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      Einen sehr unterhaltsamen Kabarettabend erlebten 1.400 Zuschauer im Theater
      am Marientor in Duisburg. „Das Schwarze Schaf“ 2016 hatte sechs gute bis
      sehr gute Finalisten zu bieten, die sich in den Wochen zuvor in Vorrunden mit
      Publikumsentscheid durchsetzen mussten. In Duisburg war die Jury-Entschei-
      dung extrem schwierig. Am Ende siegte der Gast aus Berlin.

      Als "Schwarzes Schaf vom Niederrhein" bezeichnete sich einst der Kabarettist
      Hanns Dieter Hüsch. 1999 rief er den Nachwuchswettbewerb "Das Schwarze
      Schaf" ins Leben. Damals gewann Matthias Brodowy, der ausgezeichnet durch
      den Abend führte und auch eine große und berührende Hommage an Hanns
      Dieter Hüsch zum Besten gab. Hüschs Texte sind wirklich ein Genuss. Ein
      Mann wie er fehlt uns einfach in dieser turbulenten Zeit. Seine Witwe und seine
      Tochter waren zum Finale im Theater anwesend.

      Das Kabarett ist jedenfalls nicht tot und wird es auch nie sein, ist die Bühne hier
      und da auch noch so klein. Immer wieder stoßen neue und gute Talente nach,
      wie man nun wieder in Duisburg erleben konnte. Die Jury um die Vorsitzende
      Mirja Boes hatte wirklich die Qual der Wahl, so verschieden und gut waren die
      Teilnehmer. Katalyn Bohn (Wiesbaden), De Frau Kühne (Xanten), Sebastian
      Nitsch (Berlin),&xnbsp;Marvin Spencer (Hamburg), Kai Spitzl (Köln) und
      Christoph Tiemann (Münster).haben dabei ihre eigenen und völlig unterschied-
      lichen Duftnoten gesetzt.

      Wirklich fast alle hätten erster Sieger sein können, die Jury musste aber eine
      Entscheidung fällen. Sebastian Nitsch war der Glückliche, der 6.000 Euro Preis-
      geld mitnehmen durfte. Christoph Tiemann als Zweiter und Kai Spitzl als dritter
      Preisträger freuten sich über 4.000 bzw. 2.000 Euro.

      Sebastian Nitsch ist einer der Kabarettisten, die ganz genau hinsehen und
      -hören. Er begleitet sich selbst auf einen kleinen Tasteninstrument. Poetisch
      schräg und auf den Punkt ist seine Suche nach dem kleinen Glück, das sich so
      gerne versteckt. Es ist kurzsichtig, aber es ist schön, dass es tatsächlich
      existiert. Er präsentiert nette Wortspiele, die auch von Alltagsverpackungen
      stammen können. Was soll denn „atlantische Frische“ in einem Shampoo sein?
      Die Werbung spielt mit unserer Phantasie und führt und uns mit merkwürdigen
      Versprechungen hinters Licht. Diversen Aha-Begriffen sollte man nicht trauen.
      Passend bemerkt er auch, dass wir viele Dinge gerne schieben, statt „jetzt und
      sofort“ zu handeln. Da macht uns die Politik vieles vor.Seine sehr sensible
      Beobachtungsgabe und die schon eher poetische Darbietung machten ihn zu
      einem würdigen ersten Sieger.

      Christoph Tiemann wird einigen TV-und Radiokonsumenten des WDR etwas
      sagen. Deutlich prangerte er die gesellschaftlichen und politischen Zustände in
      unseren Land an. Als Kabarettist hat er es heute ohne Wehner und Stoiber
      schwer. Sich die niveauarmen Talkshows mit eloquent geschulten Politikern
      anzusehen, das ist die dunkle Seite seines Berufs. Auch er hört genau hin,
      wenn es um Begriffe geht. Eine „Drohne“ klingt fast so nett wie die Biene Maja,
      ist aber tatsächlich ein brutales Exekutionsinstrument. Da gilt ebenfalls für
      deutsche Waffen in diversen Krisengebieten in aller Welt. Er legte einen sehr
      guten Auftritt hin.

      Kai Spitzl blickte auch mal spitzfindig über die Grenzen. Wien ist das neue
      Dresden! Die fremdenfeindlichen Strömungen machen Österreich nicht beson-
      ders sympathisch. Tradition verpflichtet eben im Alpenland. Auch er kann dem
      TV-Programm nicht viel abgewinnen. Nicht umsonst bezeichnet man dieses
      Betrachtungsgerät auch als „Flachbildschirm“. Seine extrem kurzen Kurzge-
      schichten, gepaart mit gekonnter Selbstironie, waren seine ganz eigene Note.

      Ebenfalls nicht verkehrt war auch Katalyn Bohn, die gekonnt schauspielerisch
      und pantomimisch sehr überzeugen konnte. Sie hat es schließlich an der Folk-
      wang Hochschule studiert. Inhaltlich muss sie als Neu-Kabarettistin noch etwas
      feilen. Auch die eher grobschlächtige „De Frau Kühne“ und Marvin Spencer
      sorgten für zahlreiche Lacher und kamen an.

      Wenn man die gesellschaftlichen und politischen Probleme in Deutschland und
      der Welt einfach nicht mehr hören und sehen möchte, es gibt da draußen so
      viele gute Kleinkünstler, die einem das Leben so wunderbar vergnüglich machen.
      Man muss sich nur aufraffen. Die sechs Protagonisten in Duisburg machten
      Lust auf mehr Kabarett.

      Datum: 7. Mai 2016

      www.dasschwarzeschaf.com