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      Mit der deutschen Erstaufführung "Das Recht des Stärkeren" greift das
      Theater Oberhausen ein Thema auf, das seit der Einstellung des Steinkohle-
      bergbaus in Deutschland aktueller denn je ist. Ein Teil unserer Kohle wird aus
      Kolumbien bezogen. Die dort kriminellen und undurchsichtigen Arbeits-
      bedingungen werden eindrucksvoll thematisiert. Regie führte Florian Fiedler.
      Die Romanvorlage stammt von Dominik Busch.

      Betritt man den Saal 2 des Theaters, so findet man drei Publikumsbereiche,
      die durch Folie teilweise getrennt sind. Projizierte Schriftzüge wecken
      Neugierde. Es dreht sich um den Steinkohleabbau in Kolumbien. Alles muss
      sich der Kohle unterordnen. Hier gilt da Recht der Stärkeren, also der Macht.
      Wer sich in den Weg stellt, dem wird von Todesschwadronen das Leben
      schwer gemacht. Der Rohstoffkonzern arbeitet eng mit den kriminellen
      Banden zusammen.

      Die junge Schweizer Filmemacherin Nadia (Elisabeth Hoppe) will dem Elend
      auf den Grund gehen, will der Welt zeigen, was sich in Kolumbien abspielt.
      Was die Sache interessant macht ist die Tatsache, dass ihr Vater Erik
      (Klaus Zwick) die Kohlenmine leitet. Mit Àlvaro (Burak Hoffmann) findet sie
      schnell einen Beteiligten, der die Verhältnisse kennt und der auspacken
      möchte, ohne Maske oder Verkleidung. Nachdem Nadias Assistent Simon
      (Clemens Dönicke) erste Bedenken äußert, wird es auch Alvaro zu heiß.
      Wäre eine subtilere Art von Film besser geeignet? Alvaro bittet Nadia ihre mit
      ihm geführten Interviews heraus zu schneiden. Sie hingegen ist in einer
      schwierigen Lage zwischen allen Parteien. Soll sie der Welt die Ungerechtig-
      keit vor Augen führen und mindestens ein Menschenleben riskieren oder vor
      der Gewaltandrohung kuschen? Wie viel Freiheit hat ein Filmeschaffender,
      wenn er oder sie für die Freiheit der Menschen eintritt? Obendrein ist da noch
      der Zwist mit ihrem Vater. Er ist es, der gerne in seinem Pool Bahnen zieht,
      ein Wohlstandssymbol der Ausbeuter ohne Moral.

      Das Stück ist außergewöhnlich und spannend inszeniert. Fast durchgehend
      ist eine Videokamera im Einsatz, die die Bilder auch für die Zuschauer als
      Projektion sichtbar macht, die jeweils hinter der Folie sitzen, wenn sich das
      Geschehen gut hörbar davor abspielt. Man ist akustisch und optisch immer
      im Bilde. Je länger es dauert, desto mehr spürt man die Anspannung und die
      innere Zerrissenheit. Die Akteure wandern im Raum umher, sodass man sie
      auch Auge in Auge zu Gesicht bekommt.

      Für uns stellt sich am Ende die grundlegende Frage, ob wir Kohle aus
      Kolumbien weiterhin importieren sollen. Solange sie die Nachfrage da ist,
      wird sie abgebaut. Machen wir uns so zu Mittätern? Man ist ganz dich dabei.

      Datum: 7. März 2019, Premiere

      www.theater-oberhausen.de