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      In einer Gesellschaft uns oft unheimlich erscheinenden Fortschritts ist der
      Wunsch nach Perfektion unausweichlich. Passend dazu hat das Theater
      Oberhausen das Stück "Der Sandmann" von E.T.A. Hoffmann auf den Spiel-
      plan gesetzt, inszeniert vom Intendanten Florian Fiedler.

      Schon in der Versuchsküche hatten Coppola und Nathanaels Vater fleißig
      experimentiert, bis letzterer verstarb. Der Tod hinterließ tiefe Narben in der
      Seele des kleinen Nathanael. Als Student meint Nathanael den vermeint-
      lichen Mörder im Advokaten Coppelius zu erkennen. Der Stoff klingt schon
      guselig.

      Entsprechend unheimlich ist die Inszenierung. Weiße Tücher sind die Haupt-
      elemente des Bühnenbilds. Hier lassen sich Schatten klein und groß
      geheimnisvoll projizieren oder Grafiken leicht bibbernd animieren. Der
      Rahmen ist wahrlich gelungen. Der Rest der Inszenierung schließt sich dem
      an. Nathanael wird sehr gekonnt als Puppe von Ayana Goldstein, Elisabeth
      Hoppe und Ronja Oppelt gespielt. Dabei wechseln sie sich in ihrer Rolle
      genauso ab, wie in der Figur der Clara, Nathanaels Verlobter. Das Puppen-
      spiel ist wirklich eine Kunst, die man als Theaterschauspielerin nicht allzu oft
      ausübt. An der Puppe werden sogar die Seelenqualen deutlich, wenn ihr
      Arme und Beine ausgerissen werden. So wird im Stück das Gruselige
      optisch herunter gespielt. Der Experimentierküche möchte man allerdings
      nicht zu nahe kommen. Hier zischt und dampft es.

      Zurück zum Fortschritt. Als die wundersame Olimpia, die Perfektion von Frau
      aus den Händen von Coppola, Nathanael begegnet, ist er hin und weg. Sie
      ist eine Maschine, die keine Widerworte gibt und handzahm ist. Genauso
      mag es Nathanael. Der Konflikt zwischen natürlicher Liebe und die zu einer
      Maschine bricht auf. Wie werden die Geschlechterrollen und der Wunsch
      nach Liebe heute interpretiert?

      Schauspielerisch ist die Inszenierung absolut gelungen. Die nicht einfache
      Geschichte wird klar und doch außergewöhnlich erzählt. Das Puppenspiel ist
      sehenswert, wie auch die schönen Kostüme.

      Datum: 3. November 2018, Premiere

      www.theater-oberhausen.de