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      In der Uraufführung des Schauspiels "Sophia, der Tod und Ich", nach einem
      Roman von Thees Uhlmann, beschäftigt sich das Grillo Theater mit einem
      Thema, das uns alle mal betreffen wird, früher oder später. Mit vortrefflicher
      Besetzung brachte der Regisseur Tilman Gresch eine Inszenierung auf die
      Bühne, die sich sehen lassen kann. Der Tod kann so schön melodramatisch,
      als auch humorvoll sein. Der Tiefgang kommt bei diesem Stück absolut nicht
      zu kurz.

      Was macht man eigentlich, wenn es klingelt und der unbekannte Herr sich als
      der Tod (Jens Winterstein) vorstellt? Man hat noch drei Minuten Zeit sich
      Gedanken zu machen, dann wird man geholt. Der namenlose Ich-Erzähler
      (Stefan Diekmann) schlägt erst einmal die Tür zu und begibt sich auf das WC.
      Fort an wird er den dunklen Gesellen an seiner Seite nicht mehr los. Woran soll
      er denn sterben? Irgendwas mit Herz! Zum Glück schellt es erneut an der Tür,
      was den Tod völlig aus dem Konzept bringt. Sophia (Stefanie Schönfeld) tritt ein,
      die Ex des Ich. Es beginnt eine Reise mehrerer Menschen, die skurril, nach-
      denklich und humorvoll daher kommt. Ingrid Domann ist die Idealbesetzung für
      die Mutter des Ich, selbstbewusst und gar nicht schreckhaft vor diesem
      gewissen "Morten de Sarg". "Was für ein schöner Name." Auf der klasse darge-
      stellten Fahrt mit Ich, Sophie und dem Tod als Beifahrer zu ihrem Enkelkind,
      lässt sie sich das Steuer nicht aus er Hand nehmen. Hier hat das Stück
      komödienhafte Züge mit ernstem Hintergrund, wie auch in der Szene in der
      Kneipe. Ganz entspannt kippt der Tod ein Bier nach dem anderen. Es ertönt
      "Wahnsinn, warum schickst du mich in die Hölle" von Wolfgang Petry. Schließ-
      lich ist der sonst so unbeliebte Tod zum ersten Mal auf Urlaub und völlig
      orientierungslos im Geschehen. Da muss man einfach schmunzeln. Richtig
      melodramatisch wirkt das Stück wieder zum Ende hin, als die skurrile Reise-
      gruppe bei Johnny ist, dem Sohn des Ich-Erzählers. Sieben Jahre hat er ihm
      jeden Tag eine Postkarte geschrieben, ohne zu wissen, ob er sie jemals bekom-
      men oder gelesen hat. Er hatte kein Besuchsrecht. Hier wird es rührend und
      stimmungsschwer zugleich, denn der Tod muss nun bald sein Werk vollenden.

      Das Stück ist nicht nur sehr gut inszeniert, sondern hinterfragt auch das
      Ableben. Was ist hinter dem Tod? Der Tod ist nur ein Taxifahrer, der seine
      Ausgewählten quasi nur bis vor die Tür zum Bordell bringt und nicht weiß was
      sich dahinter abspielt. Als Gesandter der Endlichkeit bekommt er eine sichtbare
      Hülle, die älter als Raum und Zeit ist. Dabei schlägt der Tod eine Seite seines
      Buches auf und sucht sich einen Namen aus. Das Aufeinandertreffen mit dem
      toll gespielten zweiten Tod (Jan Pröhl) symbolisiert die Frage nach dem Danach.
      Ist da noch was oder folgt das totale Nichts? Zwei Positionen prallen aufein-
      ander. Dabei wirkt die Bühne hell, mit lauter überdimensionierten Postkarten,
      von denen eine am Ende überraschend doch noch leuchtet.

      Es ist ein sehr sehenswertes Stück mit bildhaften Reisebeschreibungen,
      Lebensweisheiten, herrlichem Humor auf den Punkt, ganz viel nachdenklichem
      Tiefgang, einem manchmal leicht norddeutschen Akzent und keiner Scheu vor
      Flüchen. Die Schwere des nahenden Todes wird ernst und doch oft schmun-
      zelnd verpackt. Stefan Diekmann verkörperte seine sehr textreiche Rolle des Ich
      so voller Überzeugung, dass er am überraschenden Ende selbst einen emotional
      bewegenden Klos im Hals hatte. Auch Jens Winterstein ist ein wirklich über-
      zeugender Tod. Stefanie Schönfeld verkörperte sehr direkt und charakterisierend
      hervorragend die Ex-Freundin Sophia, während Jan Pröhl maßgeschneidert für
      die Rolle des zweiten Tods ist. Selbst das Kind kann überzeugen. Was für eine
      glänzende Besetzung für ein tolles Stück, das das Ende des Lebens ein wenig
      leichter erscheinen und alle Betroffenen Hoffnung schöpfen lässt. Spätestens
      am Ende bewegt es jeden, Schauspieler und Zuschauer.

      Um Karten muss man sich wohl rechtzeitig bemühen.

      Datum: 3. März 2017, Premiere (weitere Termine)

      www.schauspiel-essen.de