanzen. So geht
      sie raus in die Gesellschaft und studiert diverse Bewegungsformen mit ganz
      normalen Menschen jeglicher Herkunft ein, gerne auch in sozialen Brenn-
      punkten. Die Orte sind dabei manchmal völlig unorthodox. Das kann ein
      Laborraum genauso sein, wie eine Dachterrasse oder eine Pizzeria. Jeder
      gibt sein Bestes und bekommt dabei ein Gefühl für den Körper und die
      Bewegung.

      Neben den Preisverleihungen gab es natürlich auch Hochkarätiges zu sehen.
      Die tanzende Gästeschar versprach viel und hielt es auch. Den Anfang
      machte die Choreografie "Im Wald" von Xin Pen Wang, gut getanzt vom
      Bayerischen Junior Ballett München. Der Inhalt kam sehr nachvollziehbar
      rüber. Die Sonne schien durch die Baumkronen und auch klanglich und
      tänzerisch passte alles zusammen.

      Nach einem vielsagenden Ausschnitt von den "Collective Jumps" (Isabelle
      Schad) stand die Ballettkreation "Ramifications" von Martin Schläpfer auf
      dem Programm. Getanzt wurde sie von Marlucia do Amaral, vom Ballett am
      Rhein Düsseldorf-Duisburg. Klassische Elemente und moderne Einflüsse
      verschmelzen bei dieser Choreografie sehr gut.

      Sehr viel Applaus bekam ein Pas de deux vom Het Nationale Ballet aus
      Amsterdam, kreiert von Hans van Manen. Es drehte sich um Resignation,
      Vertrauen und Harmonie, federleicht und beinahe puppenartig von Igone de
      Jongh und Jozef Varga präsentiert. Das schon sehr gute Niveau des Abends
      steigerte sich immer mehr, was auch Lutz Förster fortsetzte. Er zeigte einen
      Ausschnitt aus der Kreation "Nelken" von Pina Bausch, eine völlig unge-
      wohnte Form des Balletts.

      Den Abschluss bildete das Staatsballett Berlin, das mit einer großen Gruppe
      von TänzerInnen angereist war. Zunächst brachten sie einen Ausschnitt aus
      "Rubies" auf die Bühne, eine eher klassische Choreografie von George
      Blanchine. Optisch und tänzerisch war das erste Klasse. Die menschlichen
      Edelsteine funkelten ganz leichfüßig und elegant.

      Nach der Pause zeigte das Staatsballett Berlin, was noch mehr in ihm
      steckt. Es wurde magisch. "Half Life", von der israelischen Chreografin
      Sharon Eyal, war schlichtweg brillant, sensationell und extrem packend.
      Elektronische Techno-Beats in leicht veränderter Struktur waren der musika-
      lische Boden dieser Aufführung in voller Länge. Wow, es wummerte und man
      starrte gebannt auf die Bühne. Man genoss wirklich jeden Teil einer Sekunde
      und konnte kaum fassen, was man sah und hörte. Es waren gar nicht die
      großen Tanzbewegungen. Man bewegte eher mal den Bauch, den Kopf, die
      Schulter und ein wenig die Arme stets zu den monoton klingenden Beats.
      Kleine Schritte veränderten die Positionen der Solisten und der Gruppe im
      Raum extrem geschickt. Es wirkte urban und doch archaisch zugleich.
      Tänzerische Anklänge an Schwanensee waren nicht zu übersehen. Dieses
      Ballett ist körperlich extrem anstrengend zu tanzen. Ein Finale mit
      Gänsehautfaktor!

      Datum: 19. Oktober 2019

      www.deutschertanzpreis.de