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      So kann man die Welt ertragen. Das Finale des renommierten Kabarettprei-
      ses "Das Schwarze Schaf" fand im Theater am Marientor in Duisburg statt.
      Die fünf Finalisten bewiesen, dass das politische Kabarett noch lange nicht
      aus der Mode und wichtig ist. Es war ein sehr unterhaltsamer Abend.

      Es war die zehnte Ausgabe, der Preis zu Ehren des großen und unvergesse-
      nen Hanns Dieter Hüsch. Die Vorrunden in der Umgebung von Duisburg
      wurden noch durch Publikumsabstimmung entschieden. Im Finale hatte es
      die Jury um Mirja Boes sehr schwer. Berhane Berhane, Artem Zolotarov,
      Salim Samatou, Gregor Pallast sowie Mike & Aydin boten beste Unterhal-
      tung. Eigentlich hätte jeder den mit 6.000,- Euro dotierten Preis verdient
      gehabt. Am Ende setzte sich Salim Samatou nicht unverdient durch. Er ist
      das Schwarze Schaf 2018.

      Den Wellenbrecher machte gekonnt Berhane Berhane (= Licht Licht), der
      Wurzeln in Äthiopien hat. Seinen ungewöhnlichen Namen machte er zum
      Thema. Bei Behörden oder beim Zoll am Flughafen wird schon mal nach-
      gefragt. Sein Heimatland ist die Wiege der Menschheit. "Lucy" der älteste
      Menschenfund, stammt von dort. Ihn störte die Körpersprache und Laune
      vieler Deutscher. Während die Afrikaner stolz und fröhlich durch die Welt
      laufen, schleichen viele Deutsche mürrisch, unzufrieden und leicht gebeugt
      durchs Leben.

      Artem Zolotarov, aus der Ukraine stämmig, stammt aus der Poetry-Slam-
      Szene und ist als Schriftsteller tätig. Sehr wohl formuliert beschäftigte er sich
      mit der Angst, die unser ständiger Begleiter ist. Ohne sie könnten wir gar
      nicht leben. Es machte Spaß, seinen fein formulierten Ausführungen zu
      lauschen. Der dritte Platz ist durchaus verdient.

      Gregor Pallast aus Bonn, der hauptamtliche Lehrer für Politik und Biologie,
      hätte auf jeden Fall einen Preis verdient gehabt. Allen SUV-Fahrern im Saal
      führte er vor, welchen Sprit fressenden Wahnsinn sie steuern. Viele Park-
      lücken sind zu klein. Je größer das Auto, desto grimmiger ist der äußere
      Anblick. Selbst Kleinwagen kommen heute mit aufgeblasenen Blechen daher.
      Vielleicht wirken deshalb Oldtimer so sympathisch auf uns, weil sie keinen
      Arschloch-Faktor versprühen. Die Abgasproblematik, sowie die weltweiten
      Umweltprobleme waren seine Themen.

      Bei Mike & Aydin stand Europa auf dem Zettel. Als stilvoller englischer
      Gentleman und emotionaler Deutsch-Türke reisten sie gemeinsam geschickt
      durch Europa. Beim Fußball ist Aydin doch eher Deutscher als Türke (WM-
      Titel?), obwohl er sehr emotional einen türkischen Fußballreporter mimen
      kann. Soll die Türkei in die EU? Der Stolz der Türken verlangt danach, wenn
      schon Bulgaren und Rumänen mitmachen dürfen. Welche Eigenschaften
      haben europäische Staaten in den Augen der Bundesbürger? Im Osten sind
      es fast alles Russen, die Polen sogar kriminelle Russen. Die Egomanie der
      Staaten verpackten sie musikalisch in einem schönen Song à la Elvis.

      Ein vertretbarer Gewinner war Salim Samatou aus Köln. Der erst 23 Jahre
      junge und studierte Wirtschaftsinformatiker kam an. Er ist ein absolutes
      Bühnentalent. In den USA steht er mit bekannten US-Comedygrößen auf
      der Bühne und auch hier sackte er schon so manchen Preis ein. Der Bezug
      zu Hüsch ist bei ihm vielleicht nur eher zufällig am Rande, denn er denkt
      geografisch weiträumiger, wie auch historisch. Intelligent nahm er die Riege
      der Top-Nazis auf die Arme, halb blind, mit Klumpfuß oder Hitler als arm-
      seliger Kunstmaler. Man erfuhr, dass er die Kunsthochschule, die ihn in Wien
      zweimal nicht aufnahm, 1938 persönlich schließen ließ. Himmler hatte
      zwölf Dioptrien vor den Augen und sprach in Reden von "Augen wie ein Adler".
      Durch das Nazi-Dokumentationszentrum in Nürnberg führte ihn ein Pole,
      auch ein Paradoxum. Die Rangliste der Baby-Vornamen soll es nur in
      Deutschland geben, eine große Diskriminierung für alle Kevins. Mit seinen
      marokkanisch-indischen Wurzeln möchte er sein Kind Eberhard nennen.

      Hervorragend garniert wurde das Programm durch Moderator Matthias
      Brodowy, der auch als Kabarettist glänzte. Der reiche Erfahrungsschatz
      seines Lebens war extrem unterhaltsam. Sein enger Bezug zu Hanns Dieter
      Hüsch drückte sich in Wortbeiträgen und Liedern aus. Hüsch lebte durch
      ihn wieder für einen Abend wunderbar auf, als ob Hüschs Seele in ihm
      weiterlebt. Seine Ode an den Großmeister vom Niederrhein war bemerkens-
      wert. Die Vorrunden moderiert stets Christoph Brüske. Auch er durfte auf der
      Bühne glänzen. Bei ihm bekamen alle Parteien ihr Fett weg, ob der geflüch-
      tete Bayern-Horst, der in Kreuze verliebte Markus, die Alleinherrscherin
      Angela, die von Schröder immer noch gebeutelte SPD mit Andrea, die optisch
      eher einer Kugelstoßerin ähnelt, oder die zerstrittene AfD, die sowieso
      unwählbar ist.

      Datum: 5. Mai 2018, Theater am Marientor, Duisburg

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