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Ausstellung 'Silke Schönfeld. Über alles vernünftige Maß hinaus' im KiT in Düsseldorf
Mit der klasse Ausstellung „Silke Schönfeld. Über alles vernünftige Maß hinaus“ präsentiert das Museum Kunst in Tunnel (KiT) in Düsseldorf eine filmische Ausstellung mit alltäglichen Themenbereichen, die so gar nicht alltäglich wirken.

Silke Schönfeld (geb. 1988) ist noch jung an Jahren, hat aber schon einen ausgezeichneten Blick für die Gesellschaft und ihre spannenden Nischen. Dabei hält sie ihre Kamera einfach nur auf einen bestimmten Ausschnitt, ohne jegliche Schwenks. Als Betrachter sitzt man davor und wartet, was passieren wird, ganz im Gegensatz zu oft wilden Kameraeinstellungen im Film oder im TV. Hier kann das Auge ganz ruhig abwarten, muss nicht schnell switchen. Ab und zu wechselt der Ort oder die Kameraposition. Insgesamt fünf sehr sehenswerte Arbeiten zwischen 6 und 35 Minuten sind klein- oder großformatig zu erleben.

Wohin entführt uns Silke Schönfeld? Die erste Station entführt ganz schnöde in eine Wohnung, deren Fenster ein Gerüst ziert. Die Fenster sind mit Folie verhängt, die kleine Luken in die Außenwelt freigeben. Was sich dort so klein abspielt, das weckt Neugierde. Man wird an die Einsamkeit vieler Menschen während der Pandemie erinnert. Die nächste Station thematisiert die Mönchszüge in einem ostdeutschen Dorf, eine alte Tradition die sowohl unter den Nazis als auch unter SED-Herrschaft kritisch betrachtet wurde. Das gleiche Dorf ist Schauplatz des dritten Bildschirms. Eine rechtsgerichtete Kameradschaft hat ein Haus erworben und dieses als ihr Vereinsheim umgebaut. Man sieht keine Menschen, erfährt aber, dass dort Workshops zu Themen wie Heimat, Deutschland oder Krieg mit einem bestimmten Ziel angeboten werden, eine bedrückende Atmosphäre. Feucht, fröhlich und sehr traditionsbehaftet ist die Arbeit „Mainacht“, eine Festivität die Trinkspiele, das Näherkommen der jungen Leute, sexuelle Anzüglichkeiten, die kirchliche Segnung, den Maibaum, die Krönung und die Feier zusammenfasst. Man beobachtet und denkt über das Gesehene nach, eine wilde Mixtur. Die letzte Arbeit ist sportlich. Eine jugendliche Boxerin boxt sich im wahrsten Sinne des Wortes durch. Erst muss sie ihre Mutter überzeugen, dann steht sie im Ring. Thaiboxen ist ihre Leidenschaft, die auch körperliche Schmerzen beinhaltet. Doch es ihr Ding und davon lässt sie sich auch von niemanden abhalten.

Silke Schönfeld dringt mit ihrer Kamera im Welten ein, die nicht ihre sind, die aber nach Werten, Identitäten, Ritualen oder dem Sinn gewisser Dinge fragt. Man kriecht unter die Oberfläche einer bestimmten Szenerie, beobachtet und kann auch wieder hinaustreten. Richtig spannend.

Datum: 1. Mai bis 15. August 2021

www.kunst-im-tunnel.de