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      Das Musiktheater im Revier (MiR) in Gelsenkirchen geht mal wieder typische
      Wege. Mit "Schwanda der Dudelsackpfeifer" feierte eine Oper Premiere, die
      eher selten auf den Spielplänen steht. Der Stoff von Jaromir Weinberger
      wurde von Regisseur Michiel Dijkema höchst unterhaltsam und klasse
      szenisch umgesetzt.

      Es ist inhaltlich eine Mischung aus Robin Hood, einem typischen Märchen-
      stoff und dem stets vorhandenen Drang nach Ruhm, Geld und Karriere. Der
      Räuber Babinsky (Uwe Stickert) führt den Dudelsackpfeifer Schwanda (Piotr
      Prochera) hinters Licht, um an seine Frau Dorota (Ilia Papandreou) zu
      kommen. Der Eiskönigin (Petra Schmidt) verfällt Schwanda und entkommt
      noch so eben dem Tod. Eine weitere Untugend bringt ihn in die Hölle. Zum
      Glück hat Babinsky nicht nur ein Räuberherz, sondern auch eine gute
      Seele und die List, übermächtige Gegner zu besiegen. So endet das Märchen
      nach der wilden Abenteuerreise auch mit einem Happy End.

      Was zunächst der Zeit typisch anfängt, die Oper hatte Ende der 1920er Jahre
      ihre Uraufführung, steigert sich in eisige Phantasiewelten bis hin zu einer
      phänomenalen Höllendarstellung. Dorota, das blonde Mädel vom Land, und
      der leicht naive Bauernbursche verkörpern die Entstehungszeit der Oper. Sie
      ist ihm treu und er lässt sich von Versprechungen leicht täuschen. Die Moral
      spielt eine große Rolle in dieser Oper. So lässt sich auch der erste Akt
      ("Daheim") recht märchenhaft an. Man spürt aber schon, mit wie viel Liebe
      an Bühnenbild und Kostümen gearbeitet wurde. Wirklich sensationell
      gelungen! Von der ländlichen Blumenwiese geht es in das Reich der
      Eiskönigin, in den zweiten Akt. Hier schlägt beinahe die letzte Glocke für die
      beiden, ehe Babinsky zu Hilfe eilt.

      Der Fantasie freien Lauf lässt auch der dritte Teil, die Hölle. Wow, was für
      eine Szene! Der Teufel (Joachim G. Maaß) dirigiert seinen Teufelsberg, voll
      mit verlorenen Seelen, die ihm gehören. Schwanda gerät hier unglücklich
      hinein. Der Opern- und Extrachor des MiR leistet hier ganze Arbeit. Auch
      wenn Schwanda dem Teufel zum Opfer fällt, bleiben möchte er hier nicht,
      und gehorchen schon gar nicht. Das Geschehen und die Darstellung sind
      insbesondere hier sensationell. Es ist jedoch wieder Babinsky, der den
      Teufel überlistet und dem Bauernpaar die Liebe zurück gibt. Diese feiern sie
      anschließend ganz zeitgenössisch in den projizierten Straßen von
      Gelsenkirchen. Szenisch sind wirklich tolle Ideen verarbeitet worden.

      Musikalisch kann man bei der Besetzung überhaupt nicht meckern. Stimm-
      lich passt alles sehr homogen. Die Sängerinnen und Sänger interpretieren
      ihre Rollen voller Lust und Hingabe. Man merkt ihnen den Spaß an der Arbeit
      an. Der musikalische Stoff bietet sich aber auch wunderbar an. Von schönen
      Harmonien bis hin zu dramatischen Fanfaren ist alles dabei, meisterhaft
      komponiert und ebenso von der Neuen Philharmonie Westfalen, unter der
      Leitung von Guiliano Betta, umgesetzt.

      Datum: 15. Juni 2019

      musiktheater-im-revier.de