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      Mit dem sehr modern-bildgewaltigen Crossover-Schauspiel "Schöpfung" nach
      Joseph Haydn, in Kombination mit Szenen aus "Die Ermüdeten" von Bernhard
      Studlar, setzt das Schauspiel Dortmund seinen eingeschlagenen Weg der
      außergewöhnlichen Inszenierungen fort. Das gelungene Werk von Claudia
      Bauer überzeugt optisch und inhaltlich.

      Der Stoff von Haydn aus dem Jahre 1798 wird in die Gegenwart geholt und
      zugleich in die Zukunft geschickt. Musikalisch begleitet werden die sehr
      schönen klassischen Gesänge von den Opernsolisten Maria Helgath, Ulrich
      Cordes und Robin Grunwald durch elektronische Live-Klänge mit teilweise
      historischen Stilelementen. Gekonnt präsentiert vom musikalischen Leiter
      T.D. Finck von Finckenstein und Petra Riesenweber. Man hebt allerdings
      auch in Richtung Weltall ab. Sie zaubern die passende Stimmung als Sound-
      collage auf die Bühne. Die beiden völlig verschiedenen Musikgenres harmo-
      nierten gut miteinander.

      Der Mensch hat sich die Natur durch technische Hilfsmittel untertan gemacht.
      Algorithmen bestimmen unseren Alltag. Nicht selten sind wir heute schon
      ihnen untertan. Die oft komplizierte Technik verstehen wir kaum. Sie hat uns
      schon fest im Griff. So ist das komplett maschinenoptimierte Wesen im
      digitalen Zeitalter gar nicht so futuristisch. Entsprechend erscheinen die
      menschlich anmutenden Wesen, als sich der Nebel lichtet. Sie reden beinahe
      technisch wie ein Navi. "Wir sind niemand, ... haben keinen Charakter, keine
      Persönlichkeit. ... Wir sind keine vernünftigen Personen, wir sind die
      Vernunft." Gemeinsam treten sie ein, in den in sich abgeschlossenen Raum
      im Bühnenraum. Live werden die Handlungen auf eine Leinwand übertragen.
      Ab und zu gewährt man dem Publikum echte Einblicke. Ekkehard Freye,
      Björn Gabriel, Frank Genser, Marlena Keil, Bettina Lieder und Uwe Rohbeck
      füllen, nicht selten anonym hinter Maske, ihre außergewöhnlichen Rollen sehr
      gut aus.

      Es ist die Schöpfungsgeschichte, die sehr kreativ dargeboten wird. Farbige
      Kleider stellen die Pflanzen dar, während der fruchtbare Regen, der auf das
      trockene Land prasselt, durch duschende Schauspieler angedeutet wird. Die
      tollen Kostüme werden oft gewechselt, wie auch die Aktionsräume. Adam
      und Eva schreiten eine Treppe hinauf ins Liebesglück, die auch Romeo und
      Julia gut stehen würde, hinein in einen grün illuminierten Raum. Gattungen
      von Tieren entstehen aus einer Kette von Fehlern in der Evolution. Am Ende
      kennt der Mensch "376 Arten des Tötens und 28.597 Arten der Bearbeitung
      solcher Verstorbener". Dabei möchte er ein vernünftiges Wesen darstellen.
      Seine politischen Ideen von Sozialismus oder Kapitalismus sind genauso
      wenig perfekt, wie sein alltägliches Handeln. Die Gier steht uns im Weg. Der
      Idealzustand der menschlichen Gesellschaft ist Utopie.

      Wie der digitale Perfektionist aussieht, das zeigen die Schauspieler. Mittels
      Masken optisch nahezu gleich erscheinend präsentieren sie die Zukunft. Es
      gibt sehr gute Dialoge zwischen Mensch und künstlicher Intelligenz. Vieles ist
      philosophisch, aber gut verständlich und inhaltlich spannend. Das "Ich-liebe-
      dich-Programm" der künstlichen Wesen mit menschlichem Antlitz ist auf
      Hunderte Partner gleichzeitig zu übertragen. Der Tod ist nur ein "technisches
      Problem". Neue Programmierungen können es lösen.

      Ist es Science Fiction? Ist es ein Zukunftskrimi, der schon begonnen hat?
      Haben wir Gott als Schöpfer nicht längst abgelöst? Mit dem ständigen Blick
      auf das Smartphone werden viele Menschen bereits von digitalen Umwelten
      beherrscht. Freunde hat man in sogenannten sozialen Medien und für alles
      gibt es eine App. Ist das Aussterben der Menschheit zu vermeiden? Das
      außergewöhnliche Stück wirft einen spannenden Blick auf unsere Evolution,
      unsere Gegenwart und eine pessimistische Zukunft.

      Datum: 7. April 2018, Premiere, Schauspiel Dortmund

      www.theaterdo.de