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      Wenn das Schauspiel Bochum in die Spielzeit startet, wird zunächst gefeiert.
      Das gesamte Haus mit seinen MitarbeiterInnen und dem zahlenden Theater-
      volk trafen sich zum Theaterfest der Spielzeit 2019/2020 im und vor dem
      Haus, bei bestem Wetter und toller Stimmung.

      Vor der schweren Arbeit kommt die Party. Kaum eine Ecke des Hauses
      blieb den neugierigen Blicken der Besucher verschlossen. Es wurden sze-
      nische Lesungen im Foyer, Singaktionen mit dem Publikum und zahlreiche
      Programmpunkte für Kinder angeboten. Die Kleinen durften Requisiten
      basteln, sich von der Maske schminken lassen oder keine Theaterszenen
      erleben. Die Erwachsenen konnten selbst auf der Damentoilette einem
      wunderbaren Monolog-Labor lauschen. Schauspielerin Mercy Dorcas Otieno
      spielte einen Mafiaboss, inkl. einer Leiche. So voll besetzt war das Damen-
      WC im Keller wohl lange nicht mehr. Ein ähnliches Programm bot der Neue
      am Haus, Marius Huth, im oberen Seitenfoyer. Er ist 26 Jahre jung und
      kommt vom Konservatorium in Wien. Einige der SchauspielerInnen traten
      zum Speeddating an. Einmal die Stars der Bühne ganz nah bei sich haben
      und neugierig sein. Mit einem alten Hasen konnte man sogar ganz alleine im
      großen Saal ein paar Minuten verbringen. Bernd Rademacher sang oder
      rezitierte, je nach Wahl. Auch das Junge Schauspiel am Haus stellte sich
      vor.

      Ganz tief in die Backstage-Bereiche konnte man bei den Hausführungen
      blicken. So eine Inszenierung erfordert jede Menge Zeit, Kreativität und
      Einsatz aller Beteiligten. 380 Mitarbeiter beschäftigt das Schauspielhaus
      Bochum insgesamt. Zunächst ging es in die 1966 erbauten Kammerspiele
      mit ihren 404 Plätzen. Hier ist die Bühne sogar einen Meter breiter als im
      großen Haus, jedoch wesentlich niedriger. Der Schnürboden im großen Haus
      misst dagegen eine Höhe von 21 Metern. Der Blick nach oben ist gewaltig.
      Hundert Züge sorgen dafür, dass die Bühnenbilder möglichst unauffällig
      auf- und abfahren. Eine ganz große Besonderheit ist die 20 Tonnen schwere
      Drehbühne, die von der Wand auf den Boden gefahren werden kann. Nur in
      Moskau gibt es ein Theater, das eine ähnliche Konstruktion besitzt. Bereits
      zweimal ist der Malsaal durch ein Feuer zerstört worden. Der neue ist nun
      weniger entflammbar. Hier arbeiten Vertreter verschiedener Gewerke mitein-
      ander. Einige Werkstätten sind ansonsten ausgelagert. Dort findet man u. a.
      6.000 Paar Schuhe. Die Kostüme werden hier lichtreduziert bei 18°C
      gelagert, was Motten gar nicht mögen. Im Kulissenlager ist es dagegen
      erstaunlich übersichtlich. Das liegt daran, dass Intendant Johan Simons
      gerne Kooperationen mit anderen Häusern eingeht, z.B. Zürich. Das spart
      Kosten und Lagerplatz. Auch während der Spielzeit werden regelmäßig
      Hausführungen angeboten.

      Ansonsten ist hier alles unter Denkmalschutz gestellt worden. Der Saal ist
      einem Amphitheater nachempfunden, inkl. eines Balkons. Die orangen
      Bezüge der 801 Sitze, das Mahagoni-Holz der Vertäfelung sowie die Tulpen-
      lampen dürfen nicht verändert werden. Die Bühne besitzt zwei Podien für ein
      eventuelles Orchester sowie vier Podien, die auch angeschrägt werden
      können. 1907 stand hier übrigens ein Varieté-Theater, das nach zwei Jahren
      allerdings pleite war. Daraus wurde an gleicher Stelle ein Stadttheater,
      welches am 4. November 1944 einem Bombenangriff zum Opfer fiel.

      Gespielt wird sehr bald auch jede Menge. Die Spielzeitvorschau im großen
      Saal bot einige Informationen zu kommenden Produktionen. Insgesamt 24
      Premieren, davon 19 Neuproduktionen und sieben Uraufführungen umfasst die
      Saison 2019/2020. Einige der Namen, die das Programm der Spielzeit
      2019/2020 prägen, sind neben Intendant Johan Simons die vielfach ausge-
      zeichnete Regisseurin Karin Henkel, das Multitalent Herbert, die kanadische
      Pop-Ikone Peaches mit einer Weltpremiere und der Regisseur Nicolas
      Stemann. Los geht es am 3.10. mit "Geschichten aus dem Wienerwald",
      gefolgt von "Dying together" (4.10.) und "Ein Fest für Meckie" (10.10.). Im
      Februar kombiniert man im Stück "Samstag, Sonntag, Montag" Schauspiel
      mit kulinarischen Genüssen im Theater in der Zeche.

      Datum: 22. September 2019, Schauspielhaus Bochum

      www.schauspielhausbochum.de