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Ausstellung 'SURVIVORS. Faces of Life after the Holocaust' auf Zollverein
Die sehr eindrucksvolle Ausstellung "SURVIVORS. Faces of Life after the Holocaust", auf dem Welterbe Zollverein in Essen, zeigt 75 Portraits von Überlebenden des Holocaust, fotografiert von Martin Schoeller. Anlass ist der 75. Jahrestag der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau. Es ist ein sehr wichtiges Erinnerungsprojekt für unsere Gesellschaft, die von Rechtsradikalen wenig geachtet wird.

Es soll tatsächlich Menschen geben, die den Holocaust leugnen. Hier werden sie auf jeden Fall eines Besseren belehrt, falls sie einen Fuß in diese berührende Ausstellung setzen würden. Es sind 75 Gesichter, die Martin Schoeller als Close-ups eingefangen hat. Unterstützt wurde er dabei von der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem und dessen deutschem Freundeskreis sowie der Stiftung für Kunst und Kultur. Zehn Tage weilte er im Mai 2019 vor Ort. Es waren für ihn sehr berührende Begegnungen und durchaus traurige Tage. Diese jüdischen Menschen haben in diversen Konzentrationslagern die Hölle überlebt. Die seelischen und körperlichen Narben haben sie mit sich getragen, wahrscheinlich teilweise verdrängt. Man muss ihnen sehr großen Respekt zollen, so alt zu werden, so viel Lebensfreude zu entwickeln und folgenden Generationen ein mahnendes, menschliches Denkmal zu sein. Ohne sie ist die Erinnerung an den Holocaust nur schwer möglich.

Steht man vor diesen Portraits, so schauen einen zwei Augen an, die viel Erschütterndes gesehen haben. Was, das ist für uns nicht vorstellbar. Der Tod stand in jungen Jahren jedenfalls ganz nah vor diesen Pupillen. Ihre Haut ist faltig, das Haar ist schütter. Schaut man auf die Münder, so wirken sie teilweise ernst, teilweise lächeln sie aber auch. Sie blicken zurück und zugleich in eine hoffentlich bessere Zukunft. Dabei reden sie nicht wirklich. Es ist unsere Aufgabe, ihre Gesichtsausdrücke zu deuten. Wer das große Glück hatte, einmal einer Holocaust-Überlebenden persönlich zu begegnen, sie erlebt und die ihre Hände gespürt hat, der wird kaum etwas Herzlicheres spüren können. Sie können sogar deutschen Staatsbürgern verzeihen. Ganz so persönlich sind die Fotografien zwar nicht, aber sie drücken aus, dass wir alle sehr aufpassen müssen, dass sich die historischen Gegebenheiten nicht wiederholen.

Zu jedem abgebildeten Menschen ist eine kurze Botschaft notiert. Hier ein stellvertretendes Beispiel.
Ruth Zumann (* 1934, Erzvilklas, Litauen):
"Wir müssen uns bemühen gut und freundlich zu sein und einander mit Freundlichkeit und Empathie zu behandeln. Die einzige Möglichkeit dieses Leben durchzustehen, besteht darin, jenen, die uns umgeben, zu helfen."

Es gibt ein umfangreiches Rahmenprogramm. Zahlklassen Schulklassen werden eingeladen. Den Eintritt kann jeder nach eigenem Ermessen bestimmen. Niemand muss draußen blieben, nur weil das Portemonnaie evtl. dünn ist.

Es ist geplant, die Ausstellung international wandern zu lassen. Stationen in Maastricht und Toronto stehen bereits fest.

Im Steidl Verlag ist das sehr schöne und gleichnamige Buch zur Ausstellung erschienen.

Laufzeit: bis 26. Juli 2020

www.zollverein.de