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      Der "Starlight Express" in Bochum ist seit 30 Jahren ein erfolgreicher Dauer-
      brenner. Nun hat man das Musical komplett überholt und neuinszeniert. Es
      ist gelungen. Die bekannte Geschichte präsentiert sich in einem neuen Kleid,
      das seinen alten Kerncharakter nicht aufgegeben hat.

      Schon im Foyer fällt auf, dass sich was getan hat. Aus dem Shop wurde die
      Garderobe und aus der Garderobe die Bar. Im Saal hat man die Modelleisen-
      bahn im Oberraum deutlich vergrößert. Sie fungiert sogar hin und wieder als
      illuminiertes Gestaltungselement beim Einsatz der Control Voice. Überhaupt,
      die Bühne hat sich zu einem Bahnhof entwickelt. Leicht animierte Projek-
      tionen machen es möglich. Selbst die Laufbahnen werden mit Eisenbahn-
      schienen durch Projektion gestaltet.

      Sehenswert sind die neuen Kostüme. Der Charme der 80er ist weg. Alles
      wirkt moderner, eleganter und weniger bunt. Pearls ehemals süßlich ver-
      spielter Faktor ist modern gestrafft. Rostig statt bunt darf es auch gerne mal
      sein. Das neue Outfit ist richtig gut. Gleiches gilt ebenfalls für den Sound.
      Man hat spürbar dran gearbeitet. Lediglich einzelne Gruppenszenen, z.B.
      der gemeinschaftliche Hip-Hop direkt nach der Pause, sind schwer verständ-
      lich. Das sind noch Baustellen. Dem Lichtdesigner gilt ein besonderes Lob.
      Weniger kalte Laser der 80er, dafür hat man nun ein sehr atmosphärisches
      Licht umgesetzt, teilweise sogar mit Discokugeln im Hintergrund. Die
      Lichtstreuung variiert zwischen harten Spots und weichen Lichtelementen.

      Es gibt viele Veränderungen. Die Darsteller verweilen auch mal auf Verbin-
      dungstreppen zwischen Unter- und Oberrang. Man ist ihnen ganz nahe.
      Weniger Bedeutung hat die bewegliche Bogenbrücke. Sie wird mehr zum
      geschickt positionierten Lichtelement umfunktioniert. Eine andere bewegliche
      Rampe übernimmt ihre Funktion in den meisten Situationen. Die verschie-
      denen Spielebenen bleiben erhalten. Das merkt man immer wieder. Der Hit
      "Für immer", das Liebesduett zwischen Pearl und Rusty, wurde szenisch
      stark umgearbeitet. Eine klassische Anlehnung an Romeo und Julia, nur
      dass Rusty oben auf dem Balkon steht.

      Vieles ist szenisch besser. Beim Titelsong "Starlight Express" ist das Licht
      völlig anders. Rusty fährt auf einer Säule aus dem Bühnenboden, umgeben
      von zwei kreisenden Sterneketten über ihm. Sieht gut aus. Insgesamt wirkt
      die gesamte Inszenierung moderner, gestraffter und klarer sowie härter. Das
      mag auch an der etwas rockigeren musikalischen Note liegen. Die Songs
      wurden etwas umarrangiert. Die früher manchmal seichte Schlagernote ist
      verschwunden. Der Soundtrack wirkt nun homogener. Texte von bekannten
      Songs wurden teilweise umgeschrieben. Die Fans werden sich daran
      gewöhnen müssen. Mit "Ich bin Ich" gibt es sogar einen ganz neuen Song,
      der ankommt. Komponiert wurde er von Sir Andrew Lloyd Webber. Am Ende
      gibt es wieder den etwas variierten Megamix. Dann darf auch fotografiert
      werden.

      Die größte Neuerung ist die Emanzipation vieler Rollen. Nicht nur Mama als
      Dampflok (Reva Rice) ist neu, auch einen weiblichen Zug gibt es. Selbst
      manche sonst eher als Nebenrolle wahrgenommene Figur kommt stärker
      hervor. Obendrein haben die Waggons die Macht der Loks abgelöst. Rusty
      (Blake Patrick Anderson) und Pearl (Georgina Hagen) tauchen früh ange-
      deutet als Liebespaar auf. Pearl hat in Sachen Aufmerksamkeit nun aber
      weibliche Konkurrenz durch Mama bekommen.

      Reva Rice gebührte bei der Premiere ein besonderer Dank. Nicht nur, dass
      sie eine tolle Darstellerin ist, sie stürzte böse kurz vor der Premiere und ver-
      letzte sich. 30 Stunden lag sie anschließend auf Eis und konnte diese
      historische Vorstellung eingeschränkt spielen. Einmal mit dem Komponisten
      Sir Andrew Lloyd Webber auf einer Bühne zu stehen ist schließlich ein
      Traum eines jeden Musicaldarstellers. Er trat am Ende vor das Publikum und
      spendete ein paar warme Worte. Georgina Hagen als Pearl konnte ihr Glück
      kaum fassen, denn der Meister persönlich griff zur Verbeugung ihre Hand.
      Sie strahlte fortan mit der Sonne um die Wette.

      Die neue Version wirkt durch neue Textpassagen, überarbeitete Songtexte
      und viele andere Dinge wesentlich moderner und spürbar optimiert. Die
      Macher haben ganze Arbeit geleistet.

      Datum: 12. Juni 2018, Premiere der Neuinszenierung

      www.starlight-express.de