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Ausstellungen 'ART ABOUT SHOES – von Schnabelschuh bis Sneaker' und 'Heiner Meyer – deutsche Pop Art im Stiletto-Format' in der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen
Die Ludwiggalerie Schloss Oberhausen nimmt sich einem Thema an, das uns jeden Tag betrifft, den Schuhen. Zwei spannende Ausstellungen fügen ich zu einer zusammen. „ART ABOUT SHOES – von Schnabelschuh bis Sneaker“ und „Heiner Meyer – deutsche Pop Art im Stiletto-Format“ lauten die beiden Titel, die beiderlei Geschlechter sehr gut ansprechen. Selbst vor dem Haus gibt es etwas Neues zu entdecken.

Ohne sie gehen wir nicht aus dem Haus. Schuhe gehören zu unserer mitteleuropäischen Grundausstattung. Es gibt sie in den verschiedensten Ausführungen, von sportlich bis elegant. Genau das ist auch die Spannbreite in der Gesamtausstellung. Dabei wird nach der Funktion und gewollten Aussagekraft unterschieden. Mal ist es der Ausdruck der Macht, mal die Verführung und es kann auch durchaus Mensch ohne Schuhe sein, der als Bettelmönch unterwegs ist.

Bei Heiner Meyer ist die Botschaft eindeutig. Seine Schuhe stehen für Verführung, Erotik und Sehnsüchte beider Geschlechter. Seine High Heels stehen in Verbindung mit Juwelen, Pralinen, Orchideen, Kaviar, schönen Frauenbeinen, Reichtum oder dem erfrischenden Pool hinter der Villa. Immer wieder tauchen Luxusautos bei ihm auf, Porsche, Mercedes, Aston Martin oder Bentley. Er zaubert eine illusionierte Luxuswelt an die Wände, die gefühlt mit glänzendem Lack voller Sehnsüchte nach einem Leben wie im Werbeparadies scheinbar trivial überzogen ist. Das Glück und die Jugend stehen allerdings oft auf dem wackeligen Untergrund einer Billardkugel, während das Bond-Girl gedanklich hochhackig vorbei schreitet. Es sind sehr farbige Motive im Stile der Pop Art, mit unübersehbaren Anspielungen an Roy Lichtenstein. Ist man einmal in seine Welt eingetaucht, so möchte man kaum mehr hinaus, besonders in so schwierigen Zeiten.

Der Rest der Ausstellung kommt tiefgründiger daher. Inhaltlich reicht es von Buddhas uralten Fußabdrücken aus dem 1./2. Jahrhundert, bis hin zu Joschka Fischers Turnschuhen im hessischen Landtag. Es gibt die typischen Schuhe der Mächtigen, die auch kräftig zutreten können. Stiefel galten bei den Nationalsozialisten als optischer Ausdruck von Macht. Den Opfern zog man ihre Schuhe aus und vergaste sie. Seine Position in der Gesellschaft drückt auch ein Kirchenoberhaupt gerne durch die Schuhmode aus. Stars wie Freddie Mercury oder Kiss hatten ebenfalls ihren eigenen Stil. Oft wurde der Schuh von Künstlern thematisiert. So hängt ein Dali neben der Mickey Mouse. Man entdeckt künstlerisch gestaltete Schuhmodelle aus vielen Jahrhunderten mit zahlreichen Geschichten, Bräuchen und Anekdoten. Ein ganz eigene Abteilung hat man roten Damenschuhen gewidmet. Sie fallen einem im Alltag sogar im Vorübergehen auf und vermitteln häufig eine besondere Botschaft. Schnell ist man auch in der Abteilung Fetisch. Über den Schuh und seine Geschichte kann man in dieser Schau sehr viel Spannendes lernen. So wurden Absätze z.B. zuerst von Männern getragen, um beim Kriegsgetümmel im Steigbügel einen besseren Halt zu haben und eine würdevolle Haltung einzunehmen. Man muss keine weibliche Schuhsammlerin sein, um hier Spaß zu haben.

Ein große Besonderheit steht vor dem Haus. Hier befindet sich ganz frisch eine 6 m hohe und 6 Tonnen schwere Skulptur, die Heiner Meyer entworfen hat und die von Oberhausener Unternehmen für die Ludwiggalerie kostenfrei angefertigt wurde. Der Stahl wurde ebenso gestiftet. Dafür schon mal ein großer Dank für das bürgerschaftliche Engagement an alle beteiligten Gewerke. Das Werk nennt sich „Red Heels“, besteht aus sieben großen Stilettos in rotem Speziallack und ist kaum zu übersehen. Dabei wirken die 6 Tonnen sehr filigran und gar nicht schwer. Abends wird angestrahlt und verbleibt auch nach Ende der Ausstellung an seinem Platz.

Das schöne Buch zur Ausstellung ist Verlag Kettler erschienen.

Laufzeit: 17. Januar bis 24. Mai 2021

www.ludwiggalerie.de