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      Eine wahre Entdeckung der besonderen Art sind die Arbeiten in der wunder-
      baren Ausstellung "David Schnell - Fenster" im Museum Küppersmühle (MKM)
      in Duisburg. Es zieht einen förmlich in die klasse Arbeiten des Künstlers hinein,
      der im Rheinland aufgewachsen ist und in Leipzig studiert hat. Gezeigt werden
      56 Arbeiten der letzten zehn Jahre.

      Es ein eine faszinierende Mischung aus Abstraktion und Gegenständlichkeit, ein
      extrem gelungener Spagat. Man entdeckt immer wieder Anrisse an Claude
      Monet und seine Seerosen, was nicht gewollt war, sich aber so ergeben hat.
      Schnell ist auch ein großer Freund japanische Holzschnitte, die ebenfalls
      unbewusst Teil seiner Maltechnik geworden sind, wenn man kleine Details und
      das Blattwerk der Bäume betrachtet. Die Himmel wirken dagegen abstrakt,
      wirken wie Cyberwelten. Farbkleckse werden zu Landschaften, wenn man weiter
      vom Motiv entfernt steht. Die optimale Entfernung zur Leinwand sollte man
      selbst herausfinden. Eindrücke lassen sich in den menschenleeren Motiven
      nicht richtig festmachen und doch passiert hier etwas. Spiegelungen durch auf
      der Leinwand herunter fließende Farben und senkrechte Elemente sind häufige
      Effekte. Man entdeckt einen hervorstechenden 3-D-Effekt durch warme Farben
      auf kalten Farbuntergründen, der bewusst gewählt ist. Es gibt mehrere oft
      niedrige Fluchtpunkte in einem Bild, was den Blick in die Tiefe zulässt. Jedes
      Bild bekommt eine Farbe als Grund, die wie ein großer Monitor leuchtet. Dabei
      wirkt ein Wald voller Bäume nicht nur wie ein Code, sondern auch surreal in der
      Farbgestaltung. Es sind Farben mit bewusster Wirkung auf die Stimmung.

      Fünf sehr großformatige neue Bilder sind extra für die Ausstellung entstanden,
      hohe Fenster von Gebäuden, die wie Straßenschluchten am Betrachter vorbei
      fliegen, was auch für viele Landschaftsbilder gilt. Sie wirken wie Visionen, wie
      die Schnelligkeit der heutigen Zeit. Naturelemente und Dörfer treffen auf archi-
      tektonisch moderne Stadtansichten der besonderen Art. Dabei geht der Effekt
      der Wiedererkennung bei aller Abstraktion nicht verloren. Teilweise sind es
      scheinbar zerbrechliche, scharfkantige Motive. Sie lassen sich aber nie verorten.
      Wie viele Details verträgt ein Bild? Diese Frage gehört zu den wichtigsten in
      seinem Werk. Diese phantastischen Bilder sind grundsätzlich offen für eigene
      Interpretationen, geben aber durchaus Hilfestellungen durch einige Details.

      Durch ein Villa-Massimo-Stipendium bekam David Schnell den Auftrag in
      Genzano di Roma, einen Blumenteppich auf der Straße für das Fronleichnams-
      wochenende zu gestalten, eine Arbeit mit sakralen und theatralischen Aspekten.
      Eine digitale Fotodokumentation ist Teil der Ausstellung. Zudem gewann er die
      Ausschreibung ein Kirchenfenster in Leipzig zu entwerfen.

      Zur absolut sehenswerten Ausstellung ist ein gleichnamiger und sehr schöner
      Katalog im Wienand Verlag erschienen, der im Museum erhältlich ist.

      Laufzeit: 10. März bis 18. Juni 2017

      www.museum-kueppersmuehle.de