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Deutscher Tanzpreis 2020 im Aalto Theater Essen
Mit einer klasse Tanz-Gala zur Verleihung des Deutschen Tanzpreises 2020 ehrte der Dachverband Tanz Deutschland e.V. außergewöhnliche und preiswürdige Vertreter der Tanzszene. Der diesjährige Deutsche Tanzpreises wurde an Raimund Hoghe verliehen. Siham El-Maimouni, Moderatorin beim WDR, führte ausgezeichnet durch den Abend.

Tanzen ist vielleicht die am meisten ästhetische Form der Kommunikation. In Deutschland gibt es zahlreiche Kompanien, die hochklassige Darbietungen im Programm haben. Ein kleiner Ausschnitt war an diesem besonderen Abend zu erleben. Durch Corona bedingt verzichtete man überwiegend auf Gruppenszenen und achtete auf Abstand, wo es ging. Kam man sich nahe, war man ein privates Paar, wurde zuvor fast täglich getestet oder man trug notfalls eine Maske. Hier und da wurde eine Choreografie auch mal etwas umgeschrieben. Die Pandemie hat die Tanzszene schwer getroffen, besonders die freien Akteure. Deshalb war es besonders wichtig, diese Tanz-Gala live auf der Bühne stattfinden zu lassen, auch wenn nur 20% der Gästekapazität besetzt werden konnten. Der Applaus klang jedenfalls nach viel mehr, so dankbar war man, dabei sein zu dürfen.

Die breite Spanne der Stile reichte von klassischem Tanz, über zeitgenössische Darbietungen, bis hin zu Street-Choreografien. Den Anfang machten Marijn Rademaker und Timothy van Poucke vom Het Nationale Ballet aus Amsterdam mit "Two and only". Sie präsentierten ein sehr athletisches Pas des Deux als Männerdoppel. Es folgte die Choreografie "Auf meinen Schultern" von Preisträger Raphael Hildebrand. Er wurde für seine herausragenden künstlerischen Entwicklungen im Bereich des Urbanen Tanzes geehrt. Durch technische Effekte verwandelte er sich digital zu einer großen Kompanie, inhaltlich eine Hommage an seine kleine Tochter. Es menschelte weiter. "Nathalie", eine Choreografie von Ben van Cauwenbergh, mit Akteuren des Aalto Balletts, zur Musik von Gilbert Be?caud, war ein schöner Gruß des gastgebenden Hauses.

Mit Antje Pfundtner betrat eine Tänzerin die Bühne, die sehr viel mit Sprache arbeitete, was ein wenig gewöhnungsbedürftig war. Wofür stehst du auf? Die Ansprache ans Publikum war ihr in ihrem Werk "Für den Anlass" wichtig. Sie wurde ausgezeichnet für ihre kollektiven Impulse in Bereich des zeitgenössischen Tanzes. Ein echter Höhepunkt war die Darbietung "Bolero" von Friedemann Vogel und acht Tänzern des Stuttgarter Balletts, nach einer Choreografie von Maurice Be?jart. Es war ein echter Augenschmaus, dem Weltklasse- und offiziellen Kammertänzer Friedemann Vogel sowie seinen Kollegen zuzusehen. Er ist erster Solist am Stuttgarter Ballett und wurde als herausragender Interpret an diesem Abend geehrt.

Das Finale leiteten Misako Kato und Hector Ferrer vom Opera Ballet Vlaanderen mit der Choreografie "When I am laid in earth" von Sidi Larbi Cherkaoui ein. Sie tanzten sehr schön zur Musik von Henry Purcell aus ,,Dido and Aeneas".

Zum guten Schluss stand der Hauptpreisträger selbst auf der Bühne. Der große Choreograf Raimund Hoghe präsentierte mit Tanzpartnerin Ornella Balestra und seinem künstlerischen Partner, Luca Giacomo Schulte, beeindruckende Ausschnitte aus "Canzone per Ornella", alles sehr sensibel und leise. Er gehört zu den wichtigsten Vertretern seiner Zunft weltweit. Selbst politische Inhalte sind ihm nicht fremd, wie z.B. das Schicksal von Flüchtlingen, für die er gerne leidenschaftlich das Wort ergreift. Er gehört zu den Tanzbegeisterten, die sehr positiv über den Tellerrand hinaus kritisch die Gesellschaft im Blick haben.

Selbstverständlich kamen die Preisträger auch zu Wort. Raimund Hoghe berichtete von seinen Erlebnissen mit Pina Bausch, die er persönlich gut kannte. In ihren Anfängen hatte sie Probleme Veranstalter zu finden, die ihre extravaganten Choreografien zeigen wollten. Friedemann Vogel erwähnte, dass es für Tänzer wichtig sei, einen Arzt zu finden, der sich mit den speziellen Problemen dieser Berufsgruppe auskennt. Raphael Hildebrand wünschte sich, dass auch die freie Tanzszene von Hilfsgeldern in der Corona-Zeit profitiert, forderte ein Grundeinkommen für die Tanzszene, um mit einem unbeschwerten Kopf neue Projekte anzugehen.

Alle Beteiligten merkte man an diesem wunderschönen Gala-Abend die große Freude an, endlich mal wieder auf einer Bühne zu stehen und tanzen zu dürfen. Dem Publikum erging es ähnlich. Es wurde mit großartigen Tanzdarbietungen von international renommierten Akteuren verwöhnt. Ob auf oder vor der Bühne, man durfte diesen Abend ausgiebig genießen.

Datum: 17. Oktober 2020, Aalto Theater

www.deutschertanzpreis.de