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      Mit der Inszenierung "Ein Sommernachtstraum" verabschiedet sich Ballett-
      chefin Bridget Breiner vom Musiktheater im Revier (MiR) in Gelsenkichen.
      Sehr humorvoll hat sie den Shakespeare-Stoff aus dem 16. Jahrhundert
      kreativ und sehr unterhaltsam in die Gegenwart transportiert.

      Bridget Breiner hat sich viel einfallen lassen, um ihre letzte Inszenierung in
      Gelsekirchen zu einem Erfolg zu verhelfen. In der Regel kommen dabei die
      Akteure aus dem Orchestergraben hervor auf die Bühne. Dabei ist das wie
      immer wunderbare Bühnenbild von Jürgen Kirner hervorzuheben, der für die
      ebenfalls extrem phantasievollen Kostüme verantwortlich ist. Die Bühne ist
      eine Mischung aus moderner Architektur und einem riesigen, auf dem Kopf
      hängenden, Korb. Je nach Situation verändert er seine Position sehr
      geschickt. Für den zauberhaft-groteken Inhalt sind die Kostüme sehr stimmig.
      Das sehr akzentuierte und zurückhaltende Licht (Bonnie Beecher) ist eben-
      falls ein Hingucker. Die tänzerischen Helden dieses Panoptikums finden
      einen vortrefflichen Rahmen vor.

      Musikalisch hat Bridget Breiner einen gelungenen Mix aus Felix M. Bartholdy,
      Duke Ellington, Claudio Jacomucci, Uros Rojko, Alessandro Sbordoni,
      Antonio Correa und weiteren Komponisten gewählt. Was manchmal etwas
      gewagt klingt, das ist schlussendlich absolut stimmig und harmonisch im
      Zusammenspiel. Bei Mendelsohn wird es beim Hochadel romantisch,
      während die Handwerkertruppe klasse Jazz-Klänge tänzerisch interpretiert.
      Für die Atmosphäre des Zauberwald zeichnen Marko Kassl und Annette
      Reifig verantwortlich, die mit Akkordeon und Klavier live auf der Bühne
      agieren. Zwischendurch dient sogar Vogelgezwitscher im Wald als Klangnote
      ohne jegliche Musikbegleitung für eine besondere Surround-Atmosphäre im
      Saal.

      Spielfreudig und hochklassig wie eh und je bietet die 14-köpfige Kompanie
      den Stoff dar. Der ganze Rahmen macht es den Tänzerinnen und Tänzern
      auch einfach zu glänzen. Während das Groteske eher vordergründig ist,
      spielen die Liebespaare ein unterhaltsames Spiel. Verzaubert durch Pucks
      Zauberkünste verfallen sie einander unfreiwillig. Herrlich ist der liebestolle
      Akt zwischen Titania (Bridgett Zehr) und den Esel (Ledian Soto). Nicht
      selten gibt es Szenenapplaus. Heimlicher Liebling der Zuschauer ist Puck
      (Hitomi Kuhara), eine Eins mit Sternchen. Ihre Bewegungen und ihre Mimik
      sind herausragend und wunderbar komisch. Ihr gilt zudem ein Sonderlob,
      da sie sich im ersten Akt an der Wade verletzte und es doch irgendwie
      schaffte, ihre Rolle eingeschränkt zu Ende zu spielen. Gute Besserung!
      Klasse war ebenso die Theaterszene der Handwerker während der Hochzeits-
      szene. Hier bekommt das Groteske den Schlag Sahne oben drauf. Szenen-
      applaus auch für Sarah-Lee Chapman, die die Löwennummer als Stepptanz
      interpretierte, ihre eigene Idee, die Bridget Breiner gerne übernahm. Am
      Ende steckte auf der Bühne eine einsame rote Rose im Lichtkegel. Auf die
      kleinen Details kommt es an.

      Wer meint, dass die tägliche Nachrichtenlage schon grotesk ist, der findet
      hier noch viel mehr davon, allerdings im positiven Sinn. Das Ballett ist beste
      Unterhaltung und eine klasse Abschiedsinszenierung.

      Am 6. Juli verabschieden sich die stets sehr sympathische und immer
      bescheidene Ballettchefin Bridget Breiner und ihre Kompanie mit einer Gala
      von ihren Zuschauern. Bis auf Tänzerin Hitomi Kuhara verlassen alle das
      Haus Richtung Karlsruhe. Die Leitung der dann neuen Ballettkompanie am
      MiR wird der Choreograf Giuseppe Spota übernehmen.

      Datum: 31. März 2019 (Premiere)

      musiktheater-im-revier.de