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Live-Stream-Konzert von Stoppok zum 65. Geburtstag
Stoppok, einer der großen Charakterköpfe der deutschen Musikszene, kommt ins Rentenalter. Trotz Pandemie nahm er jede Menge Geld in die Hand und veranstaltete das „STOPPOK 65 - Das Live-Geburtstags Streamingkonzert!“, denn ohne eine Feier wäre es traurig geworden. Alles Gute zum 65. und noch viele echte Konzerte!

Seinen Fans ist er bestens vertraut, doch ansonsten segelt er gerne unter dem Radar. Im Radio wäre einer seiner Songs eine Sensation, was zur Folge hat, dass seine Kompositionen auch nach Jahrzehnten akustisch noch nicht durchgenudelt sind. So lieferte er in 180 Minuten einen entsprechend kleinen Ausschnitt aus seinem musikalischen Schaffen, ohne dabei eine große Feier zu zelebrieren. Eine große Geburtstagsgala in der ARD wäre gefühlt out of space gewesen. Einzig seine Schuhe waren mit einer 6 und einer 5 händisch verziert worden. So ist Stoppok, dezent und ohne die große Show, ein Kind, das im Ruhrpott (Essen) aufwuchs. Die Herkunft prägt bis heute. Helene Fischer wäre in einem goldenen Kleid 20 m hoch durch die Luft geschwebt. Er liebt es beschieden, sympathisch und bodenständig.

Man traf sich übrigens im Polittbüro im Hamburg, einem kleinen Theater, jedoch ohne Publikum. Da der bissige Blick auf die Gesellschaft von Beginn an nicht fehlen durfte, deklarierte man das Geburtstagskonzert zum Spaß als Fußballspiel, um die Abstände auf der Bühne nicht einhalten zu müssen. In Wirklichkeit waren alle Beteiligten getestet. Mit dabei waren Urgestein Reggie Worthy am Bass, Sebel an Klavier und Cajon und Tess Wiley an Wurlitzer und Gitarre. Stoppok selbst ist selbstverständlich ein echtes Genie an seinen Gitarren, die auch durchaus abgewetzt und geflickt aussehen dürfen. Bei Gitarren ist ihm Eitelkeit völlig fremd, während er bei den Bühnenklamotten immer ausgefallen daher kommt.

Stoppok hat so viele kultige Songs geschrieben und gesungen, dass eine Auswahl bei jedem Konzert schwierig ist. So ist auch die spontane Entscheidung, einen Song kurzfristig ins Programm zu nehmen, immer ein Risiko. Wie geht der denn noch? Die Texte sind eben keine LaLaLa-Schlagerverse. Wenn man seine Konzerte kennt, dann sind gelegentliche Texthänger, regelmäßig gestimmte oder gerissene Saiten oder die Frage nach der Tonart immer mal drin. Das war hier nicht anders, aber ohne das alles wäre er auch nicht Stoppok. Wer probt, der kann nix. Das Unperfekte macht ihn so sympathisch.

Was stand auf dem Programm? Es wurden überwiegend Klassiker dargeboten, die bei vielen anderen Konzerten von den Fans geliebt und verlangt werden, Songs voller Poesie, gesellschaftskritischer Opposition, Biss und zwischenmenschlichen Momenten, einfach Themen aus dem Leben, die man gar nicht überhöhen muss. Die Texte sagen schon genug aus, mahnen, rütteln auf und klagen an. Los ging es mit „Alles klar“, gefolgt von „Wie schnell ist nix passiert“ und „Sei nicht sauer“. Natürlich gab es den „Schieberblues“, die „Harte Zeit zwischen Twente und Seniorenpass“, „La Kompostella“, „Wie tief kann man sehen“, „Mein Freund der Kühlschrank“, „Wetterprophet“, „Ärger“, „Tage wie dieser“ oder „Zwei wunderschöne Augen“. Außerdem erklangen Songs von seinem aktuellen Album „Jubel“, das er 2020 erst acht mal live spielen durfte, ehe ihm quasi ein Berufsverbot erteilt wurde. Seine Superhits, wenn man sie so nennen darf, durften nicht fehlen. „Tanz“, oder „Beton“, das vielleicht schönste Liebeslied, das jemals geschrieben wurde, standen natürlich auf der Setliste. Stoppok ist auch ein Meister der großen Gefühle, musikalisch auf seine Art dargeboten.

Der Jubilar ist weltweit sehr gut vernetzt. So schickten seine Freunde Videos als musikalische Grußbotschaften. Inga Rumpf, Hannes Ringlstetter, Arthur Brown, Kai Wingenfelder, Anne de Wolff, Pohlmann, Peter Freudenthaler (Fool's Garden), Rufus Beck, Katja Werker, Simon & Jan, Axel Prahl, Sebastian Krumbiegel, Freunde aus Kalkutta oder Reinhard Mey meldeten sich digital zu Wort. Einen Kurzbesuch ins private Reich von Wolfgang Niedecken stattete er sogar mit einem analogen Beamer ab. Gezaubert wurde also auch. Alle gaben ihre persönliche Note ab und ehrten den Jubilar auf ihre Art.

Es war ein sehr gelungener Abend, sofern man das von einem Live-Steam-Konzert ohne Publikum sagen kann. Man vermisste auf beiden Seiten den gegenseitigen echten Kontakt, das Mitsingen und die Stimmung. Das geht leider aktuell nicht. Die ganz große Sause soll zum 70. Geburtstag steigen, wirklich live und mit Fans. Die ersten Konzerte, die eines Tages wieder möglich sein werden, werden aber ganz sicher zu großen Nachfeiern. Wir wünschen es uns alle wieder.

Datum: 21. Februar 2021