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      Der Ringlokschuppen Ruhr in Mülheim zeigte mit dem zeitgenössischen
      Tanztheater "Koxa - From Skin to Skin" eine Europapremiere, die die ein-
      fachen Bedürfnisse eines jeden Menschen tänzerisch sehr gelungen
      darbietet. Es geht um Berührung und Nähe.

      Es war eine überraschende Mailanfrage vom Provincial Dances Theatre
      Jekaterinburg aus Russland, die die Cooperativa Maura Morales aus
      Düsseldorf 2019 dazu veranlasste, den 4.100 km langen Weg hinter das Ural
      aus sich zu nehmen. Sie traf dort auf sehr gastfreundliche, nette Menschen
      und eine ausgezeichnete Atmosphäre. Aus einem Workshop wurde schnell
      eine Kooperation. Ein Thema war folgerichtig da. Es geht um ein Grund-
      bedürfnis der Menschheit. Schon bei der Geburt und als Kind erhalten wir
      sehr viel Nähe, Wärme und Berührung von unserer Mutter. Etwas später lässt
      das alles nach. Wir vermeiden es, unsere Gegenüber länger in die Augen
      zu schauen und geben zur Begrüßung lediglich die Hand. Das lernt schon
      jedes Kind. Intensive Blicke, Umarmungen und Begrüßungsküsse werden oft
      vermieden, aus Angst, man könnte es falsch deuten, nämlich als uner-
      wünschte Anmache. Irgendwann kommt die Liebe ins Spiel, doch die Zahl
      der Singlehaushalte nimmt immer mehr zu und langjährige Zweisamkeit in der
      Ehe wird nicht selten zur oberflächlichen Alltagsroutine. So ist es dann
      manchmal auf dem Sterbebett, dass man einem Todkranken bewusst die
      Hand hält, doch dann ist es wohl zu spät. Eine lange Phase des Lebens
      erleben viele Menschen Berührung und Nähe sehr vernachlässigend, obwohl
      das Bedürfnis dazu permanent vorhanden ist.

      Das Tanztheaterstück "Koxa - From Skin to Skin" drückt das Thema wirklich
      sehr gut aus. Schon zu Beginn wird man als Zuschauer aufgefordert, die
      Menschen rechts und links neben sich anzusehen und ihnen die Hand zu
      geben. Dann schließ man 20 Sekunden seine Augen. Man spürt dabei die
      Berührung zum Teil fremder Menschen. Die zwölf TänzerInnen, eine fehlte
      verletzungsbedingt, setzten das Thema sehr ästhetisch um. Haut spielte
      dabei auch eine wichtige Rolle. Die leicht wirkenden Kostüme lassen jede
      Menge gegenseitigen Kontakt zu.

      Mal ist es das Baby auf Mamas Arm, mal der sinnliche Liebesakt. Selbst
      die professionellen TänzerInnen haben während der Erarbeitung des Stücks
      viel über Berührung gelernt, die richtigen Punkte am Gegenüber gesucht
      und gefunden. Dabei wechseln die Tempi innerhalb des Stücks, das sehr
      energiegeladen und dynamisch wirken kann. Die gelungene Musikkompo-
      sition stammt von Michio Woirgard. Es gibt aber auch Phasen, wo es sehr
      leise und sensibel sein kann. Berührung muss dabei nicht immer positiv
      sein. Gewalt ist auch eine Form der Berührung. Man darf sogar Nein sagen
       wenn es einem zu eng wird. Selbst wenn man unter Alleinsein und Einsam-
      keit leiden sollte, so ist Gedanke an Berührung schon eine kleine Befriedi-
      gung eines Grundbedürfnisses.

      Die tolle Choreografie wird mit sehr passenden Videoeindrücken fast per-
      manent unterstützt. Mikroskopische Einblicke in die Haut visualisieren die
      manchmal impulsartigen Bewegungen der TänzerInnen. Suchen sie die
      Nähe und berühren sie sich intensiv mit Augen und Mund, flackert groß ein
      Auge über die LED-Leinwand. Die Videoeindrücke sind so gewählt, dass sie
      die Bühne optisch zu keinem Zeitpunkt dominieren. Die TänzerInnen stehen
      eindeutig im Mittelpunkt.

      Datum: 1. November 2019

      www.ringlokschuppen.ruhr
      mauramorales.de
      www.dance-theatre.ru